Landgericht Kaiserslautern Freiheitsstrafe für Mutter wegen versuchter Tötung ihres Sohnes

Das Landgericht Kaiserslautern hat eine Frau wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Sie wollte ihren Sohn töten.

Die Frau wird die Strafe wegen ihrer Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit in einer Entziehungsanstalt absitzen. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern hatte auf eine Haftstafe von vier Jahren und zehn Monaten plädiert. Die Verteidigung forderte lediglich "eine milde Strafe". Beide waren sich einig, dass die Frau in eine Entziehungsanstalt soll.

Dauer

Angeklagte war geständig

Die Mutter hatte zu Prozessbeginn gestanden, dass sie ihren 13-jährigen Sohn töten wollte. Als Grund gab die Frau aus Marnheim (Donnersbergkreis) familiäre Schwierigkeiten an.

Sie schilderte das Geschehen am Tattag im August vergangenen Jahres sehr genau: Sie habe zu diesem Zeitpunkt ihre Arbeit verloren und lebte von ihrem Mann getrennt, das gemeinsame Haus sollte verkauft werden. Sie habe keinen Lebenssinn mehr gesehen und habe die Entscheidung getroffen, sich das Leben zu nehmen.

Den Sohn wollte sie nicht allein lassen, weil sie eine besonders enge Beziehung zu dem 13-Jährigen gehabt habe. Deshalb habe sie ihm Schlaftabletten gegeben. Sie selbst konnte sich vor Gericht nicht mehr an die Anzahl erinnern, laut Anklage waren es 20. Heute könne sie es nicht mehr nachvollziehen, dass sie ihren Sohn töten wollte.

Angeklagte von Alkohol und Tabletten abhängig

Ein Gutachter sagte aus, er glaube nicht, dass die Gefahr bestehe, dass die Angeklagte nochmal versuchen werde, ihr Kind zu töten. Es sei eine "einmalige Sondersituation" gewesen. Die Frau sei über Jahre alkoholabhängig gewesen, habe vor der Tat täglich getrunken, vor allem Hochprozentiges wie Wodka. Den Alkohol habe sie zum Teil versteckt, um ihre Sucht zu verbergen. Zudem habe sie permanent Beruhigungsmittel genommen.

Sohn sagt per Video aus

Die Aussage des 13-Jährigen wurde per Video eingespielt. Darin bestätigte er die enge Beziehung zu seiner Mutter. Am betreffenden Tag habe sie ihm im Badezimmer ein Glas mit einer grünen Flüssigkeit gegeben und gesagt, es sei ein Medikament gegen seine Hodenentzündung. Er habe die Flüssigkeit getrunken, ohne zu fragen. Danach sei er ins Bett gegangen und habe keine weitere Erinnerung mehr.

Der Junge lebt seit dem Vorfall bei seinem Vater, zu dem sich die Beziehung nach seiner Aussage seitdem verbessert hat.

Neuanfang nach Entzug

Zum Abschluss des Prozesses redete der Vorsitzende Richter der Frau ins Gewissen: Sie habe das Glück gehabt, dass ihr Sohn überlebt habe. Den Entzug solle sie nutzen, um einen Neuanfang zu wagen.

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