Der Rettungshubschrauber der Johanniter für das Westpfalzklinikum (Foto: SWR)

Streit um neuen Hubschrauber in Sembach So viele Einsätze haben Notärzte in der Westpfalz

Rund 50 Mal war der neue Hubschrauber in der Westpfalz inzwischen im Einsatz - doch wenn es nach dem Land ginge, dürfte er gar keine Rettungseinsätze fliegen. Doch wie sieht die notärztliche Versorgung in der Westpfalz aus?

Seit knapp drei Wochen fliegt der "Air Rescue Pfalz"-Hubschrauber, der in Sembach in der Westpfalz stationiert ist. Rund 50 Mal war er seitdem im Einsatz. Der Hubschrauber steht eigentlich für den Intensiv-Krankentransport zwischen den vier Stationen des Westpfalzklinikums bereit, im Notfall fliegt er auch Rettungseinsätze. Nun darf er das möglicherweise vorerst nicht mehr. Einige Krankenkassen weigern sich, diese Notfalleinsätze zu zahlen. Der Hubschrauber sei aktuell nicht vom Land genehmigt.

In der Westpfalz trifft der Notarzt im Landesvergleich häufiger später ein (Foto: SWR)

Westpfalz schlechter versorgt als Landesschnitt

Nach Analysen der SWR-Datenreporter sind die unmittelbar im Einsatzradius des Hubschraubers gelegenen Gemeinden bei der notärztlichen Struktur schlechter versorgt als der Landesdurchschnitt. Das ergab die Auswertung der Daten aus dem Jahr 2016.

In dem Jahr gab es in Rheinland-Pfalz insgesamt 13.000 Fälle, in denen es länger als 15 Minuten gedauert hat, bis der Notarzt am Unfallort eingetroffen war. Im Radius von rund 30 Kilometern des in Sembach stationierten Hubschraubers befinden sich rund 350 Gemeinden, in denen über 635.000 Menschen leben. Hier gab es 2016 mehr als 18.600 Einsätze eines Notarztes.

Davon warteten bei mehr als 2.800 Einsätzen (15,26 Prozent) die Notfälle länger als 15 Minuten auf den Notarzt. Damit waren die im unmittelbaren Einsatzradius des Hubschraubers gelegenen Gemeinden bei der notärztlichen Struktur 2016 schlechter versorgt als der Landesdurchschnitt (12,98 Prozent).

Gespräch über Zukunft des Hubschraubers

Am Freitag sollte es ein Treffen von Innenministerium, den Landräten der beteiligten Landkreise Kusel, Donnersberg und Kaiserslautern sowie der Stadt Kaiserslautern über die Zukunft des Hubschraubers kommen. Auch der Ärztliche Leiter vom Rettungsdienst Kaiserslautern und ein Vertreter der Krankenkassen waren eingeladen. Ergebnisse des Treffens lagen am Freitagabend nicht vor.

Nach Angaben des Innenministeriums reichen die vier Rettungshubschrauber, die es im Land gibt, für die Versorgung aus. Stationiert sind sie vom ADAC in Mainz, Wittlich, Koblenz und Ludwigshafen. Ein Sprecher des Ministeriums bezieht sich dabei auf eine Studie, die jedes Jahr von einer externen Firma erstellt wird.

Land: "Kein Stationierungsbedarf"

Die aktuelle Auswertung lasse nicht darauf schließen, dass ein Stationierungsbedarf im Rettungsdienstbereich Kaiserslautern bestehe, so ein Sprecher des Innenministeriums. Gerade dort seien mehrere neue Rettungswachen geplant oder bereits gebaut worden.

Die Stationierung eines Rettungshubschraubers komme nur dann in Betracht, wenn eine Versorgungslücke bestehe, die nur so geschlossen werden kann. "Dies kann auch vor dem Hintergrund der Erweiterung der Anzahl der Rettungsdienststandorte im Rettungsdienstbereich Kaiserslautern nicht gesehen werden", so der Sprecher.

So schnell ist der Notarzt bei Ihnen

Über 100.000 Mal im Jahr rücken in Rheinland-Pfalz Notärzte zu Einsätzen aus. In über 12.600 Fällen dauerte es dabei 2016 länger als eine Viertelstunde bis der Notarzt auch beim Patienten eintraf. Ist Ihr Ort auch dabei? Prüfen Sie es hier. Wie gut sind Sie notärztlich versorgt?

Landesweit warten 13.000 Notfälle mehr als 15 Minuten auf den Notarzt (Foto: SWR)
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