100-Jährige trifft 19-Jährigen Politdiskussion der Generationen in Kirchheimbolanden

81 Jahre liegen zwischen Lisel Heise und Maurice Conrad. Beide wurden zum ersten Mal in einen Stadtrat gewählt. In einer Schule in Kirchheimbolanden haben sie sich getroffen.

Maurice Conrad und Lisel Heise sitzen zusammen in zwei roten Sesseln auf einem Podium. (Foto: SWR)
Maurice Conrad (Piraten) und Lisel Heise (Wir für Kibo) bei der Veranstaltung in Kirchheimbolanden.

"Was wünscht ihr euch für eure Zukunft?" Diese Frage stellte die 100-Jährige Lisel Heise (Wir für Kibo) den etwa 150 Schülern im Publikum der Georg-von-Neumayer-Schule in Kirchheimbolanden. Die Schüler mussten nicht lange überlegen: Der Klimaschutz steht bei fast allen von ihnen an erster Stelle. Einig waren sich die Schüler auch darin, dass sie mit ihren Anliegen ernster genommen werden wollen.

Dauer

Fridays for Future kommt auch bei Älteren an

Die 100-jährige Stadträtin war früher selbst Lehrerin an der Georg-von-Neumayer-Schule, seit 40 Jahren ist sie allerdings im Ruhestand. Auch Lisel Heise beschäftigt sich mit der Fridays-for-Future-Bewegung und damit, dass Kinder aus Protest die Schule schwänzen: "Das ist an für sich richtig, denn das sind die zukünftigen Bürger. Die müssen mit diesem Problem fertig werden und in Folge dessen muss man ja bald mal damit anfangen. Ich finde das gut."

Fridays for Future nur "kleiner Schritt in einer großen Bewegung"

Ihr Gegenüber Maurice Conrad (Piraten) freut sich über so viel Verständnis, trotz des Altersunterschieds. Der 19-Jährige führt in Mainz die Fridays-for-Future-Demos an und wurde gerade in den neuen Mainzer Stadtrat gewählt. Der zivile Ungehorsam der Schüler soll aber nicht nur die 100-jährige Stadträtin überzeugen: "Es hat geklappt, dass wir für Aufsehen gesorgt haben, weil Schüler plötzlich nicht mehr in die Schule gegangen sind. Aber natürlich müssen wir uns auch weiterentwickeln und die Schulstreiks alleine haben nicht die Klimaziele erreicht. Das ist ein kleiner Schritt in einer ganz großen Bewegung."

Generationen können voneinander lernen

Die beiden Neu-Stadträte verstehen sich blendend, trotz der 81 Jahre, die zwischen ihnen liegen. Die Schüler merken: Da ist auf der einen Seite ein junger Kerl, der sich für ihre Interessen einsetzt. Auf der anderen Seite ist da eine ältere Dame, die ihre Uroma sein könnte, die sie aber auch versteht. Dieses Verständnis ist Lisel Heise wichtig: "Eine Generation kann immer von der anderen lernen. Man darf als alter Mensch mit Erfahrung nicht sagen, dass die Jungen nichts wissen. Im Gegenteil, man muss am Ball bleiben, damit man den Kontakt nicht verliert."

STAND