Wahlplakate für die Kommunalwahl in Mainz (Foto: SWR)

Reaktion aus der Parteizentrale Bundes-Grüne kritisieren Verzicht auf Wahlplakate in Kusel

Der Kuseler Kreisverband der Grünen will Müll vermeiden: keine Plakate im Kommunalwahlkampf. Doch aus Berlin kommt Kritik, die Parteizentrale hält Plakate für "unverzichtbar".

Der Kreisverband der Grünen will im Kommunalwahlkampf im Landkreis Kusel ohne Plakate auskommen. Es wäre eine Premiere für eine im Landtag vertretene Partei. Jetzt hat sich die Berliner Parteizentrale zu dem Beschluss geäußert: Und zwar negativ.

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Auch wenn der Wahlkampf heute stärker im Internet stattfinde, seien Plakate "unverzichtbar", sagte Grünen-Wahlkampfmanager Michael Kellner. "Mit Plakaten ist man sichtbar im öffentlichen Raum präsent und signalisiert, dass man und für was man gewählt werden möchte." Die von den Bundes-Grünen angebotenen Plakate seien als Altpapier recycelbar. Die Grünen setzen verstärkt auf Großplakate. Es werden vor der Europawahl mehr aufgestellt als zur Bundestagswahl 2017.

"Einer muss mal anfangen!"

Die Kuseler Grünen verteidigen ihren Beschluss. "Wir sollten nicht für Klimaschutz, Ressourcenschutz und gegen Plastikmüll argumentieren und gleichzeitig Plastikplakate oder kunststoffbeschichtete Pappplakate aufhängen", sagte die Parteisprecherin Anja Frey. "Wir wollen als gutes Beispiel vorangehen. Einer muss mal anfangen!"

Das sieht auch Andreas Hartenfels so. Er ist Landtagsabgeordneter und Mitglied im Kreisverband der Kuseler Grünen. Er sagt: "Wegwerfplakate aus Plastik oder Pappe sind mit der grünen Philosophie der Müllvermeidung nur schwer vereinbar." Deshalb habe sich der Kreisverband nach zwei Sitzungen dazu durchgerungen, gegen die "Abfallflut in Wahlkämpfen" ein Zeichen zu setzen. Die Grünen in Kusel setzen stattdessen auf Wahlwerbung im Internet. Vor allem ist ein stärkerer Haustürwahlkampf geplant.

Die Grünen Rheinland-Pfalz reagierten auf Twitter: Die Landesvorsitzende Jutta Paulus betonte, dass bei der Plakatwerbung der Grünen gar kein Plastik verwendet werde und sie nach dem Wahlkampf als Altpapier entsorgt werden könnten.

Forscher: Plakate für Wahlkampf unerlässlich

Nicht nur die Parteizentrale sieht das kritisch, sondern auch die Wissenschaft. Jürgen Maier, Experte für politische Kommunikation an der Universität Koblenz-Landau sagte dem SWR, Wahlplakate seien das wichtigste Kommunikationsmittel im Wahlkampf." Aus Umfragen wissen wir, dass neun von zehn Wählern Plakate im Wahlkampf wahrgenommen haben." Das sei die größte Reichweite aller Wahlkampf-Instrumente, so der Experte.

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Hinzu kommt: Plakate machen Parteien und Kandidaten bekannt, sie sagen, wofür die Kandidaten oder die Parteien stehen. Und diesen Botschaften kann man kaum aus dem Weg gehen, weil die Plakate einfach überall hängen und immer wieder ins Auge stechen. "Sie sehen regelmäßig einen Schriftzug, das Logo einer Partei. Und weil sie es regelmäßig sehen, wird es ihnen vertrauter und alles was vertrauter wird, wird sympathischer", sagt Gregor Daschmann, Experte für politische Kommunikation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

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