umgekippter Traktor-Anhänger und Feuerwehrleute (Foto: Wehrleitung Oberes Glantal)

Amtsgericht verhängt Geldstrafe Traktorfahrer wegen tödlichem Kerwe-Unfall im Kreis Kusel verurteilt

Das Amtsgericht Kusel hat einen Traktorfahrer zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sein Gespann bei einer Kerwefahrt umgekippt ist - ein junger Mann kam ums Leben.

Das Gericht hat den Mann wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung dazu verurteilt, 2.000 Euro an die Initiative Hilfe für Einzelschicksale zu zahlen. Außerdem wurde der Mann verwarnt: Er muss weitere 4.300 Euro zahlen, sollte er innerhalb eines Jahres straffällig werden.

Der 42-Jährige hatte im September 2017 den Traktor gesteuert, auf dessen Anhänger die Straußjugend aus Nanzdietschweiler stand. Sie fuhren durch die umliegenden Dörfer, um so Werbung für ihre Dorfkerwe zu machen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

In einem Verkehrskreisel in Glan-Münchweiler kippte der Anhänger um, 27 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Ein 21-Jähriger starb wenig später an seinen Verletzungen.

Das Gericht argumentierte: Das Gespann war für die Beförderung von Personen nicht geeignet. Außerdem hatte der Fahrer keinen Personenbeförderungsschein. Die Fahrt hätte nicht stattfinden dürfen. Allerdings habe sich der Familienvater bis zu dem Unfall nichts zuschulden kommen lassen, und er habe der Straußjugend in seiner Heimatgemeinde mit der Traktorfahrt einen Gefallen tun wollen.

Angeklagter und Verteidiger sitzen an einem Tisch im Gerichtssaal (Foto: SWR)
Der Traktorfahrer hätte nach Ansicht des Gerichts erkennen müssen, dass sein Gespann nicht für die Kerwefahrt geeignet war.

Angeklagter mit Tränen in den Augen

Der Angeklagte wirkte während des Prozesses sehr mitgenommen und nachdenklich, er hatte mehrfach Tränen in den Augen. Er sei darum gebeten worden, die Straußjugend zu fahren. Im Kreisverkehr sei der Anhänger plötzlich nach rechts gekippt.

Zeugen sagten aus, die Geschwindigkeit sei "nicht übermäßig schnell" gewesen, der Angeklagte sei behutsam gefahren. Vorab habe er die Straußjugend darauf hingewiesen, dass er die Fahrt abbreche, sollten die Beteiligten "Rambazamba" auf dem Anhänger machen. Sie sagten zudem übereinstimmend aus, dass sie dem Traktorfahrer nicht die Schuld an dem tragischen Unfall geben.

Ein umgestürzter roter Anhänger liegt in einem Kreisel. Davor steht ein grüner Traktor. Umringt wird das Gespann von Feuerwehrleuten. (Foto: Oberes Glantal Wehrleitung)
Fast anderthalb Jahre nach dem Unglück musste sich der Traktorfahrer vor Gericht verantworten. Oberes Glantal Wehrleitung

Gefährliche Traktorfahrten der Straußjugend

Dass die Straußjugend auf solchen Fahrten Werbung für ihre Kerwe macht, ist in der Region üblich - dabei kommt es aber immer wieder zu Unfällen. Zuletzt ist im September 2018 eine junge Frau aus Schmithausen (Kreis Südwestpfalz) aus einem Traktor-Anhänger gefallen und hat sich dabei schwer verletzt.

Als Reaktion auf die Unfälle haben viele Straußjugenden ihre Werbefahrten inzwischen eingestellt, sie sind stattdessen zu Fuß unterwegs.

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