Der Gedenkstein vor der Air Base Ramstein. Auf einer Tafel stehen alle Namen der Opfer der Flugtagkatastrophe. (Foto: SWR)

30. Jahrestag der Katastrophe Gedenken an die Ramstein-Opfer

In Ramstein haben Überlebende und Hinterbliebene des Flugtag-Unglücks vor 30 Jahren der Toten gedacht. Zu der Gedenkfeier waren Menschen aus ganz Deutschland und dem Ausland angereist.

Etwa 100 Opfer und Hinterbliebene erinnerten am Dienstagvormittag bei einem Empfang in Ramstein an eine der größten Flugkatastrophen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Ramsteiner Bürgermeister Ralf Hechler sagte dabei, dass es vermutlich das letzte größere Zusammentreffen ist. Viele der Hinterbliebene seien bereits älter.

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Am Nachmittag gab es eine öffentliche Gedenkfeier in der St. Nikolaus Kirche in Ramstein. Für die 70 Toten waren in der Kirche 70 Kerzen aufgestellt worden. An dem ökumenischen Gottedienst nahm auch der Bruder des italienischen Piloten teil, der das Flugunglück verursacht hatte. "Wahrheit erträgt kein Vergessen", sagte Giancarlo Nutarelli während des Gottesdiensts. "Der Schmerz hat uns alle tief getroffen, aber zugleich auch alle Betroffenen miteinander vereint."


Hinterbliebene und Überlebende kam am späten Nachmittag im engsten Kreis an der Absturzstelle auf dem abgesperrten Gelände der Airbase zusammen. Zum Abschluss versammelten sich Angehörige und Opfer an einem Mahnmal außerhalb des Stützpunkts. Der Gedenkstein trägt die Namen der Toten.

Zum Abschluss versammelten sich knapp 100 Opfer und Hinterbliebene am Gedenkstein vor der US-Airbase (Foto: SWR)
Zum Abschluss des Gedenktages versammelten sich knapp 100 Opfer und Hinterbliebene am Gedenkstein vor der US-Airbase

Der Gedenktag war von Sybille und Hartmut Jatzko sowie von Heiner Seidlitz organisiert worden. Sie hatten vor wenigen Monaten eine Nachsorge-Stiftung für Trauma-Opfer gegründet.

Drei Ministerpräsidenten gedachten der Opfer

An dem Gedenktag nahmen auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) teil - sowie die ehemaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) und Bernhard Vogel (CDU). "Wir können nichts ungeschehen machen - aber wir können gedenken, zusammenstehen und uns gegenseitig stützen", sagte Dreyer. Beck sagte, es sei wichtig, Anteilnahme zu zeigen. "Es hilft, den Schmerz zu teilen - auch nach 30 Jahren", sagte er.

Bilder des Gedenktags in Ramstein

Gedenktag Ramstein (Foto: SWR)
Der Gedenktag hat mit einem Empfang für die Opfer und Hinterbliebenen der Flugtagkatastrophe begonnen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, Ralf Hechler, hat dazu in das Mehrgenerationenhaus in Ramstein eingeladen. Bild in Detailansicht öffnen
Unter den Gästen ist auch der ehemalige Ministerpräsident Kurt Beck (SPD, mi.). Bild in Detailansicht öffnen
Sybille Jatzko hat den Gedenktag gemeinsam mit ihrem Mann und Heiner Seidlitz organisiert. Sie betreut die Opfer des Flugtagunglücks seit Jahren ehrenamtlich. Bild in Detailansicht öffnen
Auch Marliese Witt nimmt an dem Gedenktag in Ramstein teil. Sie verlor bei dem Unglück ihren Sohn. Bild in Detailansicht öffnen
Der Gottesdienst wurde in der St. Nikolaus Kirche in Ramstein abgehalten. Bild in Detailansicht öffnen
An dem Gedenkgottesdienst nahmen auch zahlreiche Vertreter von Politik und Militär teil. Darunter Ministerpräsidentin Malu Dreyer (li., SPD) und die beiden Ministerpräsidenten a. D. Kurt Beck (SPD) und Bernhard Vogel (CDU). Bild in Detailansicht öffnen

Die Trümmer der abgestürzten Maschinen befinden sich im Luftfahrtmuseum im italienischen Rimini. "Wie jedes Jahr werden wir in einem speziellen Bereich eine Gedenkfeier abhalten, um nicht zu vergessen", teilte die Museumsleitung mit.

Ein Jet stürztr in die Zuschauer

Am 28. August 1988 waren auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in der Pfalz während einer Flugschau drei Jets der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" zusammengestoßen. Eine Maschine stürzte in die Menge und explodierte.


Bei dem Rettungseinsatz nach dem Unglück kam es allerdings zu schwerwiegenden Pannen zwischen amerikanischen und deutschen Einsatzkräften. Zudem brach der Rettungsfunk zusammen. In der Folge wurden die Rettungskonzepte von amerikanischem Militär und deutschen Behörden aufeinander abgestimmt und gemeinsame Katastrophenübungen eingeführt. Kunstflug-Vorführungen in Deutschland wurden erst 1991 unter strengen Auflagen wieder erlaubt.

Kurz nach der Katastrophe wurde auf dem Gelände der Air Base ein Gedenkstein für die Opfer gesetzt - er ist aber bis heute nicht frei zugänglich. Deswegen wurde 1995 außerhalb des Militärflughafens ein weiterer Gedenkstein errichtet.

Gedenkstunde im Landtag

In der vergangenen Woche erinnerte bereits der rheinland-pfälzische Landtag in Mainz an die Ramstein-Katastrophe. Zuvor gab es dort eine Gesprächsrunde mit Betroffenen der Katastrophe.

Ministerpräsidentin Dreyer (SPD) kündigte damals an, im Land die Stelle eines Opferbeauftragten für großer Unglücke zu schaffen, der am Mittwoch offiziell berufen wurde.

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