Vorfall in der Pfalz Gefährliche Begegnung zwischen Polizeidrohne und Kampfjet

Mitte Mai ist es im Kreis Kaiserslautern nach SWR-Recherchen zu einer gefährlichen Begegnung im Luftraum gekommen. Eine Polizeidrohne und ein Kampfjet der Bundeswehr kamen sich über Enkenbach-Alsenborn sehr nahe.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Der Vorfall geschah nach SWR-Recherchen am 10. Mai. Eine Spezialeinheit der Polizei Rheinland-Pfalz übte Drohnenflüge bei Enkenbach-Alsenborn in einer Höhe unterhalb von 300 Metern, bestätigt das zuständige Polizeipräsidium in Mainz dem SWR. Was dann passierte, darüber gehen die Darstellungen allerdings auseinander.

Tornado im Tiefflug

Klar ist, dass zum gleichen Zeitpunkt mindestens ein Tornado-Kampfflugzeug des Luftwaffengeschwaders 33 im rheinland-pfälzischen Büchel den Bereich Enkenbach-Alsenborn im Tiefflug passierte. Dieser Tiefflug war für eine Mindestflughöhe von 150 Meter angemeldet, sagt die Luftwaffe.

In einem internen Polizei-Schreiben, das dem SWR vorliegt, heißt es dazu, zwei Jets seien unter der Drohne hindurchgeflogen, es sei zu einer "gefährlichen Annäherung" gekommen. Offiziell sagt die Polizei dem SWR allerdings, die Jets seien "seitlich in einem Abstand von dreihundert Metern" an der Drohne vorbeigeflogen.

Der Akku ist gefährlich

Unklar ist, welche Folgen eine Kollision zwischen Drohne und Jet gehabt hätte. Zwar sind Kampfflugzeuge auf Vogelschläge ausgelegt, doch Drohen bestehen aus viel festeren Materialien, erklären Experten. "Vor allem der Akku gilt als Risiko", sagt Prof. Andreas Strohmayer vom Institut für Flugzeugbau an der Universität Stuttgart dem SWR.

Derzeit gebe es verschiedene internationale Forschungsprojekte, um die Auswirkungen von Drohnenunfällen zu testen. "Es ist das Szenario, das wir alle befürchten", so Strohmayer über eine Kollision mit einer Drohne. Bezogen auf ein Kampfflugzeug gebe es dazu aber noch keine Erfahrungswerte.

Drohnen vorläufig nicht höher als 120 Meter

Mehrere Bundesländer, darunter Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, haben deshalb nach SWR-Recherchen nach dem Vorfall bei Kaiserslautern vorerst angeordnet, ihre Drohnen nicht mehr höher als 120 Meter fliegen zu lassen. Nun wird ein Weg gesucht, wie es künftig zu einer besseren Abstimmung mit der Luftwaffe kommen kann, damit sich so ein gefährlicher Vorfall nicht wiederholt.

Klare Regeln im Luftraum

Im Luftraum über Enkenbach-Alsenborn waren die Regeln allerdings klar: Für Drohne und Kampfjet galten Sichtflugregeln, "see and avoid" heißt das Prinzip, wonach der Pilot Gefahren erkennen und ihnen ausweichen muss. Wegen der geringen Höhe von weniger als 300 Metern war die Deutsche Flugsicherung nicht zuständig, heißt es dort. Deswegen hätte es auch nichts geholfen, wenn die Polizei den Flug ihrer Drohne bei der Flugsicherung angemeldet hätte – wie es laut internen Polizeiunterlagen vor der Übung geschehen sei. Doch ein solcher Hinweis ist der Deutschen Flugsicherung nicht bekannt, sagte eine Sprecherin.

Bei der Bundeswehr hat es dagegen offenbar einen Hinweis auf den Drohnenflug gegeben. Die Polizei Rheinland-Pfalz habe am 10. Mai angerufen und sich nach den Flugregeln erkundigt, so ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr im Gespräch mit dem SWR. Der Anruf sei allerdings auf dem Bürgertelefon der Luftwaffe eingegangen.

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