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Seit Montag gilt auch in Rheinland-Pfalz die Impfpriorisierung nicht mehr. Bei manchen Hausärzten stehen die Telefone nicht still - aber ihnen bleibt oft nicht mehr übrig, als zu vertrösten.

Mehr als 47.000 Menschen haben sich nach Angaben des Mainzer Gesundheitsministeriums bisher beim Terminpool für die Impfzentren angemeldet, nachdem die Impfpriorisierung entfallen war. Das Online-Portal des Landes sei dabei stabil gelaufen, technische Probleme habe es nicht gegeben. "Die bisherige Anzahl der Registrierungen ist ein guter Indikator dafür, dass wir zum einen in Rheinland-Pfalz mit den Impfungen schon gut vorangekommen sind, zum anderen auch dafür, dass die Menschen auch den Weg über die niedergelassenen Ärzte und ab heute auch über die Betriebsärzte nutzen", sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD).

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Auch die Vorsitzende des Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz, Barbara Römer, spricht von zahlreichen, aber händelbaren Anfragen. Das sei kein Vergleich zum Impfstart im April oder zur Aufhebung der Priorisierung für Astrazeneca über Nacht, so Römer.

Vor Ort gibt es dennoch Berichte von Telefonen, die nicht mehr still stehen - und Impfstoff, der weiter knapp ist. "Wir haben in dieser Woche keinen Impfstoff für Erstimpfungen, weil wir 169 Zweitimpfungen machen müssen", berichtet etwa Hausärztin Stefanie Lutz aus Mainz. Auch für die nächste Woche könne nur ein geringes Kontingent an Impfstoffen bestellt werden. "Die Warteliste bekommen wir also noch lange nicht abgearbeitet."

Viel Frust unter Impfwilligen in Rheinland-Pfalz

Von überlasteten Telefonen und vielen Impfwilligen berichtet auch Hausarzt Klaus Korte aus Ahrbrück (Kreis Ahrweiler). Die Telefone seien schon seit Wochen überlastet, das werde jetzt weiter zunehmen. "Die Menschen haben den Eindruck, jetzt fallen die Schranken, jetzt können wir geimpft werden", so Korte. Die Patienten gingen davon aus, dass es nun auch mehr Impfstoff gebe, aber: "Wir haben heute den 7. Juni und es ist immer noch nicht genügend Biontech da. Das macht viel Arbeit in unserer Praxis, das macht viel Frustration unter unseren Patienten", zeigt sich Korte mit der Situation unzufrieden.

"Arbeiten intensiv daran, mehr Impfstoff zu bekommen"

Das bestehende Ungleichgewicht im Land zwischen Impfwilligen und bereit stehendem Impfstoff sieht auch Landesimpfkoordinator Daniel Stich (SPD). Er sieht die Verantwortung in Berlin: "Wir arbeiten intensiv daran, vom Bund mehr Impfstoff zu bekommen, um schneller voranzukommen", so Stich.

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Schon in den Tagen vor dem Wegfall der Impfpriorisierung war befürchtet worden, dass die Telefone bei den Hausärzten nicht stillstehen - zugleich aber nicht mehr Impfdosen im Land zur Verfügung stehen. Mit ein Grund: Die bestehenden Wartelisten sind ohnehin schon lang. Es sind noch längst nicht alle Menschen geimpft, die mit einer Priorisierung registriert sind - viele von ihnen haben noch nicht einmal einen Termin.

Trotzdem komme man in Rheinland-Pfalz gut voran, meint der Landesimpfkoordinator. Innerhalb einer Woche sei es gelungen, fast die Hälfte der aus Priogruppe 3 registrierten Menschen mit einem Impftermin zu versorgen. Von etwa 400.000 Wartenden seien nun noch 230.000 in der Warteschlange übrig. Diese vor dem 7. Juni registrierten Menschen sollen auch nach der Aufhebung der Priorisierung bei der Terminvergabe bevorzugt werden - gegenüber den Impfwilligen ohne Priorisierung, die sich erst am Stichtag oder danach anmelden.


In Priogruppe 1 sind nach Angaben das Gesundheitsministeriums nur noch rund 50 Menschen im Wartepool, etwa 3.700 haben zumindest einen Termin, wie Minister Clemens Hoch (SPD) mitteilte. In der Priogruppe 2 warteten noch rund 200 Menschen auf einen Termin, etwa 60.000 hätten bereits einen.

Betriebsärzte impfen jetzt flächendeckend mit

Vorreiter bei den Impfungen durch Betriebsärzte, die flächendeckend ebenfalls an diesem Montag beginnen, ist der Chemieriese BASF in Ludwigshafen. Seit Inbetriebnahme des Impfzentrums am 14. April hätten bis einschließlich 4. Juni rund 14.500 BASF-Mitarbeitende eine Erstimpfung erhalten, teilte ein Konzernsprecher mit. Auch Boehringer Ingelheim wird nun mit den Impfungen beginnen. Seit heute können sich Beschäftigte des Pharmakonzerns in der Produktion, der Forschung und der Entwicklung dafür registrieren lassen, die ausschließlich auf den Werksgelände arbeiten können. Diese Priorisierung berücksichtige das erhöhte Risiko dieser Menschen, teilte das Unternehmen mit. Geimpft werde dann ab Mittwoch. Bei Schott in Mainz laufen ebenfalls die Vorbereitungen. Dort sollen am Dienstag die ersten Corona-Impfungen an Mitarbeiter verabreicht werden.

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Kinder und Jugendliche vorerst bei Kinder- und Jugendärzten impfen

Solange es keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für die Corona-Schutzimpfungen von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren gibt, können diese laut Gesundheitsministerium auch nicht in den Impfzentren dafür angemeldet werden. Grundsätzlich möglich sind den Angaben zufolge jedoch Impfungen mit vorheriger Beratung bei den Haus-, Kinder- und Jugendärzten, die die Kinder oftmals schon seit Jahren kennen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte nach dem letzten Impfgipfel gesagt, es werde kein Sonderkontingent für Kinder und Jugendliche geben. Wann sie geimpft würden, hänge von den Impfstofflieferungen ab.

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