Leere Tische in einem Biergarten (Foto: SWR)

Immer weniger Gastronomie in der Westpfalz Ländliche Gaststätten sterben aus

Im Vergleich von vor 20 Jahren gibt es nur noch ein Drittel der Gaststätten in der Westpfalz - Tendenz weiter fallend. Doch es gibt auch noch Ausnahmen.

"Das hat an und für sich schon vor 20 Jahren angefangen, als in jeder Kommune ein Bürgerhaus gebaut wurde und die Gaststätten gar keine Existenzberechtigung mehr hatten," sagt der stellvertretende Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) für den Kreis Kaiserslautern, Alf Schulz. "Früher war es so, dass der Metzger am Ort eine Gaststätte dabei hatte mit einem großen Saal und in diesem Saal wurden dann entsprechend alle Familienfeiern gemacht, von der Hochzeit über die Taufe bis zum runden Geburtstag." Dann seien die Bürgerhäuser gekommen und das sei wiederum das Ende vieler Gaststätten gewesen.

Junge Leute für die Gastonomie begeistern

Diese Entwicklung aufzuhalten werde nicht einfach. "Wir brauchen Fördergelder dafür, dass man Gaststätten renovieren kann. Wenn eine Gaststätte nicht mehr läuft, ist auch kein Geld mehr für eine Investition da. Das Rating bei der Bank ist schlecht und man bekommt keine Kredite." Außerdem müsse man junge Leute für die ländliche Gastonomie begeistern und die Bürger dazu anregen, häufiger die Gaststätten zu besuchen.

Als Gastronom müsse müsse man heutzutage innovativ sein und mit neuen Ideen kommen. "Mit Schnitzel, Pommes und Salat ist es heute nicht mehr getan, da bedarf es mehr Kreativität. Man muss sich heute sehr breit aufstellen, um die Zukunft zu sichern", betont Alf Schulz.

Positivbeispiel aus Hauenstein

Doch nicht überall auf dem Land sterben die Gaststätten aus. Ein Positivbeispiel ist der Landgasthof "Zum Ochsen" in Hauenstein, der mittlerweile seit 125 Jahren besteht. Seit mehr als 50 Jahren trinkt Karl Meyerer dort seinen Kaffee. Er sitzt immer auf der Eckbank am Stammtisch, einem halbrunden antiken Holztisch mit Schubladen. Gerne erinnert sich Karl Meyerer daran, was er mit seinen Freunden im Ochsen schon alles erlebt hat: „Wir haben gelacht, wir haben erzählt, wir haben diskutiert und haben hier wunderschöne Stunden erlebt. Wenn man sonst in ein Lokal geht ist man ein Gast. Aber hier sind wir mehr als ein Gast.“

Die Gastsätte zum Ochsen in Hauenstein (Foto: SWR)
Stammgast Karl Meyerer und Wirt Thomas Engel.

Genau dieses Gefühl möchte Thomas Engel, Geschäftsführer des Landgasthofs „Zum Ochsen“, bei seinen Gästen erzeugen. Er ist sich sicher, dass sie nur wieder kommen, wenn sie sich wertgeschätzt fühlen. „Wir machen uns wirklich viele Gedanken. Jeden Monat haben wir ein neues Motto und eine neue Speisekarte. Außerdem ist die Region wichtig und dass man Produkte aus der Region vermarktet. Es ist der Trend, dass die Menschen essen und trinken möchten, was für die Region typisch ist."

"Beim Ochse simmer kä Gaschd, do simmer dehäm!"

Karl Meyerer

Von der Politik im Stich gelassen?

Thomas Engel ist der Meinung, dass die Politik den Gastronomen das Leben zunehmend schwerer macht: „In den letzten Jahren haben wir viele Auflagen bekommen. EU-Auflagen, die neue Kassenpflicht, die Acrylamid-Verordnung, Nicht-Raucherbereiche…“ Außerdem haben viele Gastronomen keinen Nachwuchs mehr. Thomas Engel hat Glück. Er hat eine Tochter, die Hotelfachfrau lernt. Sie kann es sich gut vorstellen, den Landgasthof künftig weiterzuführen. Das freut auch Stammgast Karl Meyerer. Er und seine Freunde wollen nämlich auch in Zukunft zum Kaffeetrinken in den Landgasthof „Zum Ochsen“ kommen.

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