Kriminalität (Foto: Imago, Ritzau Scanpix)

Informatiker zu Onlineverbrechen TU Kaiserslautern: Polizei fehlt Kompetenz

Das Land Rheinland-Pfalz sollte sich stärker um junge IT-Fachleute bemühen, fordert Joachim Thees von der TU Kaiserslautern. Das sei im Kampf gegen Cyberkriminalität zwingend nötig.

Für Joachim Thees vom Fachbereich Informatik der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern steht fest, dass die Cyberkriminalität in Zukunft weiter zunimmt. Das liege in der Natur der Sache: "Das Internet durchdringt immer mehr unser Leben", sagt er.

Mehr Cybercrime-Delikte

Im Jahr 2018 sind Cybercrime-Delikte in Rheinland-Pfalz auf 12.596 Fälle angestiegen. Das sind 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit machen Cybercrime-Delikte rund 5 Prozent der Gesamtstraftaten im Land aus.

Thees sieht Rheinland-Pfalz und seine Polizei bislang dafür schlecht gewappnet. Es fehlten eine optimale Ausstattung und vor allem Fachleute.

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"Hier braucht man Leute, die wirklich auf diesem Niveau arbeiten und den Kriminellen auch Paroli bieten können."

Frank Thees, TU Kaiserslautern

Die Internetkriminalität sei ganz anders als die sonstige Tätigkeit der Polizei, erklärt Thees. "Das fängt damit an, dass man gar nicht weiß, wo die Täter agieren." Die Ermittler stünden vor keiner greifbaren Tat. So könne es auch sein, dass die Polizei die Aufklärung von Internetverbrechen "noch nicht so intensiv wahrnimmt" wie eine ihrer Kernaufgaben.

Verbrecherjagd als Motivation für Studierende

Thees empfiehlt Polizei und Kriminalämtern, stärker für sich zu werben. Bislang würden Studierende aus dem IT-Bereich die Polizei als möglichen Arbeitgeber nicht so sehr wahrnehmen. Ähnlich wie die Polizei zum Beispiel auf Baumessen vor Einbrechern warnt, sollte sie auf Studieninformationstagen oder bei Berufsmessen für sich als Arbeitgeberin werben.

Der Informatiker räumt ein, dass das Land mit der freien Wirtschaft um junge Talente konkurriere. Die Bezahlung im öffentlichen Dienst sei da ein Nachteil, sagt Thees. Doch er glaube, dass der Einsatz für die gute Sache für junge Leute ein überzeugendes Argument sein könne.

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