Einer Ärztin hält eine Spritze in der Hand, im Hintergrund sitzt eine Patientin. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa Themendienst)

Interview mit Ärztin zur Grippeimpfung

AHA-Regeln helfen, die Grippe einzudämmen

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Fridolin Skala

Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen? Wird das wegen Corona noch wichtiger? Welche Nebenwirkungen können auftreten und wer bezahlt die Impfung? Als Betriebsärztin kennt Sabine Schuckmann solche Fragen rund um das Thema Grippeimpfung aus der Praxis und beantwortet die wichtigsten von ihnen.

Frau Schuckmann, wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?

Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt über die Ständige Impfkommission Empfehlungen heraus, wer sich impfen lassen soll und wer nicht. Danach sollen sich Risikogruppen impfen lassen, Menschen ab 60 Jahren und es gibt noch eine berufliche Indikation, wenn Menschen etwa sehr viel mit anderen zu tun haben, und diese schützen müssen, beispielsweise im medizinischen Bereich.

Wie sieht das jetzt in Corona-Zeiten aus? Ist es in diesem Jahr wichtiger als sonst, sich impfen zu lassen? 

Das ist die große Frage. Einerseits legt es einen für eine lange Zeit wirklich lahm, wenn man die Grippe hat. Es ist außerdem so, dass man auch nachdem die Grippe ausgeheilt ist, noch längere Zeit Probleme haben kann mit dem Immunsystem und noch nicht wieder so fit ist. Und deshalb sagen viele Menschen, ich würde mich gerne gegen Grippe impfen lassen, damit ich nicht mit zwei Erkrankungen zu tun habe.

Dazu ist jetzt gerade auch eine Studie herausgekommen, in der geguckt wurde, wie ist das eigentlich, wenn Leute gleichzeitig Corona und Grippe haben. Verschlechtert sich dadurch der Gesundheitszustand oder ist das vielleicht sogar hilfreich? Aber da sind die Ergebnisse nicht eindeutig.

Besteht denn die Gefahr, dass unser Gesundheitssystem und die Kliniken überlastet werden, wenn Corona-Pandemie und Grippewelle aufeinander treffen?

Absolut, das ist ein mögliches Szenario und das ist ja auch der Grund, warum die sogenannten AHA-Regeln eingehalten werden sollen (Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske tragen; Anmerkung der Redaktion). Wer das verfolgt hat, hat gesehen, dass die letzte Grippesaison abrupt endete, als man angefangen hat, sich zu distanzieren, Maske zu tragen und weniger soziale Kontakte zu haben. Ich denke, dass wir - wenn wir die AHA-Regeln befolgen - eine gute Chance haben, durch eine milde Grippesaison zu kommen.

Aber warum überhaupt die Grippeimpfung, wenn doch schon die AHA-Regeln eine solche Auswirkung hatten?

Die Abstandsregeln einzuhalten ist eine super Methode, aber es ist natürlich so, dass man die Grippe trotzdem bekommen kann. Immer, wenn man Kontakt mit anderen hat, kann man sich infizieren. Deswegen ist es ja auch so, dass man sagt, diejenigen, die schon Vorerkrankungen haben, sollten sich impfen lassen, um einfach das Risiko auszuschalten, dass bei ihnen schwere Verläufe kommen.

Welche Nebenwirkungen treten bei der Grippeimpfung auf?

An der Einstichstelle im Oberarm kann eine Rötung und Schwellung kommen und das kann ein bisschen weh tun für eine gewisse Zeit bei der Bewegung. Ansonsten kann es auch mal zu einer allgemeinen Reaktion kommen innerhalb von 24 Stunden mit Kopf- und Gliederschmerzen. Man fühlt sich schlapp und krank und muss sich vielleicht auch ein bisschen hinlegen. Das ist nichts Schlimmes, sondern einfach nur eine ausgedehnte Reaktion, die eher selten vorkommt. In wirklich ganz seltenen Fällen kann es auch mal zu einer allergischen Reaktion kommen. Ansonsten wird die Grippeimpfung in der Regel aber sehr gut vertragen.

Wann ist die beste Zeit, um sich gegen die Grippe impfen zu lassen? 

Eigentlich ist jetzt ein sehr günstiger Zeitpunkt. Man kann sich aber auch erst im November oder Dezember impfen lassen. Es braucht ungefähr 10 bis 14 Tage, bis man den Impfschutz hat, der dann so ein halbes Jahr hält. Die Grippesaison endet in der Regel Ende März, sodass man - wenn man sich jetzt impfen lässt - einen vollständigen Schutz für die Saison hätte.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Impfung?

Das richtet sich wieder nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission des RKI, also bei chronisch Kranken, Menschen über 60, Schwangeren ab dem zweiten Trimenon (ab der 14. Schwangerschaftswoche; Anmerkung der Redaktion) und Menschen, bei denen es beruflich Sinn macht. Da wird das bezahlt, wobei die berufliche Indikation eher was für den Arbeitgeber ist. Wenn Sie also zu Ihrem Arzt gehen würden, würde der die Indikation überprüfen. Wenn der sagt, Sie gehören nicht in die Risikogruppe rein, dann müssten Sie es privat finanzieren.

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Fridolin Skala