Ehemaliger Assistenzarzt unter Verdacht Mutmaßlicher Kindesmissbrauch am Klinikum Homburg

Am Klinikum in Homburg soll ein Assistenzarzt über Jahre Kinder sexuell missbraucht haben. Der Mann war 2016 verstorben. Jetzt sollen 300 Patientenakten noch einmal überprüft werden.

Wie das ARD-Magazin "Monitor" berichtet, war der Assistenzarzt von 2010 bis 2014 am Universitätsklinikum in Homburg tätig - in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er arbeitete in einer Abteilung, die sich um bettnässende Kinder kümmere. Dort soll er intime Behandlungen an Kindern und Jugendlichen vorgenommen haben. Die Kinder waren im Durchschnitt zwischen fünf und acht Jahre alt und überwiegend männlich.

Nach Recherchen von "Monitor" hat eine Überprüfung der Patientenakten durch die Klinik ergeben, dass 95 Prozent der Behandlungen medizinisch nicht notwendig gewesen seien. Die Klinik habe der Staatsanwaltschaft einige Akten zur Verfügung gestellt. Nach dem plötzlichen Tod des beschuldigten 36-jährigen Assistenzarztes waren 2016 die Ermittlungen eingestellt worden. Konkret befassten sich die Ermittlungen mit der Behandlung von 34 Patienten.

Jetzt sollen mehr als 300 Patientenakten noch einmal überprüft werden. Sie seien bereits nach möglichen Missbrauchsopfern durchsucht worden, dabei hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, teilte die Klinikleitung am Montag in Homburg mit. Es sei aber nicht auszuschließen, dass sich weitere Verdachtsfälle ergeben.

Eine erste anonyme Beschwerde über den Mann erreichte die Klinik nach Angaben des ärztlichen Direktors Wolfgang Reith im Juli 2011. Nach dieser Beschwerde habe es körperliche Untersuchungen nur noch im Beisein einer dritten Person, wie zum Beispiel Eltern, gegeben. Ende 2014 habe die Klinik dem Arzt fristlos gekündigt, nachdem von Mitarbeitern erneut der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen ihn geäußert worden sei. Im gleichen Jahr habe die Klinik Strafanzeige gestellt.

Bisher keine umfangreiche Information an die Eltern

Die Klinik habe schon früh von den pädophilen Neigungen des Assistenzarztes erfahren. Trotzdem habe die Klinikleitung die Eltern der betroffenen Kinder nicht informiert - noch nicht einmal, als die Akten an die Staatsanwaltschaft übergeben wurden. Eine Anwältin wandte sich an die saarländische Landesregierung. Die Staatskanzlei als Aufsichtsbehörde des Universitätsklinikums hat daraufhin offenbar zumindest einen Teil der Eltern informiert.

Die "Saarbrücker Zeitung" schreibt, dass die Staatsanwaltschaft jahrelang geschwiegen habe, weil die Information den Patienten "mehr geschadet als genutzt" habe. Offenbar sei auch nicht untersucht worden, ob der Mediziner Kontakte zu kinderpornografischen Netzwerken hatte. Nach Informationen der Zeitung finden sich in den Akten, die der Staatsanwaltschaft übergeben wurden, zehn Fälle von Kindern aus Rheinland-Pfalz.

Familien der Opfer angeschrieben

Im Zuge der Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft bei dem Beschuldigten elektronische Datenträger mit Bilddateien sicher, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten. Die Aufnahmen seien außerhalb der Klinik ohne Bezug zu Untersuchungshandlungen entstanden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Hier seien drei Geschädigte ermittelt worden, zu denen weitere Verfahren eingeleitet wurden. Bei diesen drei Kindern seien die Eltern informiert worden.

Die Klinik hat sich nun dafür entschieden, die Vorfälle öffentlich zu machen und die Betroffenen zu informieren. Die zum Teil bereits volljährigen Opfer und deren Familien seien bereits angeschrieben worden. Ihnen habe die Klinik das Angebot gemacht, ein persönliches Gespräch mit Mitarbeitern der Rechtsaufsichtsbehörde zu führen, so der ärztliche Direktor der Klinik.

Ministerpräsident Hans: "Zutiefst erschüttert"

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) teilte am Montag mit, er sei "zutiefst erschüttert" über die Vorfälle am Universitätsklinikum in Homburg. "Wenn ein solcher Verdacht im Raum steht, muss umgehend eine lückenlose Aufklärung erfolgen." Gerade Kinder und Jugendliche und ihre Eltern müssten sich darauf verlassen können, dass ihr Vertrauen nicht durch Behandler schändlich ausgenutzt werde, sagte Hans weiter. "So etwas darf nie wieder passieren."

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