Ein Geldbündel wird übergeben (Foto: picture-alliance / dpa)

Abfindungen für Opel-Mitarbeiter in Kaiserslautern Wie lange reichen 150.000 Euro Abfindung?

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Martin Heuser

150.000 Euro Abfindung und dann erstmal fröhlich auf Weltreise gehen oder das Haus umbauen? Vorsicht! Einige Dinge schmälern diese Summe deutlich!

Wird die Abfindung in voller Höhe ausgezahlt?

Nein! Auf eine Abfindung werden Steuern fällig. Allerdings müssen keine Sozialabgaben gezahlt werden, weil die Abfindung wie im Fall der Opelaner ja eine Kompensation für den wegfallenden Arbeitsplatz ist. Das heißt konkret: Es müssen keine Beträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung gezahlt werden. Eine Ausnahme gibt es für freiwillig Krankenversicherte. Hier werden auch auf die Abfindung Beiträge fällig.

Rechnet man Steuern und möglicherweise Beiträge für die freiwillige Krankenversicherung raus, bleiben von 150.000 Euro vielleicht noch 110.000 Euro übrig. Damit lässt sich durchaus eine Weltreise und ein Sabbatjahr finanzieren. Wer sparsam lebt, kann auch zwei Jahre oder länger ohne Arbeit von der Abfindung leben. Für Beschäftigte, die eh kurz vor der Rente stehen, kann die Abfindung also durchaus eine goldene Brücke in den verdienten Ruhestand sein.

Was ist besser: Einmalauszahlung oder gestückelte Auszahlung?

Grundsätzlich ist gegen eine Auszahlung in einem Stück nichts einzuwenden, da der Gesetzgeber für außerordentliche Einkünfte wie Abfindungen eine Steuerermäßigung - die sogenannte Fünftelregelung - geschaffen hat und auch die Sozialabgaben in der Regel wegfallen (s.o.). Bei der Fünftelregelung wird die Abfindung in der Steuererklärung gleichmäßig auf fünf Jahre verteilt.

Michael Ebenau, Pressesprecher des IG Metall Bezirks Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) , rät Betroffenen trotzdem dazu, sich das Ganze vom Steuerberater durchrechnen zu lassen. "Möglicherweise kommt eine Streckung der Auszahlung über fünf Jahre günstiger, als eine Auszahlung auf einmal", so Ebenau.

Dies sollten sich die Opelaner überlegen, deren Abfindung bis zu 275.000 Euro betragen soll. Eine solche Summe lässt das zu versteuernde Jahreseinkommen natürlich in große Höhen steigen, Fünftelregelung hin oder her.

Ein Kuli liegt auf einem Aufhebungsvertrag (Foto: picture-alliance / dpa)
Vorsicht bei Aufhebungsverträgen! Die schmälern die Abfindung.

Verringert die Abfindung das Arbeitslosengeld?

Eigentlich nicht. Diese Regelung gilt aber nur, wenn eine betriebsbedingte Kündigung seitens des Arbeitgebers ausgesprochen wurde. Wer einen sogenannten Aufhebungsvertrag unterschreibt, wird häufig vom Arbeitsamt für drei Monate gesperrt, weil das Amt unterstellt, dass das Arbeitsverhältnis freiwillig beendet wurde. Dann muss mit der Abfindung also bis zu drei Monate Arbeitslosigkeit finanziert werden.

Außerdem muss der oder die Betroffene in diesem Fall sich selbst kranken- und rentenversichern. Also unbedingt auf eine betriebsbedingte Kündigung bestehen! Dann kann sofort Arbeitslosengeld beantragt werden. In diesem Fall ist man auch kranken- und rentenversichert.

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Martin Heuser
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