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Mitglieder der Tierrechtsgruppe Animals International haben in einem libanesischen Schlachthof die brutale Schächtung von Rindern gefilmt. Wie SWR-Recherchen zeigen, waren darunter auch Tiere aus dem Südwesten.

Die Herkunft von zwei Tieren konnte dabei anhand der sichtbaren Ohrenmarken ermittelt werden. Die beiden Kälber waren gerade einmal drei Wochen alt, als sie ins Ausland gebracht wurden - eines von ihnen kam von einem Hof in Ormont in der rheinland-pfälzischen Eifel, ein anderes von einem Betrieb im baden-württembergischen Rhein-Neckar-Kreis.

Der Lebendtransport von Rindern in Drittländer sorgt seit Jahren für immer neue Diskussionen: Es fehlten bei Langzeittransporten von Tieren Informationen über Versorgungsstationen und es komme zur Überschreitung der maximalen Transportzeit, bemängelte etwa das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium - dort ist die Abfertigung von langen Rindertransporten in Drittstaaten seit Juli deshalb nicht mehr genehmigt. Auch Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zogen kurz darauf nach und erließen ein entsprechendes Verbot. Der Grund für die Erlasse waren Recherchen von SWR-Filmemacher Edgar Verheyen, der in einer ARD-Doku die illegalen Machenschaften der Viehhändler aufgedeckt hatte.

Umwege quer durch Europa

Doch diese Gesetzgebung unterbindet lediglich den direkten Verkauf. Deshalb wurde der Transportweg systematisch verschleiert: Die Kälber gelangten über eine Sammelstelle in Nordrhein-Westfalen nach Belgien und von dort aus über Frankreich nach Spanien, wo sie gemästet wurden, und schließlich mit dem Schiff nach Beirut.

Ein direkter Transport dorthin wäre abgesehen vom langen Transportweg aufgrund der Schlachtmethoden schon illegal. Der Umgang mit Schlachttieren ist im Libanon gesetzlich kaum geregelt. Animal International gelang es bereits 2019, auf einem Schlachthof zu filmen, als Tiere, die aus Europa in den Libanon kamen, getötet wurden. Auf diesen Aufnahmen war unter anderem zu sehen, wie ihnen die Sehnen durchgeschnitten wurden, um einer Fluchtgefahr vorzubeugen, bevor sie ohne Betäubung geschächtet werden.

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Männliche Kälber: Kein lukratives Geschäft

Landwirt Seifen aus Ormont - der ursprüngliche Besitzer eines der Kälber - wird mit den Bildern vom libanesischen Schlachthof konfrontiert. Er habe geglaubt, das Tier solle in die Niederlande und kündigt an, Rücksprache mit dem Händler zu halten: "Das ist eine Sache, damit komme ich nicht klar."

Auf dem Hof selbst wird nicht geschlachtet: Seifen ist auf die Milchproduktion spezialisiert. Die männlichen Jungtiere werden deshalb zum Verkauf angeboten. Gesetzlich festgeschrieben ist in Deutschland, dass mit jungen Kälbern bereits im Alter von 14 Tagen gehandelt werden darf. Für sie gibt es kaum einen Markt: "Zu Coronazeiten haben wir zwischen fünf und zehn Euro bekommen. Ich kenne andere landwirtschaftliche Kollegen, die haben nichts bekommen, die waren froh, dass sie weg sind."

Rechtswidriger Transport quer durch Europa

Seiferts Kälber wurden vom niederländischen Händler, der sie erwarb, zunächst zu einer Sammelstelle im nordrhein-westfälischen Landkreis Düren gebracht. Dort wurden ihre Transportbedingungen das letzte Mal in Deutschland begutachtet, bevor sie nach Belgien gebracht wurden. Was am Zielort im Ausland geschieht, ist allerdings Aufgabe der Behörden vor Ort.

Die Tierrechtsgruppe Animal Welfare Foundation hat die Transporte ab der nächsten Sammelstelle in Belgien verfolgt und gefilmt. Die stellvertretende Vorständin Iris Baumgärnter erklärt, dass die Tiere auf ihrem Weg zwar abgeladen wurden - aber nicht, wie es die entsprechende europäische Verordnung vorsieht, für 48 Stunden, sondern lediglich für sechs.

EU in der Pflicht

Lange Kälbertransporte sind in der EU eigentlich untersagt, da es dafür keine geeigneten Transportfahrzeuge gibt. Auf ihrem weiteren Weg durch Europa wurden die Kälber aber weder in Frankreich, noch in Spanien ausreichend lange abgeladen. Die Tiere des Eifeler Landwirts blieben ein Jahr in Spanien, bevor sie von Tarragona aus mit einem Schiff in den Libanon transportiert wurden.

Rheinland-Pfalz, dass wie viele andere Bundesländer solche Langzeittransporte explizit untersagt, sieht die EU in der Pflicht und kritisiert das Vorgehen von Viehhändlern scharf: "Damit werden alle Bemühungen zur Verbesserung des Tierschutzes beim Transport umgangen", heißt es aus dem Umweltministerium.

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