Ein alter Mann am Telefon. (Foto: dpa Bildfunk, Julian Stratenschulte)

Immer mehr Fälle von Abzocke Unseriöser Notdienst und Enkeltrickbetrüger in Kaiserslautern

Immer wieder werden Menschen auch in der Westpfalz Opfer von Abzocke und Betrug. Ein Rentner und eine Kioskbesitzerin haben sich mit Hilfe der Polizei erfolgreich gewehrt.

Tanja Stenley betreibt einen Kiosk in der Innenstadt von Kaiserslautern. Vor etwa vier Wochen wurde in einer Nacht von Freitag auf Samstag in ihren Laden eingebrochen. Dabei ging eine der großen Schaufensterscheiben zu Bruch. Um ihren Kiosk zu sichern, hat Tanja Stanley am nächsten Morgen eine Firma gesucht, die eine Notverglasung anbringt: "Ich habe dann im Internet erstmal nach einheimischen Firmen gesucht. Die meisten hatten aber wohl samstags zu oder keinen Notdienst. Dann fand ich eine Vermittlerfirma. Die sagte, dass sie vor Ort verschiedene Partner habe, seriös und günstig, ohne An- und Abfahrtskosten und innerhalb von zwei Stunden vor Ort."

Fast 4.000 Euro für eine Reparatur mit Brettern

Tatsächlich stand wenig später bei Tanja Stanley ein junger Mann vor dem Geschäft, der ihr sagte, die provisorische Reparatur solle mindestens 1.500 Euro kosten. Daraufhin sei er nochmal für eine Stunde weggefahren: "Er kam dann mit ein paar Brettern wieder und hat angefangen zu sägen und zu hämmern und meinte dann, die Rechnung wäre 3.998 Euro."

Die Schattenumrisse eines Handwerkers, der eine Bohrmaschine in der Hand hält. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Für das Anschrauben einiger Bretter sollte eine Frau aus Kaiserslautern fast 4.000 Euro bezahlen. (Symbolbild) Picture Alliance

Kioskbetreiberin erstattet Anzeige wegen Abzocke

Obwohl Tanja Stanley von dem Preis geschockt war, bezahlte sie. Da sie nicht so viel Bargeld hatte, sprang ihr Mann mit seiner Kreditkarte ein. Das sollte sich später noch als gute Entscheidung herausstellen, da die Zahlung so noch gestoppt werden konnte. Weil Tanja Stenley kein gutes Gefühl bei der Sache hatte, wandte sie sich an die Kriminalpolizei und erstattete Anzeige.

Polizei kennt die Masche der Abzocke

Bei der Polizei in Kaiserslautern ist die Methode bekannt. Kriminalhauptkommissar Bernd Peifer ist für Betrugsdelikte zuständig. Er erzählt, dass die Masche nicht nur bei Notverglasungen, sondern auch bei Schlüsseldiensten, Rohrreinigern und Kammerjägern vorkäme. In den vergangenen zwei Monaten habe er 15 bis 20 Fälle dieser Art auf dem Tisch gehabt: "Die Opfer sind in einer Notlage. Manchmal kommen auch zwei Monteure und die bauen sich dann körperlich auf und üben auch Druck aus."

Rentner überführt Enkeltrick-Betrüger

Enkeltrick-Betrüger versuchen mit ihrer Masche ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Sie geben sich am Telefon als Verwandte aus, die sich in einer Notlage befinden und dringend Geld brauchen. In Kaiserslautern hat ein vermeintliches Opfer diese Masche allerdings durchschaut, den Spieß umgedreht und der Polizei dabei geholfen, die Betrüger zu schnappen.

Enkeltrick in Kaiserslautern durchschaut

Als eines Morgens bei Erwin Müller* das Telefon klingelt und eine Frau sich als seine Nichte ausgibt, wird er direkt misstrauisch. Doch er spielt das Spiel mit. Die vermeintliche Nichte erzählt, dass sie gerade bei einem Notar sitze und für ein lukratives Geschäft dringend Geld bräuchte – das sie natürlich sofort wieder zurückzahlen werde. 30.000 Euro sollen es sein. Herr Müller sichert der Frau seine Hilfe zu und gibt vor, auf der Bank Geld abzuheben.

Enkeltrick-Betrüger verhaftet

Doch statt wirklich Geld abzuheben, wendet sich Erwin Müller an die Polizei in Kaiserslautern. Zwei Beamte begleiten ihn daraufhin nach Hause. Kurz darauf kann ein per Haftbefehl gesuchter Betrüger bei der vermeintlichen Geldübergabe verhaftet werden. Die ganze, spannende Geschichte von Erwin Müller hören Sie im Radio-Interview mit SWR-Redakteur Andreas Kahlmeyer.

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*Name von der Redaktion geändert

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