Tatort (Foto: ard-foto s1)

Wiedersehen in der pfälzischen Provinz Wie der Tatort "Die Pfalz von oben" bei den Zuschauern ankam

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Als "Tod im Häcksler" 1991 in der Pfalz gedreht wurde, stieß der Tatort auf harte Kritik. Zum Jubiläum von Ulrike Folkerts wurde die Geschichte nun 28 Jahre später fortgesetzt. Wie kam der Tatort beim Publikum an?

Es ist ein emotionales Wiedersehen, nicht nur für die altbekannten Kommissare Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Stefan Tries (Ben Becker), sondern auch für die Region. Fast zehn Millionen Menschen verfolgten am Sonntagabend im Ersten, wie die Kommissarin 28 Jahre nach dem Skandal-Tatort "Tod im Häcksler" erneut in die Pfälzer Provinz kommt. Was bei einigen negative Erinnerungen weckt, stößt bei anderen wiederum auf große Begeisterung.

Der Skandal-Tatort wird neu aufgelegt

Der Tatort von 1991 wurde von den Pfälzern alles andere als positiv aufgenommen. Die Darstellung der Landbevölkerung, die sich gegen einen rumänischen Spätaussiedler verbündet, galt als diffamierend. Kommissarin Lena Odenthal nannte die Region damals "Pfälzisch Sibirien". Die Bevölkerung fühlte sich durch den Tatort als hinterwäldlerischer Mob dargestellt. Während der Tatort damals eine große Diskussion im Landtag von Rheinland Pfalz auslöste, stößt die Neuauflage auf größere Zustimmung.

Mit offenen Armen empfangen

Trotz des damaligen Skandals empfing die Verbandsgemeinde Rockenhausen das Tatort-Team auch im Jahr 2019 mit offenen Armen. "Hier im Rathaus waren alle begeistert und halfen sogar bei der Suche nach geeigneten Drehorten mit. Es ist ein regelrechtes Tatort-Fieber ausgebrochen", sagt Verena Haupt von der Verbandsgemeinde Rockenhausen.

Die Reaktionen im Netz sind geteilt. Sowohl auf Twitter als auch auf Facebok äußerten sich viele Tatort-Fans und auch Menschen aus der Region.

Wo liegt nochmal das Saarland?

Anders als beim Vorgänger von 1991 erhielt der Tatort "Die Pfalz von oben" auch positive Rückmeldungen. So schreibt etwa ein Nutzer auf Facebook: "Was für eine schon Landschaft im #Tatort. Da habe ich in der Nachbarschaft vier Jahre gelebt." Trotz idyllischer Landschaftsbilder störten sich viele Pfalz-Kenner an den geographischen Ungenauigkeiten: "Der Tatort spielt nahe der französischen Grenze und dann ein Leichenwagen mit Bad Kreuznacher Kennzeichen." Wenn die Nordpfalz laut Drehbuch nur drei Kilometer von der französischen Grenze entfernt liegt, fragen sich viele Kommentatoren, wo auf der Tatort-Deutschlandkarte das Saarland liegen soll. Auch die Darstellung der Beerdigung des getöteten Polizisten kommt bei vielen nicht gut an, denn so richtig typisch sei so ein Umzug für die Region nicht.

Drogen und Korruption

Ein weiterer Kritikpunkt in den Sozialen Medien ist das Verhalten der Lena Odenthal. Der Tod eines jungen Polizisten, der mutwillig von einem Lkw-Fahrer überfahren wird, beschäftigt in diesem Tatort die Kommissarin. Nach und nach wird klar, dass sich im Polizeipräsidium Drogen und Korruption breit gemacht haben und auch Odenthals alter Bekannter Stefan Tries ein Tatverdächtiger ist. Bei den Zuschauern kommt allerdings nicht gut an, dass auch die Kommissarin irgendwann schwach wird: "Lena und Koksen geht gar nicht. Aber absolut gar nicht." Dass Odenthal trotz dringendem Tatverdacht eine alte Liebschaft aufflammen lässt, wird ebenfalls von vielen Zuschauern kritisiert.

Auch bei Polizisten stößt das Drehbuch sauer auf. So schreibt Polizist Thomas Lebkücher auf Facebook: "Als Polizist, der stolz ist auf seinen Beruf und seine Kolleginnen und Kollegen, auch vor allem im Kreis Kusel und in der Nordpfalz, kann ich nur kotzen." Er kritisiert außerdem das Verhalten von Stefan Tries: "Wenn Ben Becker von seinem Stellvertreter übertölpelt wurde, warum und wie sollte er dann Lena Odenthal herbeirufen, um das ganze auffliegen zu lassen."

Eine positive Erwähnung erhält hingegen der 1.FC Kaiserslautern, der sich darüber erfreut auf Twitter äußert. Odenthal wundert sich nämlich, dass ihr alter Bekannter nach 30 Jahren trotz aller Misserfolge immer noch Fan des Vereins ist. Doch Tries antwortet nur "Verein bleibt Verein". Diese Treue können sicherlich viele FCK-Fans nachempfinden.

Ein nostalgisches Flair

Trotz aller Kritik freuten sich viele Tatort-Fans über das Wiedersehen zweier alter Bekannter. "Ben Becker und Ulrike Folkerts waren Klasse. Der Fall an sich etwas verworren. Toll die Rückblenden. Dadurch, dass sie ja wirklich 30 Jahre alt waren, sehr glaubhaft", heißt es auf Facebook. Es war natürlich nicht nur ein Wiedersehen der beiden Charaktere sondern auch der beiden Schauspieler. Ben Becker soll zum damaligen Dreh sogar etwas für Ulrike Folkerts geschwärmt haben. Unterm Strich erntet ihr Jubiläums-Tatort zwar auch viel Kritik, kommt aber deutlich besser an als das Original von 1991.

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