Flugzeug am Frankfurter Flughafen (Archivbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Studie des Umweltbundesamtes Kerosinablass "unkritisch" für Mensch und Umwelt

Das Umweltbundesamt hat ein Gutachten zum Kerosinablass von Flugzeugen vorgelegt. Danach haben die Kerosinrückstände "nach derzeitigem Wissensstand keine kritischen Umweltauswirkungen".

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Die Behörde bezeichnet das Fuel-Dumping, wie es in der Luftfahrtsprache heißt, als "unkritisch" für Mensch und Umwelt. Das ist das Ergebnis eines Berichtes des Amtes über die Folgen abgelassenen Kerosins aus Flugzeugen, welche in Notsituationen landen und daher ihr Gewicht verringern müssen.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken kritisierte die Studie: „Auch nach zwei Jahren gibt es vom Bund noch kein fertiges Gutachten zu Treibstoffablässen“, sagte sie. Sie bedauere, dass von Bundesministerin Svenja Schulze (SPD) nach zwei Jahren noch immer kein vollständiges und fachlich abgenommenes Gutachten vorliege. Die Studie sei nur eine Zusammenfassung, in der darauf hingewiesen werde, dass das Forschungsprojekt bis zum 30. Mai zum Abschluss gebracht werden soll. Dann wolle sie nochmal beim Umweltbundesamt nachhaken.

Auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf kritisiert das Gutachten: "Das Umweltbundesamt gibt nun eine gewisse Entwarnung, allerdings nicht auf Basis aktueller Messungen." Er habe die Landesregierung bereits im Vorfeld wiederholt aufgefordert, eigene Messungen durchzuführen. Die bisher zwei Messstationen in Rheinland-Pfalz nennt er eine "minimalistische Aufrüstung".

Vier fiktive "Worst-Case-Szenarien" beschrieben

Der Bericht untersucht auf der Basis von Kerosinablässen im Zeitraum von 2002 bis 2018 vier fiktive "Worst-Case-Szenarien", die sich aufgrund der Bodentemperatur unterscheiden. Zusätzlich wurde ein "Szenario Pfalz 2017'" analysiert, das sieben von neun gemeldeten Treibstoffschnellablässen im Jahr 2017 berücksichtigt.

Insgesamt wird dabei der bisherige Kerosinablass als unkritisch für die Belastung mit Feinstaub angesehen, ebenso die Belastung des Feinstaubes und des Bodens mit Benzoapyren, einem als krebserregend geltenden Kohlenwasserstoff. Auch wird die Belastung des Bodens, des Grundwassers und der menschlichen Gesundheit mit Kohlenwasserstoffen als unkritisch bezeichnet.

Allerdings empfiehlt der Bericht zur Vermeidung von Summationswirkungen und zur Vorsorge, "eine Vorschrift zu möglichst alternierenden Ablassgebieten in die Betriebsanweisung BA-FVD 665.2 aufzunehmen". Die Ergebnisse der Untersuchung sollen bei der 92. Umweltministerkonferenz in Hamburg vorgestellt werden, die an diesem Mittwoch beginnt. Das Bundesumweltministerium hatte das ihm untergeordnete Umweltbundesamt vor zwei Jahren um einen Bericht zur Problematik gebeten.

Infos über Fuel-Dumping-Fälle im Internet

Die Studie war in Auftrag gegeben worden, nachdem Flugzeuge mehrfach tonnenweise Treibstoff unter anderem über dem Pfälzerwald abgelassen hatten. Eigentlich sollte das Gutachten schon im vergangenen Herbst vorliegen; es war aber noch nicht fertig. Schneller wurde eine andere Forderung aus Rheinland-Pfalz umgesetzt: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) informiert jetzt im Internet öffentlich über die aktuellen Fälle von Fuel-Dumping.

Im April hatte Ministerin Ulrike Höfken (Grüne) mitgeteilt, dass die Messstationen im Pfälzerwald (Hortenkopf), Hunsrück (Leisel) und in der Westpfalz (Dunzweiler) nachgerüstet worden seien. Damit sollen die Auswirkungen des Fuel-Dumpings besser dokumentiert werden. Dem Landes-Umweltministerium zufolge ließen Flugzeuge allein zwischen 2016 und November 2018 rund 590 Tonnen Kerosin über Rheinland-Pfalz ab.

Die bekanntgewordenen Fälle von Treibstoffablass hätten Besorgnis bei vielen Bürgerinnen und Bürgern ausgelöst, begründete Höfken die Maßnahme.

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