Mann erstattet Anzeige In Zweibrücken verhafteter Syrer schwer belastet

Ein Zeuge hat den mutmaßlichen ehemaligen syrischen Geheimdienstmitarbeiter belastet, der vergangene Woche in Zweibrücken festgenommen wurde. Der Agent soll dabei gewesen sein, als der Zeuge 2011 in Syrien gefoltert wurde.

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Bei dem Zeugen handelt es sich um einen deutschen Staatsbürger mit syrischer Herkunft. Der Mann lebt in Hessen. Er berichtete dem Hessischen Rundfunk und dem SWR, dass er Mitte Dezember 2011 in einem Gefängnis nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus gefoltert wurde.

Nach eigenen Angaben wurde der Zeuge unter anderem mit den Handgelenken an einem Fenster aufgehängt. Dabei habe er etwa einen halben Meter über dem Boden gebaumelt. Er sei mit Stockschlägen so malträtiert worden, dass er das Bewusstsein verlor. Einen seiner Peiniger habe er verzweifelt um Wasser gebeten.

"Ich habe ihn drei Tage lang nach Wasser angefleht. Ich wollte nur Wasser. Dann bringt er mir einen Eimer, wo die Leute (Fäkalien) reingemacht haben. Und er schüttet (das Wasser) da rein und ich habe es getrunken.“

Zeuge

Syrer aus Zweibrücken soll bei Folter dabei gewesen sein

Der in Zweibrücken verhaftete Syrer sei bei den Verhören dabei gewesen. Der Zeuge habe ihn zwar nicht gesehen, weil seine Augen verbunden waren - er habe aber dessen Namen gehört. Der Mann soll versucht haben, den Peiniger zu beschwichtigen, weil sie einen deutschen Staatsbürger vor sich hätten.

Der Peiniger, ein hochrangiger syrischer Geheimdienstmitarbeiter, wurde inzwischen in Berlin verhaftet. Er habe von dem Zeugen verlangt, im syrischen Staatsfernsehen aufzutreten und zu behaupten, er habe als Deutscher an der Destabilisierung des Assad-Regimes mitwirken wollen. Dies habe er jedoch abgelehnt. Nach sechs Tagen in einer Folterzelle habe man ihn in einen Straßengraben geworfen.

Ausländeramt Zweibrücken (Foto: SWR)
Der Syrer, der bei der Folter dabei gewesen soll, wurde im Ausländeramt in Zweibrücken festgenommen.

Zeuge bestreitet politische Aktivitäten in Syrien

Warum er inhaftiert wurde, kann sich der Mann nicht erklären. Er vermutet, dass er im Zuge einer privaten Reise in seine frühere Heimat von Familienangehörigen denunziert wurde. Er habe sich in Syrien nicht politisch engagiert.

Aufgrund dieser Erlebnisse sei er bis heute in psychologischer Behandlung. In ärztlichen Unterlagen ist von einer "posttraumatischen Belastungsstörung" die Rede, der Mann habe nach seiner Rückkehr nach Deutschland innerhalb von zwei Monaten 39 Kilo Gewicht verloren. Um mit seinen Erlebnissen abschließen zu können und damit es Gerechtigkeit geben könne, habe der Mann nun Anzeige erstattet. Das hat ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen dem HR und dem SWR bestätigt.

Syrer aus Zweibrücken sitzt in U-Haft

Der Syrer, der in Zweibrücken verhaftet wurde, soll nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft dabei geholfen haben, in seiner Heimat zwei Menschen zu töten. Außerdem soll er die Folterung von mindestens 2.000 Menschen ermöglicht haben.

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