Flugzeug in der Luft an grauem Himmel (Foto: picture-alliance / dpa)

Nach Starts in Frankfurt und Luxemburg Zwei Flugzeuge lassen Kerosin über Pfalz und Hunsrück ab

Rund 100 Tonnen Kerosin haben zwei Flugzeuge in den vergangenen Tagen über Rheinland-Pfalz abgelassen. Umweltgefahren entstünden dadurch nicht, so Experten.

Der Deutschen Flugsicherung (DFS) zufolge ließ eine Boeing 767 am Montag über der Pfalz acht Tonnen Kerosin ab. Die Maschine habe sich zu diesem Zeitpunkt in rund 4.300 Meter Höhe befunden. Das Flugzeug war in Frankfurt gestartet und wurde eigentlich in Pittsburgh (USA) erwartet. Nach einer Schleife über Pfalz, Saarland und Hunsrück kehrte es demnach nach Frankfurt zurück.

SPD-Landtagsfraktionschef Alexander Schweitzer forderte die DFS auf, alle Fälle von Treibstoff-Notablässen spätestens 24 Stunden nach den Ereignissen publik zu machen. Zudem seien Messungen nötig, wieviel Kerosin und welche Schadstoffe auf der Erde ankommen. "Mittel- und langfristig sollte überdies über alternative Ablass-Vorrichtungen an Flugzeugen nachgedacht werden", sagte Schweitzer.

Am Samstag bereits 92 Tonnen abgelassen

Bereits am Samstag war eine Frachtmaschine von Cargolux in Luxemburg gestartet. Kurz nach dem Start hatte der Pilot nach Angaben der Flugsicherung Probleme mit dem Fahrwerk gemeldet und musste umkehren. Die Maschine sollte eigentlich nach Singapur fliegen. Um auf ihr zulässiges Landegewicht zu kommen, musste der Pilot Kerosin ablassen.

Der Pilot sei dann viermal in einem Rechteck über dem Saarland, dem Pfälzerwald, dem Donnersbergkreis und Baumholder gekreist. Dabei seien die 92 Tonnen Kerosin abgelassen worden. Nach Angaben des Umweltministeriums wird durch den Kerosinablass die Waldbrandgefahr nicht erhöht. Bei der starken Sonneneinstrahlung verdunste das Kerosin in der Luft schneller als im Winter.

Waldbrandgefahr durch Kerosin nicht höher

Das bestätigt auch der SWR-Umweltexperte Werner Eckert. Allerdings lägen die Temperaturen in 4.500 Meter Höhe deutlich unter den Bodenwerten. Diese könnten sogar leicht unter dem Gefrierpunkt liegen. Wenn tatsächlich Kerosintröpfchen in die Warmluft in Bodennähe absänken, dann setzten noch einmal Verdampfungsprozesse ein.

Die Mengen, die am Boden ankommen, seien mit Sicherheit zu gering, um die Waldbrandgefahr zu erhöhen, so Eckert. Selbst bei der niedrigsten zulässigen Flughöhe (1.500 m) kämen maximal 8 Prozent am Boden an. Nach Angaben der Fluglinien sei das etwa ein Schnapsglas voll auf 1.000 m². Angeblich sei noch nie eine Bodenverunreinigung wegen Fuel Dumping nachgewiesen worden.

Gutachten des Umweltbundesamtes in Arbeit

In diesem Jahr waren in Rheinland-Pfalz bislang vier Fälle bekannt, in denen insgesamt knapp 90 Tonnen Kerosin abgelassen wurden. Ein Gutachten des Umweltbundesamtes zum Kerosinablass über der Pfalz soll bis zum Herbst vorliegen. Darin soll nach Angaben der Landesregierung untersucht werden, ob Boden, Wasser und Luft in den entsprechenden Regionen belastet sind und ob das vom Kerosin stammen kann. Bisher geht auch das Amt davon aus, dass das weitaus meiste Kerosin verdunstet und sich in der Luft extrem verdünnt.

Flugzeuge lassen immer wieder Kerosin über der Pfalz ab, wenn sie notlanden müssen und dafür zu schwer sind. Die Pfalz wird dafür ausgesucht, weil sie dünn besiedelt ist.

Über dem Naturpark Pfälzerwald wird tonnenweise Kerosin abgelassen (Foto: SWR)
Über dem Naturpark Pfälzerwald wird tonnenweise Kerosin abgelassen.
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