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Die Familien Fischer und Wüst pflegen ihre Freundschaft - genauso wie es die beiden Städte tun, in denen sie wohnen, nämlich Brandenburg und Kaiserslautern. Dank der Wiedervereinigung.

Partnerschaftlich verbunden sind sich die beiden Städte Kaiserslautern und Brandenburg an der Havel seit 1988 - also schon vor dem Fall der Mauer. Als vor 30 Jahren die Wiedervereinigung gefeiert wurde, war eine Delegation von Kaiserslautern in die Partnerstadt gereist. "Es wurde eine Deutschlandfahne auf den Tisch gelegt und es gab Getränke und Musik", schildert der Brandenburger Hans Günter Fischer.

Hans Günther Fischer mit seinem Sohn Henning. (Foto: SWR)
Hans Günther Fischer mit seinem Sohn Henning.

Er war damals genauso euphorisch wie alle Deutschen und freute sich auf die Zukunft: "Wir haben gedacht, jetzt beginnt ein Leben in Freiheit und wir werden den Wohlstand kriegen. Blühende Landschaften sind uns versprochen worden."

Freund flüchtet in den Westen nach Kaiserslautern

Hans Günther Fischer hat über die Städtepartnerschaft hinaus eine ganz besondere Beziehung zu Kaiserslautern. Sein Schulfreund Hanns Stephan Wüst war in den 60er Jahren aus der DDR in den Westen geflohen und wurde später Professor an der Universität in Kaiserslautern.

Hanns Stephan Wüst (Foto: SWR)
Hanns Stephan Wüst.

Das führte dazu, dass sich Fischers Sohn Henning 1990 als erster ostdeutscher Student in Kaiserslautern einschreiben durfte. Fischer senior fuhr damals sehr oft nach Kaiserslautern, nicht nur zu seinem Sohn, sondern auch zu seinem Freund Hanns Stephan Wüst. "Dadurch kenne ich die ganze Pfalz, bin hier gewandert", erklärt Fischer. "Wir haben Kaiserslautern und Umgebung gut studiert."

Gemeinsam füllten Fischer und sein Schulfreund Wüst die Städtepartnerschaft mit Leben. Als Professor machte sich Wüst zweimal mit einer Gruppe Studenten der Landschaftsplanung aus Kaiserslautern auf die Reise nach Brandenburg an der Havel. Wüst: "Wir haben richtige Stadtentwicklungskonzepte gemacht. Das war von unserer Seite ein sehr starkes Bemühen."

Viele Vorurteile über Ostdeutschland

Hans Günther Fischer erinnert sich noch sehr gut daran, dass die Kaiserslauterer Studenten damals ein falsches Bild vom Osten hatten: "Es war für die Studenten sehr interessant, gleich nach der Wende hierher zu kommen. Viele dachten, dass hier noch die Hufnägel auf den Straßen liegen und wir leben noch im Mittelalter. Aber so ist es ja nicht gewesen."

So wie die Freundschaft der beiden Städte hat auch die Freundschaft der Familien Fischer und Wüst die Jahrzehnte überdauert. Jüngst erst wurde gemeinsam der 80. Geburtstag von Professor Wüst gefeiert - in Ramsen am Eiswoog.

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