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Mit der Rückkehr der Schulen zum Regelbetrieb kommt auch die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Lehrer mit ärztlichem Attest sind davon befreit. Laut Landesregierung ist der Unterricht gesichert. Die Opposition befürchtet Personalmangel.

Mit dem Übergang in den Regelbetrieb an den Schulen in Rheinland-Pfalz gilt ab Montag nun prinzipiell wieder Anwesenheitspflicht für Schüler und Lehrer. Das regelt der aktuelle Hygieneplan für Schulen.

Eine Freistellung vom Präsenzunterricht ist folglich nur noch mit ärztlichem Attest möglich, das die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe nachweist, und wenn es in der Schule einen durch das Gesundheitsamt bestätigten Corona-Fall beziehungsweise einen konkreten Verdachtsfall gibt. Vor den Sommerferien hatten Lehrkräfte ab 60 Jahren beispielsweise auf freiwilliger Basis erscheinen dürfen.

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Gleichzeitig macht das Ministerium aber auch deutlich: Die aktuellen Regelungen spiegeln das aktuelle Infektionsgeschehen wider. Sollten die Infektionszahlen erneut dauerhaft steigen, könnten zum Beispiel alle Lehrer mit Grunderkrankungen vom Präsenzunterricht freigestellt werden.

Rund zwei Prozent aller Lehrer vom Präsenzunterricht freigestellt

Dass Lehrer jetzt ein Attest vorlegen müssen, trifft bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz auf Zustimmung. Schließlich müssten andere Berufsgruppen auch arbeiten gehen. Mit der rheinland-pfälzischen Regelung könne man ganz gut umgehen, so die GEW im Gespräch mit dem SWR.

Das Bildungsministerium schätzt, dass zu Beginn des neuen Schuljahrs rund zwei Prozent aller Lehrer in Rheinland-Pfalz mit Attest freigestellt werden, das entspricht etwas mehr als 800 Lehrkräften. Diese Zahl ist aber noch nicht in Stein gemeißelt. Sie beruhe auf einer Abfrage bei der Schulaufsicht, so Bildungsministerin Stefanie Hubig. Genaue Zahlen lägen erst kommende Woche vor.

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Lehrer sollen live in den Klassenraum geschaltet werden

Der Unterricht nach den Ferien sei aber gesichert, heißt es aus dem Bildungsministerium. Die Freistellung bezieht sich nur auf den Präsenzunterricht. Die betroffenen Lehrer würden also mit anderen Dingen betraut.

Sie könnten zum Beispiel organisatorische Aufgaben übernehmen oder pädagogische Konzepte erstellen. Denkbar sei auch, dass die Lehrer Arbeiten für Kollegen korrigieren oder Unterricht vorbereiten, damit diese wiederum mehr unterrichten können.

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Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass die Lehrer von zu Hause aus unterrichten - entweder Schüler, die aufgrund einer Vorerkrankung ebenfalls zu Hause bleiben müssen oder aber eine ganze Klasse. Per Computer würden die Lehrer in den Klassenraum geschaltet, so Hubig. In der Klasse müsse es dann eine zusätzliche Aufsichtsperson geben, es handele sich also um ein sogenanntes "Hybridmodell".

Der Schulleiter der IGS Bretzenheim, Roland Wollowski, sieht mit Respekt auf das in Rheinland-Pfalz beginnende Schuljahr. Im Gespräch mit dem SWR sagte er, vor allem die Abstandsregeln einzuhalten, werde eine Herausforderung. Das schlimmste Szenario wäre, so Wollowski, wenn sie die Schule wieder schließen müssten.

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Land will in digitale Infrasktrutur und mehr Personal investieren

Das Land ist gerade dabei, die digitale Infrastruktur an Schulen auszubauen. Man sei aber noch lange nicht da, wo man hinwolle, räumte Hubig ein. Die Frage sei deshalb, heißt es von der CDU-Landtagsfraktion, ob die digitale Infrastruktur für solche Liveschalten in die Klassenräume an den Schulen überhaupt zur Verfügung stehe. Zum Beispiel müsse das Land Lehrer mit digitalen Endgeräten ausstatten. Aktuell würden die meisten mit privaten Geräten arbeiten.

Die CDU befürchtet auch eine Personalknappheit. In einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung heißt es: "Die Landesregierung hat keinen Überblick darüber, wie viele zusätzliche Lehrkräfte Corona-bedingt an den Schulen erforderlich sind." Die CDU fordert eine größere Personalreserve um Ausfälle besser abzufangen und Klassenverbände zu verkleinern.

Bildungsministerin Hubig kündigte indes an, dass mehr Vertretungskräfte eingestellt würden. "Wir brauchen mehr Geld um mehr Vertretungskräfte bezahlen zu können und dieses Geld werden wir haben." Nächste Woche soll dazu im Kabinett beraten werden.

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