Interview mit Atlantischer Akademie Kaiserslautern Abzug der US-Soldaten aus Ramstein "wäre logistischer Albtraum"

Wollen die Amerikaner ihre Soldaten aus der Westpfalz abziehen, wie es am Wochenende hieß? Sarah Wagner von der Atlantischen Akademie Kaiserslautern rät allen, Ruhe zu bewahren.

SWR: Frau Wagner, was ist denn von den Meldungen zu halten, die Amerikaner würden ihre Truppen aus Deutschland - und damit auch aus der Westpfalz - abziehen?

Bildungsreferentin der Atlantischen Akademie Kaiserslautern, Sarah Wagner. (Foto: Atlantische Akademie Kaiserslautern)
Sarah Wagner von der Atlantischen Akademie in Kaiserslautern ordnet die Äußerungen in einen größeren Kontext ein. Atlantische Akademie Kaiserslautern

Sarah Wagner, Bildungsreferentin der Atlantischen Akademie Kaiserslautern: Zuerst einmal muss man den Kontext beachten, in dem diese Nachrichten und diese Äußerungen fallen. So kurz vor dem NATO-Gipfel am 10. und 11. Juli und vor dem Hintergrund des schwierigen Verhältnisses von US-Präsident Donald Trump und Kanzlerin Angela Merkel läßt sich durch das Lancieren einer solchen Meldung natürlich auch extern Druck aufbauen. Zudem war Trump offenbar auch überrascht, als er beim Treffen früher in diesem Jahr erfahren hat, wie viele Amerikaner tatsächlich in Deutschland stationiert sind. Es gilt also, Ruhe zu bewahren und abzuwarten, was während des NATO-Gipfels und auch nach dem Treffen von Putin und Trump verlautbart wird.

Flugzeug auf Airbase (Foto: Pressestelle, Air Base Ramstein)
Die Airbase in Ramstein ist ein wichtiges Logistik-Drehkreuz für das US-Militär. (Archivbild) Pressestelle Air Base Ramstein

"Abzug aus Ramstein beinahe eine Unmöglichkeit"

SWR: Schauen wir auf die Fakten. Die US-Airbase in Ramstein ist eine Stadt für sich, sie ist der größte Militärflughafen außerhalb der USA. In der Region Kaiserslautern wohnen über 50.000 Amerikaner. Wäre es nicht widersinnig, das alles zu schließen?

Sarah Wagner: Absolut. Fakt ist außerdem, dass der Nationale Sicherheitsrat der USA das Pentagon überhaupt noch nicht offiziell beauftragt hat, bestimmte Abzugsszenarien zu planen oder auch zu konkretisieren. Das Pentagon selbst überprüft verschiedene Stationierungsmaßnahmen routinemäßig und analysiert die Kosten und den Nutzen für das amerikanische Militär. Das ist nichts Neues. Man muss bedenken, wie viel Geld die Amerikaner hier in der Westpfalz schon in ihre militärische Präsenz investiert haben. Es sind auch schon weitere ernorme Summen durch den Kongress verplant und bestätigt worden. Denken wir an den Neubau des amerikanischen Krankenhauses direkt neben der Airbase oder auch die geplante Verlegung von Truppen aus England nach Ramstein. Das heißt: Truppen einfach so abzuziehen, wäre ein logistischer Albtraum und beinahe eine Unmöglichkeit. Natürlich ist die US-Airbase in Ramstein Drehkreuz für Einsätze in Afrika, im Nahen Osten und auch global - und somit von enormer geopolitischer Bedeutung für die Amerikaner.

Eingang Air Base Ramstein (Foto: SWR)
Die US-Luftwaffe betreibt den Flughafen in Ramstein seit 70 Jahren. (Archivbild)

Zukünftige Rolle des Verteidigungsministers wird interessant

SWR: Wie schätzen Sie das ein - was macht US-Präsident Donald Trump jetzt mit dieser Schlagzeile?

Sarah Wagner: Trump ist natürlich in vielerlei Art unberechenbar. Hier hat er sich aber mit dem Militär und deshalb mit einer enormen Bürokratie und einer mächtigen Institution ein bisschen angelegt, die natürlich auch eigene Interessen verfolgt. Ich gehe davon aus, dass man diese Diskussion eher vor dem Hintergrund des NATO-Gipfels einordnen kann - und natürlich auch mit der allgemeinen Trumpschen Rhetorik, was sein Lieblingsthema betrifft: Die Kostenteilung unter NATO-Partnern und die seiner Ansicht nach zu niedrigen deutschen Ausgaben für den Verteidigungsetat. Deswegen würde ich aktuell sagen: Ruhe bewahren. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich Trump während des NATO-Gipfels und anschließend verhält. Was auch interessant sein dürfte, in der Zukunft zu beobachten, ist die Rolle von Verteidigungsminister Joe Mattis. Denn der betont diese Bedeutung der amerikanischen Militärpräsenz hier in Deutschland sehr oft - ebenso die Rolle der NATO. Wird er sich als Transatlantiker mehr Gehör verschaffen können oder wird er mehr an Einfluss verlieren? Das wird spannend.

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