Spritzen in Bechern: Mit Booster-Impfungen gegen Impfdurchbrüche (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/KEYSTONE | Michael Buholzer)

Impfdurchbrüche in Rheinland-Pfalz

Warum die Pandemie auch für Geimpfte noch nicht vorbei ist

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Immer mehr Rheinland-Pfälzer infizieren sich mit dem Coronavirus, obwohl sie geimpft sind. Das war vorhersehbar, sagen die Experten. Wichtig sei jetzt die Booster-Impfung - und weiter das Einhalten der AHA-Regeln.

Die Zahl der sogenannten Impfdurchbrüche - also der symptomatischen Coronainfektionen mindestens zwei Wochen nach vollständiger Impfung - nimmt immer mehr zu, auch in Rheinland-Pfalz.

Nach Angaben des Landesuntersuchungsamts (LUA) gab es im laufenden Jahr (Stand: 10. November) bislang insgesamt 58.676 gemeldete Neuinfektionen, davon entfielen 14 Prozent auf vollständig geimpfte und 86 Prozent auf unvollständig oder gar nicht geimpfte Personen. Dieses Verhältnis hat sich im Laufe des Jahres aber immer weiter in Richtung der vollständig Geimpften verschoben. Von den 3.948 Fällen der vergangenen zwei Wochen entfielen bereits 46 Prozent auf die vollständig geimpften Menschen.

Impfdurchbrüche in Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Impfdurchbrüche in Rheinland-Pfalz

Weniger schwere Fälle bei den Geimpften

Allerdings ist die Zahl der vollständig Geimpften bei schweren Krankheitsverläufen geringer. Von den 463 Menschen, die seit Jahresbeginn auf den Intensivstationen in Rheinland-Pfalz behandelt werden mussten, gehörten nur neun Prozent zu dieser Gruppe, alle anderen waren nicht oder unvollständig geimpft.

Von den 934 Menschen, die im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben sind, waren zehn Prozent vollständig geimpft.

Warum gibt es immer mehr Impfdurchbrüche?

Die Gründe für solche Impfdurchbrüche sind vielfältig. Zunächst einmal: Eine Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz gegen das Coronavirus. Nach neuesten Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca derzeit eine Wirksamkeit von etwa 75 Prozent gegen eine symptomatische SARS-CoV-2-Infektion und von 90 Prozent gegen eine schwere COVID-19-Erkrankung. Bei dem Vakzin von Johnson & Johnson gibt das RKI die Wirksamkeit mit etwa 65 Prozent an.

Hinzu kommt, dass Menschen unterschiedlich auf die Impfstoffe reagieren. Verantwortlich für Impfdurchbrüche ist oft ein schwaches Immunsystem - zum Beispiel bei Krebspatienten, die eine Chemotherapie durchlaufen, bei Menschen mit Autoimmunkrankheiten oder bei älteren Menschen.

Wichtigster Faktor ist aber, dass der Schutz durch die Antikörper im Laufe der Zeit nachlässt - sowohl nach einer Impfung als auch nach einer Genesung. Dabei sind auch hier die älteren Menschen stärker betroffen.

Abnehmende Wirksamkeit von Impfungen. (Foto: SWR)

Impfungen weiter unverzichtbar

Die vermehrte Zahl von Impfdurchbrüchen stellen aber nicht die Effektivität der Impfung infrage, betont das RKI. "Wir sehen klar, dass die Impfungen wirken", heißt es auch von Seiten der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen sei im Vergleich zu den ersten beiden Wellen zurückgegangen.

Die Daten bestätigen laut RKI vor allem, dass Impfungen einen guten Schutz vor schweren Verläufen bringen. So liege der Schutz vor einem schweren Verlauf, der auf einer Intensivstation behandelt werden muss, derzeit bei den über 60-Jährigen immer noch bei 93 Prozent. Bei den Jüngeren sei es nochmal etwas besser.

Auffrischungsimpfung empfohlen

Wegen des nachlassenden Impfschutzes hat die Ständige Impfkommission (STIKO) im Oktober grundsätzlich eine Corona-Auffrischungsimpfung (Booster-Impfung) für Menschen ab 70 Jahren empfohlen. Kurz danach verständigten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern darauf, dass alle Menschen, deren zweite Corona-Impfung mehr als sechs Monate zurückliegt, eine Auffrischungsimpfung erhalten können. "Für mich gilt: Jeder der will und dafür in Frage kommt, soll eine Booster-Impfung erhalten", sagte der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). Einzige Voraussetzung sei die Volljährigkeit.

Booster-Impfungen in Rheinland-Pfalz laufen eher schleppend an

Bis zum 14. November hatten in Rheinland-Pfalz erst 192.620 Menschen ihre Auffrischungsimpfung erhalten - das sind 35,5 Prozent derjenigen, die sechs Monate zuvor bereits vollständig geimpft waren.

Trotzdem teilte das Gesundheitsministerium auf SWR-Anfrage mit, "Rheinland-Pfalz hat sich sehr wohl rechtzeitig gekümmert und boostert mit Vorlage der STIKO-Empfehlung zu den Auffrischungsimpfungen seit dem 2. September alle, die dafür in Frage kommen und auch wollen".

AHA-Regeln weiter beachten

Egal, wie der Impfstatus auch ist - die Kontaktbeschränkungen sollten weiter sehr ernst genommen werden, raten Wissenschaftler und Mediziner. "Die, die geimpft sind, müssen genauso wie die Ungeimpften Maske aufsetzen, Kontakte vermeiden und Abstand halten", sagt Matthias Ebert, Uniklinikum Mannheim. Die AHA-Regeln (Abstand halten, Hygieneregeln beachten und im Alltag Maske tragen) bleiben also aktuell.

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