Eine Tafel auf einem Gedenkstein (Foto: picture-alliance / dpa)

30 Jahre nach Ramstein-Katastrophe Bewegende Gedenkstunde im Landtag

Der Landtag hat an die Flugtag-Katastrophe von Ramstein vor 30 Jahren erinnert. Ministerpräsidentin Dreyer (SPD) sagte, man dürfe das Unglück nie vergessen. Sie kündigte an, die Stelle eines Opferbeauftragten schaffen zu wollen.

Die Erinnerung an die Flugtag-Katastrophe von Ramstein muss nach Ansicht von Ministerpräsidentin Malu Dreyer wachgehalten werden. "Wir dürfen und werden dieses Unglück nie vergessen", sagte sie. Zuvor hatte im Interimsplenarsaal des Landesmuseums eine Gesprächsrunde mit Betroffenen der Katastrophe stattgefunden.

Dauer

Unter den Gesprächspartnern waren etwa Marliese Witt, die bei dem Unglück ihren 16-jährigen Sohn verlor und Marc-David Jung, der damals vier Jahre alt war und schwere Verbrennungen erlitt. Jung sagte, es sei nicht im Interesse der Todesopfer, dass ihre Angehörigen ewig trauerten. Er wolle ermuntern, nach vorne zu blicken. Marliese Witt berichtete, wie sie mit ihrer Trauer und ihren Erlebnissen umging.

Gedenkveranstaltung im Mainzer Landtag zur Ramstein-Katastrophe 1988 (Foto: picture-alliance / dpa)
Malu Dreyer (SPD), Marc-David Jung, Sybille Jatzko und Christian Baldauf (CDU) während der Veranstaltung im Landtag (v.r.n.l.)

Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) sagte in einer Gedenkrede, das Drama von Ramstein habe innerhalb von Sekunden alles verändert. Er mahnte, einige Angehörige klagten bis heute, nicht mit dem Unglück abschließen zu können, weil niemand die Verantwortung übernommen habe.

Hering entschuldigt sich für Versäumnisse

Betroffene hätten sich an schier unüberwindbaren bürokratischen Hindernissen abarbeiten müssen, um an zustehende Entschädigungen zu kommen. "Daran sind viele Opfer fast verzweifelt", sagte Hering. Es liege ihm fern, einer Stelle oder einem Bereich die Verantwortung für das Unglück zuzuschreiben. Aber: "Ich möchte mich bei Ihnen in aller Form dafür entschuldigen, wie die Politik mit der Verantwortlichkeit für dieses schreckliche Ereignis umgegangen ist."

Opferbeauftragter für große Unglücke

Ein Opferbeauftragter soll nach dem Willen Malu Dreyers für Betroffene größerer Unglücke zuständig sein. Mit der Aufgabe werde der Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek, betraut. Zuletzt habe unter anderem auch die Arbeit von Kurt Beck (SPD) als Opferbeauftragter der Bundesregierung nach dem Berliner Terroranschlag gezeigt, dass es eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene brauche, um Ansprüche geltend zu machen.

Im Mai hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf die Einrichtung eines Opferschutzbeauftragten als Ansprechpartner für Menschen in Not - etwa nach Terroranschlägen oder Hochwasser - vorgeschlagen. SPD und Grüne hatten sich dafür offen gezeigt.

Ein Jet stürzte in die Zuschauer

Am 28. August 1988 waren bei einer Flugschau auf dem US-Militärflughafen Ramstein drei Jets der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" kollidiert. Eine Maschine stürzte in die Menge und explodierte. 70 Menschen starben, mehr als 1.000 wurden verletzt.

Kurz nach der Katastrophe wurde auf dem Gelände der Air Base ein Gedenkstein für die Opfer gesetzt - er ist aber bis heute nicht frei zugänglich. Deswegen wurde 1995 außerhalb des Militärflughafens ein weiterer Gedenkstein errichtet.

Militärflugzeuge prallen am Himmel zusammen (Foto: Stadtarchiv Kaiserslautern)
Stadtarchiv Kaiserslautern

Weiterer Gedenktag in Ramstein

Am 28. August wird es in Ramstein in der Westpfalz einen weiteren Gedenktag geben. Er wird organsiert von Sybille und Hartmut Jatzko sowie von Heiner Seidlitz. Sie haben vor wenigen Monaten eine Nachsorge-Stiftung für Trauma-Opfer gegründet.

Erinnern, so lange es geht

Die Betreuer sagten im Vorfeld der Gedenkveranstaltungen in Ramstein: "Wir gehen davon aus, dass diese Veranstaltung wahrscheinlich die letzte Gelegenheit sein wird, an das Ereignis im Rahmen einer großen öffentlichen Feier zu erinnern." Gründe seien beispielsweise das hohe Alter vieler Betroffenen und deren Gesundheitszustand.

Frau legt Blumen an einem Gedenkstein nieder (Foto: SWR)
Eine Frau legt bei der Gedenkfeier zum 20. Jahrestag der Ramstein-Katatrophe Blumen nieder.

Nach Angaben von Sybille Jatzko haben sich bislang rund 100 Opfer des Flugtagunglücks und deren Angehörige angemeldet. Außerdem werden an dem Gedenktag am 28. August unter anderem Ministerpräsidentin Malu Dreyer teilnehmen sowie die ehemaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) und Bernhard Vogel (CDU).

Der Ablauf des Gedenktages
11 UhrBegrüßung und Empfang durch Ralf Hechler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ramstein-MiesenbachMehrgenerationenhaus Ramstein
13 UhrÖffentliche Gedenkfeier und ökumenischer GottesdienstSt. Nikolaus Ramstein
15 UhrBustransfer von der Gedenkstätte an der Zufahrt zur Air Base zur AufschlagstelleFlugplatz Ramstein
16.15 UhrGesprächsmöglichkeit im Gemeinderaum der ChapelFlugplatz Ramstein
17 UhrÖffentlicher Abschluss der Gedenkfeier am GedenksteinFlugplatz Ramstein
STAND