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Nach tödlichem Angriff in Halle Jüdische Gemeinde Kaiserslautern und Polizei arbeiten eng zusammen

Kann die Polizei Anschläge wie in Halle verhindern? Zumindest kann sie eng mit der jüdischen Gemeinschaft zusammenarbeiten. So wie in Kaiserslautern.

Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Rheinland-Pfalz hat die Polizei in der Westpfalz schon vor dem Anschlag in Halle eng mit der jüdischen Kultusgemeinde zusammengearbeitet. Es gebe regelmäßigen Kontakt zu den Gemeindemitgliedern in Kaiserslautern. Man tausche sich aus und die Sicherheit werde gerade in Zeiten von immer mehr antisemitischen Vorfällen groß geschrieben, sagt LKA-Sprecherin Julia Emmerling: "In Kaiserslautern gab es in der Vergangenheit vor Ort Besichtigungen durch die Polizei und es wurden sicherheitstechnische Beratungen durchgeführt. Bei besonderen Veranstaltungen war die Polizei auch vor Ort präsent."

Gottesdienste besonders geschützt

Nach den Vorkommnissen in Halle fährt die Polizei in Kaiserslautern vor allem verstärkt rund um Gottesdienste und Feierlichkeiten Streife. Das bestätigt auch Larissa Janzewitsch. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz. Die 75-Jährige wohnt schon seit Jahren mit ihrem Mann in Kaiserslautern.

Polizei reagierte direkt auf den Anschlag

Als der Anschlag auf eine Synagoge in Halle lief, feierte auch die jüdische Gemeinde in Kaiserslautern den höchsten Feiertag der Juden, das Jom Kippur – Fest. In einer Gebetspause am Nachmittag ging Larissa Janzewitsch kurz nach Hause und erfuhr dort von dem Anschlag. Daraufhin ging sie direkt zur Polizei nach Kaiserslautern und wollte darum bitten, dass eine Streife den nächsten Gottesdienst absichert. Daraufhin sagte man ihr, dass die Streife bereits dort vor der Tür stehe. 

Gutes Verhältnis zur Polizei

Larissa Janzewitsch freut sich sehr darüber, dass die jüdische Gemeinde in Kaiserslautern, mit ihren etwa 350 Mitgliedern, ein so gutes Verhältnis zur Polizei hat: "Ich kann sagen, dass unsere Beziehungen mit Polizei hervorragend sind. Alle haben uns versprochen, dass wir sicher sind."

Die Kippa ist eine Kopfbedeckung, die männliche Juden tragen. (Foto: SWR, Dorothee Soboll)
Die Kippa ist eine Kopfbedeckung, die männliche Juden tragen. Da sie dadurch als Juden zu erkennen sind, kommt es immer öfter zu Anfeindungen. Dorothee Soboll

Antisemitische Äußerungen häufen sich

Seit 1996 lebt die promovierte Physikerin aus der Ukraine in Deutschland. In ihren ersten Jahren in Deutschland sei Antisemitismus kein Thema gewesen. Allerdings habe sich in den vergangenen Jahren etwas geändert: "Ich beobachte, dass Schritt für Schritt diese antisemitischen Äußerungen nach oben gegangen sind und sogar hochrangige Politiker raten, jüdische Zeichen nicht zu tragen. Vor 20 Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass es mal soweit kommen kann."

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Obwohl sich Larissa Janzewitsch sicher fühlt in ihrer Gemeinde, beobachtet sie die anti-jüdische Haltung mit großer Sorge. Wenn das so weiter gehe, erzählt sie, könne sie sich sogar vorstellen, Deutschland wieder zu verlassen und auszuwandern. "Ich möchte in einem wirklich freien Land leben und ich möchte, dass wir in Deutschland keine Polizeischutz mehr brauchen."

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