Brötchen liegen in der Verkaufstheke einer Bäckerei (Foto: SWR)

Frisches Brot im Funkloch Bäckerei in Reichenbach-Steegen findet keine Azubis

Viele Handwerksbetriebe haben Probleme, genügend Auszubildende zu finden, gerade auf dem Land. Die Bäckerei Kissel in Reichenbach-Steegen im Kreis Kaiserslautern kann davon ein Lied singen. Schlechte Busverbindungen und kaum Handyempfang erschweren die Azubi-Suche.

"Wenn sie nach Reichenbach-Steegen fahren, fahren sie durch fünf Funklöcher - wenn's reicht", erklärt Petra Kunz von der Bäckerei Kissel. Doch damit nicht genug: Wenn in der Bäckerei Internet, Fax und Telefon gleichzeitig genutzt werden, könne es schon mal vorkommen, dass beispielsweise das Telefon streikt. Bei der Suche nach Auszubildenden sind das nicht gerade schlagende Argumente, um junge Menschen zu begeistern.

Busverbindung schlecht

Zudem dürften sich viele unter 18-Jährige, die eine Ausbildung starten könnten, die Frage stellen, wie sie ohne Auto nach Reichenbach-Steegen kommen sollen. Wenn die Bäckerei in der Frühe öffnet, fahren hier noch keine Busse, beklagt Petra Kunz. Der Betrieb würde gern ausbilden, aber: Die Lage auf dem Land mache es vielen jungen Menschen schwer.

Schlechtes Image von Handwerksberufen

Verstärkt würden die Probleme noch dadurch, dass viele Handwerksberufe ein schlechtes Image hätten - gerade, wenn es in der Schule um die Berufswahl gehe, sagt Petra Kunz: "Ich habe zwei Kinder, die sind 15 und 16, da bekomme ich das hautnah mit, wie das Thema 'Beruf' an die Kinder gebracht wird. Wenn sich jetzt jemand entscheidet, ein Praktikum als Bäcker zu machen, sagt der Lehrer: Bist du wahnsinnig? Beim Bäcker? Da musst du ja jede Nacht aufstehen! Die Wertschätzung gegenüber dem Handwerk lässt sehr zu wünschen übrig."

Bäckerei schickt Brote quer durch Europa

Trotzdem gibt die Bäckerei Kissel nicht auf. Um Mitarbeiter zu gewinnen, stellt sich der Familienbetrieb beispielsweise regelmäßig auf Ausbildungsmessen vor. Außerdem ist der Betrieb im Internet sehr aktiv, um auf sich aufmerksam zu machen. Wichtig sei, mit der Zeit zu gehen, sagt Petra Kunz. Dann könne man als Handwerksbetrieb überleben. So hat der Familienbetrieb beispielsweise schon seit zehn Jahren eine eigene Homepage, über die man auch Brote bestellen kann. Die werden inzwischen kreuz und quer durch Europa verschickt, etwa nach Monaco, London oder Turin.

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