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Mehr infizierte Kinder, mehr Fälle in den Kitas: Der Schrei nach Schutz für Erzieher und Kinder war groß. Doch der Unmut über die Lösung ist größer. Denn nun beklagen sich viele Erzieher über die "sinnlose" Maskenpflicht in Kitas.

Mit der dritten Welle und dem Auftauchen der britischen Mutation steigen die Infektionszahlen auch in den rheinland-pfälzischen Kitas. Anfang April teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) deshalb mit, dass das Kita-Personal künftig Schutzmasken tragen muss.

Kinder brauchen Gesichter für die Sprachförderung

Das stößt bei vielen Erzieher und Erzieherinnen auf Kritik. "Kinder lernen im Kita-Alltag neue Wörter und üben ihre Aussprache - und das den ganzen Tag", sagt die Vorsitzende des Kitafachverbandes Claudia Theobald. "Sprachförderung beginnt beim 'Guten Morgen' und endet beim 'Tschüss'." Hinzu komme, dass Zwei- bis Dreijährige sowie Kinder mit Migrationshintergrund, die kaum Deutsch verstehen, ein "ganzes" Gesicht bräuchten.

Kitas blieben im Regelbetrieb, denn eine gewohnte Umgebung sei für Kinder wichtig, betonte Hubig Anfang April. Das hält Theobald für einen Widerspruch, denn hier zählt die Erzieherin die vertrauten Mimiken und das gemeinsames Mittagessen dazu. All das sei mit Maske nicht mehr gegeben. Sie fordert andere Schutzmaßnahmen wie Luftfilteranlagen.

Erzieher fühlen sich von Politik nicht gehört

"Doch leider hört die Politik uns nicht. Stattdessen sind wir seit einem Jahr voll im Betrieb", beklagt Kristin Starck Fürsicht, 2. Vorsitzende des Kitafachverbandes. Viele Erzieher seien am Ende, spielten mit den Gedanken, aufzuhören. "Wir sind das Fundament der Kinderbetreuung, doch keiner nimmt unsere Interessen oder Lösungsvorschläge ernst."

Masken pädagogisch nicht sinnvoll

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Peter Blase-Geiger, versteht den Unmut. Das Tragen von Masken sei pädagogisch nicht sinnvoll, aber in der Abwägung habe die Politik entschieden, dass die Gesundheit aller vorgehe.

Erzieher seien nach über einem Jahr Pandemie am Limit und die Situation würde sich ständig verändern. Deswegen sei es wichtig, dass Erzieher kreativ und sinnvoll mit den Entscheidungen umgingen, sagt Blase-Geiger.

Öffnungsklausel ermöglicht Ausnahmen

Bei der erweiterten Maskenpflicht seien nach wie vor pädagogische Spielräume gegeben, die den Beschäftigten vor Ort Möglichkeiten eröffneten und individuelle Entscheidungen ermöglichten. "Wir ermutigen, von der Öffnungsklausel bei Bedarf Gebrauch zu machen."

Auch das Tragen von Masken im Außengelände sei natürlich nur in den Situationen angemessen und sinnvoll, in denen eine Interaktion und körperliche Nähe bestehe. Das sollte kommuniziert werden.

Auch der Präsident des Landesjugendamtes, Detlef Placzek, macht deutlich, dass Ausnahmen in besonderen Situationen möglich seien - zum Beispiel bei der Eingewöhnungen besonders junger Kinder. Pädagogische Fachkräfte könnten diese Situationen am besten beurteilen und in diesen ganz konkret entscheiden, ob es geboten und auch für sie in Ordnung sei, vorübergehend die Maske abzunehmen.

Erzieher fordern Luftfilteranlagen in Kitas

Trotzdem findet der Kitafachverband, dass es sich "das Land Rheinland-Pfalz mit der Maskenpflicht leicht gemacht hat". Sie verstünden nicht, warum nicht wie an Schulen Luftfilteranlagen installiert würden.

Das Landesjugendamt verweist allerdings auf die Träger, die für die Finanzierung der Filteranlagen zuständigen seien. Die GEW hält diesen Verweis für nicht günstig: "Wenn der eine es dem anderen zuschiebt, wird das nichts. Das Land könnte Unterstützungsprogramme anbieten und die Träger damit zur Installation motivieren", so Blase-Geiger.

Kristin Starck Fürsicht macht sich Sorgen, um ihre Branche. Sie weiß nicht, welche Folgen die Corona-Pandemie haben wird. "Ich befürchte einen großen Fachtkräftemangel und das macht mich traurig. Ich mache meinen Beruf gerne, aber ich möchte auch gehört und geschätzt werden."

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