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Das Gericht in Koblenz sieht Fluchtgefahr bei dem mutmaßlichen IS-Mitglied Lisa R. aus Idar-Oberstein. Die 29-Jährige bleibt voraussichtlich bis zu einem Urteil in Haft und ihre drei Kinder in Obhut des Jugendamtes.

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19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Lisa R. wird die Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat" vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mitteilte. Zudem werde ihr zur Last gelegt, dass sie von Syrien aus in Deutschland Propaganda für den IS betrieben haben soll. "Insbesondere über soziale Medien, aber auch über Textnachrichten", sagte Oberstaatsanwalt Christopher do Paço Quesado.

Sie solle auch zur Ausreise in das "Kalifat" aufgerufen haben. Laut do Paço Quesado besteht gegen die Beschuldigte neben dem Haftgrund der Fluchtgefahr auch der Haftgrund der Schwerkriminalität durch die Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung. Derzeit würden bei der Frau sichergestellte Beweismittel wie ein Smartphone ausgewertet.

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Lisa R. hat noch keine Angaben gemacht

Ihr Anwalt, Serkan Alkan, äußerte sich nicht zu den gegen seine Mandantin erhobenen Vorwürfen. Er wolle erst Akteneinsicht haben und mit der Mandantin sprechen. Dann werde sich zeigen, ob die Vorwürfe soweit zutreffend oder eben nicht zutreffend sind.

Nach seinen Angaben wird die 29-Jährige in der JVA Koblenz untergebracht. Seine Mandantin zeigte sich nach der Ankunft gefasst. "Sicherlich ist sie jetzt froh, dass sie hier ist. Aber auf der anderen Seite, dass sie jetzt in Haft kommt und von den Kindern getrennt ist, ist natürlich der nicht so schöne Nebeneffekt", sagte Alkan dem SWR.

Kinder leben in Pflegefamilien

Der fünf Jahre alte Sohn der Beschuldigten und ihre beiden zwei Jahre alten Töchter sind seit Freitagnacht in der Obhut des Frankfurter Jugendamtes und wurden bei zwei Bereitschaftspflegefamilien untergebracht, wie eine Sprecherin des Sozialdezernats in Frankfurt sagte.

Beim Familiengericht sei ein Antrag auf Übertragung der Sorge auf einen städtischen Amtsvormund gestellt worden. Nach dem Landesjustizvollzugsgesetz darf R. ihre Kinder bis zu vier Stunden pro Monat sehen, wie ein Sprecher des Justizministeriums sagte. Einzelheiten müsse aber das Jugendamt mit der JVA vereinbaren.

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Aus der Türkei abgeschoben

Lisa R. war laut Bundespolizei am späten Freitagabend auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Die Türkei hatte sie zuvor abgeschoben. Sie und ihre Kinder trafen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur an Bord einer deutschen Maschine aus Istanbul ein. Zuerst hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" darüber berichtet.

Kurdische Kämpfer hatten laut Staatsanwaltschaft die Frau Anfang 2019 festgesetzt und in das Camp Ayin Issa nahe der türkischen Grenze gebracht. Dort sei sie im Zuge der türkischen Offensive in Nordsyrien aufgegriffen worden. Das türkische Innenministerium hatte am Freitag bekanntgegeben, dass vier "Terroristenkämpfer" mit deutscher Staatsbürgerschaft abgeschoben worden seien. Nähere Auskünfte gab das Ministerium wie üblich nicht. Die türkischen Angaben sind generell mit Vorsicht zu betrachten: In die Zahlen zu angeblichen "Terroristenkämpfern" fließen auch immer wieder die mitreisender Kinder ein.

Lisa R. 2014 nach Syrien ausgereist

SWR-Informationen zufolge war Lisa R. 2014 über die Türkei nach Syrien ausgereist. Sie schloss sich drei Mitgliedern einer somalischen Familie an, die ebenfalls in Idar-Oberstein wohnten. Eines dieser Familienmitglieder heiratete die Konvertitin. Der Ehemann soll bereits 2015 in Syrien ums Leben gekommen sein. Nach Angaben des Generalstaatsanwaltes heiratete sie mehrere Kämpfer des IS in Syrien.

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