Mit einem sogenannten Harvester werdenNadelbäume in einem Wald gefällt (Foto: dpa Bildfunk)

Holzwirtschaft auf dem Holzweg? Naturschützer kritisieren industrielle Nutzung des Waldes

Der Wald ist wichtig für das Klima, ein Erholungsgebiet und in Rheinland-Pfalz von großer ökonomischer Bedeutung. Folglich treffen hier verschiedene Interessen aufeinander. Naturschützer sehen das Gleichgewicht bedroht.

Susanne Ecker führt in einem Waldstück in der Nähe von Johanniskreuz Kinder, Jugendliche und Interessierte durch die Natur. Dort findet sie immer seltener alte Buchen, an denen sie zeigen kann, was die "Vielfalt im Buchenwald interessant macht", wie sie sagt. Ecker ist Naturführerin. Sie engagiert sich bei der Bundesbürgerinitiative Waldschutz, die sich im Juli 2017 in Darmstadt gegründet hat.

Naturführerin Susanne Ecker sorgt sich um den Zustand des Pfälzerwaldes (Foto: SWR)
Naturführerin Susanne Ecker sorgt sich um den Zustand des Pfälzerwaldes

Sie und ihre Mitstreiter beklagen, dass die Wanderwege im Pfälzerwald wegen der Bewirtschaftung zunehmend zu Wirtschaftstraßen werden. Tonnenschwere Erntemaschinen würden sich ihren Weg durch den Wald bahnen und den Waldboden verdichten, so dass dort viele Jahrzehnte nichts mehr wachsen könne.

Werden zu viele Bäume abgeholzt?

Sie kenne Stellen im Wald, an denen das Kronendach der Bäume nicht mehr geschlossen sei. Sie befürchte nun, dass die Bäume im Sommer durch die Sonneneinstrahlung Sonnenbrand bekommen könnten und die Rinde aufplatze. "Das ist der Anfang vom Ende eines Baumes. Dann wird der Förster ihn entnehmen müssen. Das heißt, wir haben hier dann irgendwann eine kahle Fläche", klagt Ecker.

Die Leiterin des Forstamts Kaiserlautern Ute Fenkner-Gies ist für diesen Waldabschnitt zuständig. Sie sieht das nicht so dramatisch. Sie erklärt, dass erntereife Bäume entnommen werden, bevor sie absterben. So könne das Holz noch verkauft werden. Durch das einfallende Licht könnten dann wiederum junge Bäume nachwachsen. "Es gibt viele alte Bäume im Pfälzerwald und wir werden drauf achten, dass das so bleibt. Manche Bäume werden wir auch stehen lassen, bis zu ihrem natürlichen Tod", so Fenkner-Gies.

Die Leiterin des Forstamts Kaiserslautern, Ute Fenker-Gies, fühlt sich dem Wald verpflichtet (Foto: SWR)
Die Leiterin des Forstamts Kaiserslautern, Ute Fenkner-Gies, fühlt sich dem Wald verpflichtet.

Höfken: Wald ist wichtig für Rheinland-Pfalz

Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) betont im SWR-Interview wie bedeutend der Wald für die ländliche Entwicklung und das Land Rheinland-Pfalz ist. Seit mehr als 30 Jahren gebe es schon eine nachhaltige Holzwirtschaft im Land.

"Wir haben in Rheinland-Pfalz keinen Urwald, sondern wir haben eine Kulturlandschaft. Wir bemühen uns einen Teil wieder in die Wildnis zu überführen. Aber wir werden nicht auf die Nutzung der Wälder verzichten können", sagt Höfken.

Klima setzt Bäumen zu

Der Ministerin bereite hingegen die Klimaveränderung Sorge. 84 Prozent der Bäume seien deshalb krank. Die Trockenheit führe dazu, dass die Bäume für Schädlinge wie den Borkenkäfer anfällig würden. Deshalb müssten momentan so viele Fichten entnommen werden. Das führe zu riesigen Ausfällen beim Holz-Zuwachs und bedrohe die Biodiversität.

Fenkner-Gies bekräftigt: "Wir Förster wollen für den Wald kämpfen. Natürlich wollen wir auch Holz ernten. Wir wollen gerne ökologische Funktionen bewahren und hier um Kaiserslautern herum ist auch Erholungswald. Die Industrie hat keinen direkten Zugriff. Wir sagen welches Holz wir verkaufen wollen."

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