Als Kind alles zurückgelassen Flucht aus DDR endet in Pirmasens

Axel Walther war erst sieben Jahre alt, als er mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder 1958 aus der DDR nach Pirmasens floh. Damit der Plan nicht aufflog, wussten die Kinder nichts von der Flucht - und mussten alles zurücklassen.

DDR-Flüchtling Axel Walther (Foto: SWR)
Axel Walther flüchte als kleines Kind mit seinen Eltern aus der DDR.

Eigentlich sei es der Familie in der DDR gut gegangen, sagt Axel Walther. Sein Vater war Apotheker und hatte sogar ein eigenes Auto - 1958 in der damaligen DDR keine Selbstverständlichkeit. Trotzdem wollten die Eltern von Axel Walther, dass es ihren beiden Söhnen einmal besser geht und sie frei von Ideologien aufwachsen. Denn der politisch Druck in der DDR war groß, selbst auf die Kinder. "Wir sind in der Schule angehalten worden, unsere Eltern zu bespitzeln. Wir sollten dem Lehrer erzählen, ob irgendwelche Päckchen in den Westen geschickt werden", erzählt Axel Walther. Das sei damals in der Schule der erste Unterrichtsstoff gewesen. 

Zufall verhilft zur Flucht

Als der Junge seinen Eltern davon erzählt, was er in der Schule gefragt wurde, steht für die Eltern fest, dass sie die Flucht in den Westen wagen wollen. Lange warteten sie auf eine passende Gelegenheit, bis ihnen schließlich ein Zufall zu Hilfe kommt. In Lübeck stirbt eine entfernte Tante und die Familie darf zu der Beerdigung fahren. "Ich hab dann gedacht, wir fahren wieder zurück, wir haben ja alles zurückgelassen, meine Spielsachen, meine Freunde, aber dann sagten meine Eltern, nein, wir fahren jetzt zur Oma nach Kitzingen", erzählt Axel Walther.

Über Bayern nach Pirmasens

Von Kitzingen in Bayern aus begann für die Familie eine Odyssee durch ganz Deutschland. Der Vater fand nur schwer Arbeit, die Familie hatte kaum Geld. Schließlich konnte der Vater eine Apotheke in Pirmasens übernehmen und so landete Axel Walther in der Pfalz. Er hat in Pirmasens mit den Kindern auf der Straße gespielt und ist dort zur Schule gegangen. Er liebt den Pfälzerwald, besitzt sogar eine Hütte an einem idyllischen Waldsee hinter Vinningen, wo er gerne angelt.

Fühlt sich heimatlos

Obwohl es ihm in der Pfalz gut gefällt, Pfälzisch spricht Axel Walther bis heute nicht. Den Dialekt konnte er nicht annehmen: "Das hat vielleicht auch was mit Heimat zu tun. Was im Nachhinein betrachtet ein Problem war, dass ich eigentlich nie eine Heimat hatte, weder hier noch dort. Ich wohne hier, ich fühle mich hier wohl, aber ich habe keine ausgeprägte Bindung." Axel Walthers Bruder dagegen war noch so klein, dass er nach der Flucht aus der DDR in Pirmasens ein richtiger Pfälzer geworden ist. "Der hat das gar nicht richtig mitgekriegt. Der kam dann hier in den Kindergarten, ist hier eingeschult worden, der spricht auch Pfälzisch", schmunzelt Axel Walther.

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