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Gibt es einen neuen Corona-Fall, sollen möglichst weitere Ansteckungen verhindert werden. Dafür müssen alle Kontaktpersonen gefunden werden - eine Aufgabe für die Gesundheitsämter.

Ein neues positives Testergebnis im Kreis Bad Dürkheim wird bekannt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Arbeit von Hygiene-Inspektorin Sandra Pfeifer im Kreisgesundheitsamt: Ab wann hatte die Person Symptome? Wo könnte sie sich angesteckt haben? War sie arbeiten? Mit wem war sie privat in Kontakt und in welcher Form? Gibt es Schul- oder Kitakinder im Haushalt? Alle Daten werden erfasst und bilden die Grundlage für die nächsten Schritte: Nun müssen alle Kontaktpersonen gefunden, systematisch befragt und kategorisiert werden.

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Dafür ist Hygiene-Inspektorin Pfeifer gemeinsam mit drei weiteren Kollegen verantwortlich. Zwölf Kollegen unterstützen sie dabei, darunter Ärzte und sogenannte "Containment Scouts", welche die Daten erfassen und dokumentieren.

14 Tage verpflichtende Quarantäne

Kind schaut gelangweilt aus Fenster (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Bildagentur-online)
Kontaktpersonen müssen 14 Tage in häusliche Quarantäne - auch Kinder picture alliance/Bildagentur-online

Wer engen Kontakt mit dem Infizierten hatte, wird in den Wochen darauf ein anderes Leben führen: "Die Personen werden angerufen und darüber informiert, dass sie als Kontaktpersonen die häusliche Quarantäne einzuhalten haben", sagt Pfeifer im Interview mit dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz. Das bedeutet, dass sie zwei Wochen das Haus nicht verlassen dürfen, auch nicht zum einkaufen. Kinder dürfen während dieser Zeit nicht in die Schule oder in die Kita. Für den Arbeitgeber wird die Quarantäne attestiert.

Ab Beginn der Quarantäne werden die Kontaktpersonen alle zwei bis drei Tage vom Gesundheitsamt kontaktiert. "Da wird nachgefragt, wie die Situation Zuhause ist und ob sich vielleicht Symptome entwickelt haben", sagt Pfeifer.

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Keine Tests ohne Symptome

Automatisch getestet wird man als Kontaktperson nicht. Dies könne bei einem negativen Abstrich ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln, sagt die Hygiene-Inspektorin: "Man sollte nicht testen, wenn man keine Symptome hat. Man kann ja innerhalb dieser 14 Tage in der Quarantäne immer noch positiv werden."

Bisher seien sie und ihre Kollegen bei den Kontaktpersonen immer auf Verständnis für die Maßnahmen gestoßen: "Alle waren einsichtig und waren bereit dazu, diese 14-tägige Quarantäne einzuhalten."

Hunderte Infektionen im Kreis Bad Dürkheim

Der Kreis Bad Dürkheim gehört zu den Landkreisen in Rheinland-Pfalz mit den meisten bestätigten Corona-Infektionen: Insgesamt 318 Personen wurden positiv getestet, ein Großteil davon im März. Außerdem gab es zwölf Todesfälle (Stand: 13. Mai). Inzwischen hat sich die Lage deutlich beruhigt.

Anfangs bis zu 40 Kontaktpersonen

Am Anfang habe es noch sehr viele Kontakte der einzelnen Infizierten gegeben, sagt die Leiterin des Gesundheitsamts Silke Basenach. Einige hätten 30 bis 40 Personen genannt. Inzwischen seien es weniger. Die Menschen seien Zuhause geblieben und hätten die Kontakte reduziert. Nun müsse man abwarten, wie sich die Zahlen durch die Lockerungen weiterentwickeln. "Da gucken wir von Tag zu Tag und Woche zu Woche", so Basenach. Die Verantwortung für die Kontaktverfolgung nehme man sehr ernst, das Personal sei in den vergangenen Monaten aufgestockt worden. Es sei jetzt an den Menschen, sich vernünftig zu verhalten.

Landrat Ihlenfeld: "Kritische Zahl schnell erreicht"

Ähnlich sieht dies der Landrat des Kreises Bad Dürkheim, Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU). Die kritische Zahl von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern könne schnell erreicht sein. "Als Landkreis wollten wir auf alle Fälle gerüstet sein für einen plötzlichen Ausbruch."

Das Land müsse die Kreise entsprechend ausstatten, so dass die Gesundheitsämter personell aufrüsten können, fordert Ihlenfeld. Ähnlich hatte sich vor kurzem der Landkreistag geäußert. "Die Mitarbeiter werden dringend gebraucht", sagt der Landrat.

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