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Rund um Schwarmstädte wie Mainz ist die Nachfrage nach Immobilien riesig und die Preise sind hoch. Experten sind sich nicht einig, welche Auswirkungen die Pandemie auf den Immobilienboom hat.

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In den letzten Jahren kannten die Immobilienpreise in Rheinland-Pfalz vor allem in den größeren Städten und ihren Speckgürteln nur eine Richtung - nach oben. "Die Käufer müssen sich schnell entscheiden", beschreibt Stephanie Schäfer, Leiterin des Sachverständigenausschusses des Maklerverbands IVD West, die bisherige Lage. Es gebe zu viele Käufer für eine Immobilie: "Das ist dieser überhitzte Markt, den wir alle feststellen."

Man merke zwar im Moment eine leichte Verunsicherung, jedoch gebe es noch genug Geld im Markt und genug Käufer. "Der Bedarf zu wohnen ist noch da und das Geld ist bei vielen auch noch da", so Schäfer im Interview mit dem landespolitischen SWR-Magazin Zur Sache Rheinland-Pfalz.

Aktuelle Käufer hätten sich bereits um die Finanzierung gekümmert. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie erwartet sie erst später: "Der Markt reagiert immer mit Verzögerung." Es werde sicherlich eine Delle geben. Das Mega-Schnäppchen erwartet sie aktuell aber nicht. Schäfer rät dazu, bis zum Herbst oder Ende des Jahres abzuwarten. Weniger Nachfrage und sinkende Preise sehe sie zuerst im ländlichen Raum und weniger in den Städten.

Bauarbeiter auf einem Gerüst (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa)
Corona-Pandemie: Verzögerter Einfluss auf den Immobilienmarkt? picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Unterschiedliche Einschätzungen für Stadt und Land

Auch Volkswirt Reiner Braun vom Epirica Institut in Berlin erwartet nur einen langsamen Einfluss der Corona-Pandemie auf den Immobilienmarkt: "Wenn die Börse ein rauchender Gebirgsbach ist, dann ist der Immobilienmarkt eher so ein Lavastrom, der zäh dahin fließt."

Das Empirica Institut geht jedoch davon aus, dass die Immobilienpreise sinken werden. Wie stark und wie lange, ist noch unklar. Dafür gibt es aktuell verschiedene Rechenmodelle. Braun erwartet, dass nicht alle Objekte gleichermaßen betroffen sind. Anders als Schaefer sieht er die sinkenden Preise dabei eher im städtischen Raum: "Also ich kann mir vorstellen, dass in den teuren Städten wie Mainz, wo die Preise auch zuletzt sehr stark gestiegen sind, wo Wohnungen angeboten wurden zu Preisen, wo man eigentlich nicht mehr hätte kaufen sollen, die Delle auch größer ausfallen kann", so Braun. "Auf dem Land sehe ich diese Delle viel kleiner, weil der Preisanstieg nicht so groß war."

Langfristig sei Wohneigentum sicher eine gute Anlage, sagt Braun. "Wer im Moment ein stabiles Einkommen hat, und ausreichend Eigenkapital, der hat vielleicht die Chance, in den nächsten Monaten an ein Schnäppchen zu kommen."

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Wir erklären politische Entwicklungen auf verständliche Weise und haken bei den Verantwortlichen nach. Alle Beiträge aus den vergangenen Sendungen finden Sie hier.
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