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Speyer, Worms und Mainz waren im Mittelalter bedeutende Zentren jüdischen Lebens in Deutschland. Aber die jüdische Geschichte geht auch in Rheinland-Pfalz viel weiter zurück.

Soldaten dürfen nicht in Synagogen einquartiert werden! Dieser Erlass von Kaiser Valentinian I. Mitte des 4. Jahrhundert nach Christus in Trier gilt als einer der ältesten Belege für jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz. Die allererste urkundlich erwähnte jüdische Gemeinde auf dem heutigen Gebiet Deutschlands gab es aber 321 in Köln, also vor genau 1.700 Jahren.

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Synagoge in Worms (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Uwe Anspach)
Synagoge in Worms picture alliance / dpa | Uwe Anspach

Monumente jüdischer Geschichte in Rheinland-Pfalz

Die jüdischen Gemeinden Speyer, Worms und Mainz waren im Mittelalter geistiges Zentrum für Kultur, Religion und Rechtsprechung der mittel- und osteuropäischen jüdischen Diaspora. Ihre Synagogen, Ritualbäder, Lehrhäuser und die Friedhöfe belegen die Bedeutung der sogenannten SchUM-Städte - eine Bezeichnung, die auf die alten hebräischen Städtenamen zurückgeht. In diesem Jahr wird entschieden, ob die SchUM-Städte in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen werden.

Mann mit Kippa vor dem Bundestag in Berlin  (Foto: Imago, imago images/Christian Spicker)
100.000 Menschen jüdischen Glaubens leben heute in Deutschland. Imago imago images/Christian Spicker

"Jüdisches Leben gehört zu uns!"

"Ein Geschenk und eine große Geste des Vertrauens ist es", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), "dass es, nach den Verbrechen der Nazis und dem Holocaust, jüdisches Leben und jüdischen Alltag in Deutschland gibt. Jüdisches Leben gehört zu uns!" Gleichzeitig warnte sie, antisemitische und rechtsextreme Provokationen würden immer hemmungsloser zur Schau getragen.

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019, den zahllosen Angriffen auf Rabbiner, auf jüdische Gläubige, den Beleidigungen und Beschimpfungen, scheint das Festjahr genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. Es bietet die Gelegenheit, jüdisches Leben in Deutschland sichtbar zu machen und wertzuschätzen.

Ein Chanukkaleuchter ist in Worms in der Synagoge zu sehen.  (Foto: dpa Bildfunk, Uwe Anspach)
Ein Chanukkaleuchter ist in Worms in der Synagoge zu sehen. Uwe Anspach

Musik, Lesungen und Diskussionen zum Festakt

Mit mehr als 70 Veranstaltungen will die rheinland-pfälzische Landesregierung zeigen, wie facettenreich und bedeutend jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz war und immer noch ist. Besondere Höhepunkte sind eine Konzerttournee mit israelischen Musikern und eine Lesung des Berliner Schriftstellers Maxim Leo aus seinem neuen Roman "Wo wir zu Hause sind" über die Geschichte seiner jüdischen Familie. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte: "Wir richten den Blick auch in die Gegenwart und in die Zukunft jüdischen Lebens. Gemeinsam machen wir deutlich, dass jede Form von Antisemitismus bei uns keinen Platz hat."

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