startender Hubschrauber

Streit um Kosten für "Air Rescue Pfalz" Kassen wollen für Hubschraubereinsätze nicht zahlen

Der neue Rettungshubschrauber in der Westpfalz darf möglicherweise vorerst keine Notfalleinsätze mehr fliegen. Einige Krankenkassen weigern sich, diese zu zahlen.

Die AOK Rheinland-Pfalz/Saar und weitere Krankenkassen haben die Johanniter Flugrettung aufgefordert, keine Rettungseinsätze mit dem in Sembach stationierten Hubschrauber zu fliegen. Das geht aus einem Schreiben der AOK hervor, das dem SWR vorliegt.

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Rettungseinsätze des Hubschraubers nicht genehmigt

Darin heißt es, dass die Kassen die Kosten für Rettungseinsätze nicht übernehmen würden, weil im Vorfeld keine Verträge abgeschlossen wurden.

Der Hubschrauber "Air Rescue Pfalz" der Johanniter sei aktuell nicht vom Land genehmigt und dürfe deshalb auch nicht für Rettungszwecke eingesetzt werden - das dürfen zurzeit nur die gelben ADAC-Helikopter. Außerdem gebe es laut Innenministerium keinen Bedarf für einen Rettungshubschrauber in der Westpfalz.

Das Innenministerium ist die oberste Rettungsdienstbehörde im Land und somit für das Rettungswesen, dessen Organisation und die Beschaffung von Einrichtungen des Rettungsdienstes (Landesrettungsdienstplan) zuständig.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP

AOK verweist auf zusätzliche Rettungswagen

Dem Westpfalzklinikum scheine es vor allem darum zu gehen, dass der Hubschrauber Patienten nicht nach Ludwigshafen, sondern in das Westpfalzklinikum transportiere, so die AOK weiter. "Das hat aus unserer Sicht wenig mit der Sicherheit der Bevölkerung zu tun und ist keine Aufgabe des öffentlichen Rettungswesens."

Im bodengebundenen Rettungsdienstbereich werde zudem aufgestockt. Ein zusätzlicher Rettungswagen in Obermoschel-Alsenz sei seit 2017 bereits in Betrieb und drei weitere in Schwedelbach, Winnweiler und im Mittleren Lautertal seien in Planung.

Nach Angaben der Johanniter Luftrettung wurde der Helikopter in zwei Wochen aber bereits 35 Mal von der Rettungsleitstelle alarmiert. Der Hubschrauber steht eigentlich für den Intensiv-Krankentransport zwischen den vier Stationen des Westpfalzklinikums bereit, im Notfall fliegt er auch Rettungseinsätze.

Streit zulasten der Patienten?

Für Günter Lohre, den Geschäftsführer der Johanniter Luftrettung, wäre es unterlassene Hilfeleistung, würde der Hubschrauber keine Notfälle mehr fliegen. Die Leitstellen kontaktieren in Notfällen immer den Helikopter, der am nächsten zum Unfallort ist. Lohre kritisiert: "Es handelt sich hier um Schädel-Hirntrauma, Infarkte... es ist sehr unverständlich, dass man für die Gesundheit und für die Versorgung der Erkrankten oder Verletzten nicht im Sinne der Patienten, sondern im Sinne der Kosten denkt."

Fotos des neuen rot-weißen Rettungshubschraubers (Foto: SWR)
Die Kabine des Helikopters ist nach Angaben der Johanniter größer als bei gewöhnlichen Rettungshubschraubern und besser ausgestattet.

Peter Förster, der Geschäftsführer des Westpfalzklinikums, sieht noch ein weiteres Problem: Der nächste vom Land bestellte Rettunsghubschrauber sei in Ludwigshafen stationiert - er würde Patienten aus der Westpfalz deshalb häufiger dort hin transportieren statt nach Kaiserslautern. "Es ist mir zu Ohren gekommen, dass etwa 25 Prozent der Flüge an uns vorbei gehen, obwohl wir Aufnahmebereitschaft gemeldet haben", moniert Förster.

Johanniter Luftrettung gibt sich kämpferisch

Die Kosten für die Rettungseinsätze mit dem "Air Rescue Pfalz" trägt aktuell die Johanniter Luftrettung. Für Geschäftsführer Günter Lohre steht allerdings fest: "Wir werden unsere Leistungen - da sie ja notwendig waren - den Kostenträgern in Rechnung stellen." Die Krankenkassen sollen also dafür zahlen.

Eine mögliche Lösung sei, dass die Politik einlenkt und eine Sondergenehmigung für Rettungseinsätze des Hubschraubers erteilt - damit die Kassen solche auch abrechnen können.

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