STAND
AUTOR/IN

Die dritte Corona-Welle rollt seit Anfang März über Rheinland-Pfalz und erreicht nun auch die Intensivstationen der Krankenhäuser. Die Pflegekräfte sind aber schon jetzt am Limit.

Seit Tagen findet Christa Keienburg, Landessprecherin der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege (DGF), Nachrichten von Kolleginnen und Kollegen aus ganz Rheinland-Pfalz in ihrem Postfach, die nicht mehr können:

"Die Pflegeuntergrenze ist aufgehoben, Überbelegung", zitiert Keienburg aus den E-Mails. Oder: "Es fehlt zunehmend das qualifizierte Personal. Es wird versucht, durch Hilfskräfte den Mangel zu kompensieren." An anderer Stelle heißt es: "Personalmäßig sind wir schon am Limit, es gab einige Kündigungen, die Stimmung im Team ist eher schlecht und durch krankheitsbedingte Ausfälle ist die Mindest-Besetzung nur durch Einspringen gewährleistet."

Keienburg ist selbst Intensivpflegerin an der Unimedizin Mainz. Sie bestätigt: "Es macht sich ein gewisser Frust und Enttäuschung breit." Die Pflegekräfte im Land sind nach einem Jahr Pandemie am Limit und nun klopft die dritte Welle der Corona-Pandemie auch an die Türen der Intensivstationen.

Covid-19-Zahlen auf Intensivstationen in Rheinland-Pfalz steigen exponentiell

Laut Divi, der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, hat die dritte Welle auf rheinland-pfälzischen Intensivstationen am 15. März begonnen. "Am 14. März war mit 70 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen der letzte Punkt der fallenden, zweiten Welle. Seither steigen die Zahlen wieder exponentiell", sagt Pressesprecherin Nina Meckel.

Am Freitag, 26. März, liegen laut Divi-Register bereits 109 Covid-19-Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen, von denen 54 invasiv beatmet werden müssen. "Das ist eine Steigerung um 56 Prozent in zehn Tagen", so Meckel.


Sterben jüngere Covid-19-Patienten auf Intensivstationen seltener?

Berichte, dass die Covid-Patientinnen und -Patienten nun jünger seien als bislang, kann die Divi aufgrund ihrer Daten nicht bestätigen. Da aber die Infektionsrate unter den über 80-Jährigen derzeit sehr gering sei, erwartet die Vereinigung bei einem Fortschreiten der Impfkampagne "gar keine Hochaltrigen mehr auf den Intensivstatioenen zu sehen". Sie seien durch die Impfungen vor schweren Verläufen geschützt. Entsprechend werde sich der Altersdurchschnitt, der in der ersten und zweiten Welle bei 68 Jahren lag, auf jeden Fall verjüngen.


Das könnte sich unter Umständen positiv auf die Sterbezahlen auswirken. Von der Universitätsmedizin Mainz heißt es dazu: "Die stabilere Herzkreislaufsituation führt zu einer besseren Überlebensfähigkeit bei jüngeren Patienten. Wenn mehr junge Menschen auf der Intensivstation liegen oder erst gar nicht auf die Intensivstation kommen, kann mit einer geringeren Sterblichkeit gerechnet werden."

Allerdings müsse auch die Gefährlichkeit der neuen Mutanten berücksichtigt werden, da es Hinweise auf eine höhere Ansteckungsfähigkeit und auch schwere Verläufe für die Mutation B.1.1.7 aus Großbritannien gebe. Die mache inzwischen die Mehrzahl der Covid-19-Fälle aus.

Video herunterladen (5,7 MB | MP4)

Vermehrt schwere Verläufe bei 40- bis 60-Jährigen in Trier

Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier ist die Zahl der Covid-19-Patientinnen und -Patienten derzeit zwar noch stabil. "Auffällig ist jedoch, dass es überwiegend junge Menschen sind, die schwer erkranken“, sagt Tim Piepho, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin.

Das bereitet ihm Sorgen: "Unter Berücksichtigung der relativ geringen Inzidenzwerte in unserer Region ist es besorgniserregend, dass Patienten mit schweren Verläufen zwischen 40 und 60 Jahre alt sind." Man habe die Sorge, dass mit weiter steigenden Inzidenzwerten diese Patientengruppe und damit die Belastung der Krankenhäuser größer werde.

Video herunterladen (4,8 MB | MP4)

Corona-Belastung zermürbt Pflegekräfte

Die Sorge vor der Mutation belastet auch die Pflegekräfte im Land. Laut Christa Keienburg kommen zur generell angespannten Personalsituation in der Intensivpflege mittlerweile auch Engpässe aufgrund länger andauernder Krankheitsphasen hinzu. Außerdem schlügen Kündigungen und Arbeitszeitreduzierungen infolge der Corona-Belastungen ins Kontor. Auch kurzfristige Ausfälle durch Impfreaktionen müssten immer wieder aufgefangen werden.

Keienburg resümiert: Fast alle Intensivpflegekräfte sähen es zwar weiterhin als ihre Aufgabe an, auch die dritte Infektionswelle irgendwie zu schaffen. "Wenn sich danach jedoch die Rahmenbedingungen immer noch nicht ändern, sind viele Kollegen fest entschlossen der Intensivpflege und jeder anderen Art von Pflege den Rücken zu kehren", ist sie überzeugt.

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Corona-Pandemie in Rheinland-Pfalz Inzidenz steigt am Freitag weiter an

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Rheinland-Pfalz bleibt weiter hoch. Sie ist auf den zweithöchsten Wert in diesem Jahr gestiegen. Die Inzidenz erhöht sich auf 139,2.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Aktuelle Lage im Land Corona-Live-Blog in RP: Demo in Mainz gegen Corona-Maßnahmen bleibt untersagt

Das Coronavirus ist weiter das bestimmende Thema in Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder deutlich, vielerorts wird die Notbremse gezogen. Die aktuelle Entwicklung hier im Blog.  mehr...

Corona-Impfungen für Kinder geplant Biontech: Impftests jetzt auch an jüngeren Kindern

Die Mainzer Firma Biontech und ihr US-Partner Pfizer haben damit begonnen, ihren Corona-Impfstoff auch an jüngeren Kindern zu testen.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler zu Impfungen Vorerst nur wenige Impfdosen für Arztpraxen in Rheinland-Pfalz

Mehr als zehn Prozent der 4,1 Millionen Rheinland-Pfälzer sind gegen Corona geimpft. Im April sollen die Impfungen an Fahrt aufnehmen. Auch durch die Beteiligung der Arztpraxen.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Erst testen, dann Ostern feiern Ansturm auf Corona-Schnelltestzentren in Rheinland-Pfalz

Mehr als 700 Einrichtungen in Rheinland-Pfalz bieten derzeit die Möglichkeit, sich kostenlos auf Corona testen zu lassen. Wie läuft es im Land?  mehr...

STAND
AUTOR/IN