Krebspatienten betroffen Falsche Diagnosen durch Pathologen aus Saarpfalz-Kreis?

Ein neuer Medizin-Skandal im Saarland? Ein Pathologe aus dem Saarpfalz-Kreis soll Gewebeproben falsch analysiert haben. In der Folge könnten Krebspatienten zum Teil unnötigerweise operiert worden sein.

Pathologie (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Bernd von Jutrczenka/dpa)
Der Pathologe soll unter anderem falsche Diagnosen gestellt haben. (Symbolbild) Bernd von Jutrczenka/dpa

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken in 26 Fällen. Befürchtet wird allerdings, dass noch weitere Fälle dazu kommen werden. Am Wochenende wurden das Institut des Pathologen in St. Ingbert sowie seine Wohnungen in Kirkel und Neunkirchen von Ermittlern durchsucht. Von dort wurden insgesamt 100 Kisten mit Akten und Gewebeproben abtranspotiert. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung hat der Pathologe allein im ersten Quartal 2019 rund 8.000 Untersuchungen durchgeführt - eine Menge Arbeit für die Ermittler.

Ermittlungen können sich hinziehen

Fest steht, dass die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Die Behörden gehen also nicht davon aus, dass er bewusst falsche Diagnosen gestellt hat. Welche Gründe es dafür gibt, versucht die Staatsanwaltschaft jetzt herauszufinden. Die Ermittlungen werden wahrscheinlich Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern.

Pathologe darf nicht mehr praktizieren

Das saarländische Gesundheitsministerium hat dem Pathologen noch am Wochenende die Approbation entzogen - er darf also nicht mehr praktizieren. Die Kassenärtzliche Vereinigung und die Ärztekammer bitten ihre Mitglieder zu prüfen, ob Patienten ihre Gewebeproben zu dem Pathologen geschickt haben. Möglicherweise werden diese Fälle dann nochmal untersucht.

Ob auch Patienten aus der Westpfalz betroffen sind, steht noch nicht fest. Das Nardini-Klinikum in Zweibrücken und das Städtische Krankenhaus in Pirmasens gaben schon mal Entwarnung: Sie würden nicht mit diesem Pathologen zusammen arbeiten. Wer seine Gewebeproben bei einem niedergelassenen Arzt abgegeben hat, kann in der Praxis nachfragen, ob der Hausarzt diese in das Labor des Pathologen in St. Ingbert geschickt hat.

Erst im Juni hatte ein anderer Medizin-Skandal das Saarland erschüttert: Ein Assistenzarzt soll in der Uniklinik Homburg über Jahre Kinder sexuell missbraucht haben. Die Opfer wurden erst sehr spät über die Vorwürfe gegen den Arzt unterrichtet.

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