Marek Lismore aus Contwig (Foto: SWR)

"Ich sehe keine gute Zukunft" Nordire aus Contwig tauscht Pass wegen Brexit

Am 29. März will Großbritannien die EU verlassen. Der Brexit hat auch Auswirkungen auf Menschen in der Westpfalz. Ein Nordire aus Contwig hat jetzt Konsequenzen gezogen.

Warum wollen die Briten die Europäische Union verlassen? "Aus Dummheit oder weil sie falsch informiert waren", sagt Marek Lismore. Er ist 58 Jahre alt und war bis jetzt sein ganzes Leben lang britischer Staatsbürger - er ist in Nordirland geboren. Vor genau 40 Jahren wurde Marek Lismore als Soldat in Deutschland stationiert. Er heiratete eine deutsche Frau und blieb in Contwig im Kreis Südwestpfalz.

Obwohl er eigentlich stolz ist, ein Brite aus Nordirland zu sein, hat er jetzt, kurz vor dem Brexit, seinen britischen Pass abgegeben und die irische Staatsbürgerschaft angenommen. "Ich sehe keine gute Zukunft für Menschen aus Großbritannien. Ich bin wirklich enttäuscht", sagt er.

Sorge um Besuche in der Heimat

Regelmäßig bekommt er in Contwig Besuch von seiner Schwester aus Nordirland - und er selbst reist natürlich auch immer wieder in seine Heimat. Ob das auch nach dem Brexit noch so einfach sein wird, weiß er nicht. "Hoffentlich finden sie eine Lösung in Nordirland. Ich habe keine Lust, dass die Probleme von früher schon wieder anfangen."

Diese Probleme hat Marek Lismore selbst erlebt: 1978 war er für mehrere Monate als Soldat an der irisch–nordirischen Grenze stationiert. Damals war der blutige Konflikt zwischen den protestantischen Nordiren und den katholischen Iren noch in vollem Gange. Er befürchtet, dass durch den Brexit wieder alte Wunden aufbrechen. "Eine Grenze muss kontrolliert werden. Und das gibt Probleme, wenn man wieder eine Armee auf der Insel stationiert."

Zerbrechlicher Frieden in Nordirland

Marek Lismore hält den Frieden zwischen Irland und Nordirland für sehr zerbrechlich. Jetzt funktioniert es, weil die Grenzen offen sind und es eine freie Wirtschaft gibt. Das kann sich aber mit dem Brexit ändern. Er vergleicht das mit seiner persönlichen Situation: "Ich arbeite in Saarbrücken. Man stelle sich vor, da ist auf dem Weg alle fünf Kilometer eine Militärkontrolle - das ist kein Spaß."

Er ist davon überzeugt, dass den Briten jetzt erst klar wird, was ihre Wahl wirklich für sie bedeutet. Wenn sie jetzt noch einmal abstimmen könnten, würde das Ergebnis seiner Meinung nach anders ausfallen: "Die Leute sind jetzt besser informiert. Aber es gibt keine zweite Wahl. Es wird einen harten Brexit geben, weil Großbritannien sich nicht einfach die Rosinen herauspicken kann."

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