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Die coranabedingte Homeoffice-Pflicht ist zum 1. Juli ausgelaufen. In Rheinland-Pfalz wollen einige Arbeitgeber trotzdem beim Homeoffice bleiben - andere geben an, dass das nicht möglich sei.

Seit Januar mussten Unternehmen Homeoffice anbieten, wo es möglich war. Diese Pflicht läuft am 1. Juli aus. Betriebe müssen aber weiterhin zwei Mal in der Woche Corona-Tests anbieten und auch Hygienepläne aufstellen. Abstandsregeln gelten weiterhin. Unternehmen und Behörden in Rheinland-Pfalz gehen ganz unterschiedlich mit der Möglichkeit um, wieder mehr in Präsenz zu arbeiten.

Boehringer Ingelheim zufrieden mit digitalem Arbeiten

Beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim werden die Mitarbeiter, die ihre Arbeit auch gut von zu Hause aus erledigen können, weiterhin im Homeoffice arbeiten. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers können sie mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht zwar auch wieder ins Büro kommen, das müsse allerdings immer eng mit dem Vorgesetzten abgesprochen werden. Außerdem sei die Zahl der Personen, die sich gleichzeitig am Standort aufhalten dürfe, weiterhin stark beschränkt.

Ähnlich verfährt der Glashersteller Schott aus Mainz: Das Unternehmen erklärte, es gestatte seinen Verwaltungsmitarbeitern auch weiterhin, von zu Hause aus zu arbeiten. Dies entschieden die Betroffenen in enger Abstimmung mit ihrer jeweiligen Führungskraft. Den Angaben zufolge befinden sich derzeit zwischen 70 und 85 Prozent der Schott-Büroangestellten im Homeoffice.

Opelaner dürfen weiter im Homeoffice bleiben

Der Autobauer Opel erlaubt es seinen Mitarbeitern in Kaiserslautern, weiter im Homeoffice zu bleiben - sofern es die jeweilige Aufgabe zulasse. Genauso verfährt das Fraunhofer-Institut in der Stadt. Der Süßwarenhersteller Wawi aus Pirmasens verweist indes darauf, dass Homeoffice nur eingeschränkt möglich sei.

Der Chemiekonzern BASF aus Ludwigshafen möchte künftig eine Art Hybridmodell etablieren: Das bedeute, dass Mitarbeiter weiterhin an einigen Tagen im Monat von zu Hause aus arbeiten könnten, erklärte eine Sprecherin. Am Homeoffice festhalten will auch der Pumpen- und Armaturenhersteller KSB aus Frankenthal. Die Details prüft das Unternehmen gerade.

Die Firma ZF mit Standorten in Koblenz, Neuwied und Bad Neuenahr-Ahrweiler empfiehlt den Mitarbeitern weiterhin das mobile Arbeiten - dort wo es möglich sei. Die Verwaltungs-Belegschaft bei Haribo in Grafschaft soll bis nach den Sommerferien weiter im Homeoffice bleiben. Bei der Debeka in Koblenz arbeiten 90 Prozent der Belegschaft von zu Hause, und das solle mit Blick auf die Delta-Variante auch bis auf Weiteres so bleiben, hieß es. Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach impft gerade im Unternehmen und möchte die vollständige Immunisierung der geimpften Belegschaft abwarten.

Beim Getränkehersteller Eckes-Granini aus Nieder-Olm (Landkreis Mainz-Bingen) ist die Arbeit im Homeoffice weiterhin möglich und wird bis auf weiteres auch empfohlen. Für die Zeit "nach Corona" seien Gesamtbetriebsrat und Unternehmensleitung derzeit aber im Austausch zu einer Regelung, die die Rahmenbedingungen für flexibles Arbeiten und Homeoffice klar festlege. Laut Unternehmensangaben wünschen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine ausgewogene Mischung aus Arbeit im Büro und Arbeiten im Homeoffice.

Auch Behörden setzen vorerst weiter aufs Homeoffice

Großzügig gehen auch viele Behörden im Land mit dem Thema Homeoffice um: Die Stadt Trier etwa teilte dem SWR mit, sie erlaube Beschäftigten bis 16. August, von zu Hause aus zu arbeiten. Auch die Landkreise Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm haben nach eigenen Angaben die Homeoffice-Möglichkeit verlängert. Man warte die weitere Corona-Entwicklung ab. Die Universität Trier und die Hochschule rufen bis Ende Juli weiter zum Homeoffice auf.

Die Verwaltung der Stadt Mainz verlängerte die Homeoffice-Regelung für ihre Beschäftigten bis zum 31. August. Die Stadt Neuwied erklärte sogar, sie wolle Heimarbeit grundsätzlich erlauben - unabhängig vom Pandemieverlauf. Die Beschäftigten des Landtags werden ebenfalls weiter von zu Hause aus arbeiten dürfen - zumindest bis zum 31. August, wie Parlamentssprecher Marco Sussmann sagte.

Lauterbach weiter für Homeoffice

Angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus hat der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach eine Fortsetzung des Homeoffice empfohlen. "Jetzt ist ein erheblicher Teil der Menschen noch nicht oder nur einmal geimpft", sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Situation sei "noch nicht ungefährlich". Wo Homeoffice nicht möglich ist, rät Lauterbach zum regelmäßigen Lüften und Tragen von Masken. Auch Klimanalagen seien gegen Ansteckungen hilfreich, noch besser aber sei regelmäßiges Lüften.

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Gewerkschaften fordern klare Regeln

Homeoffice und mobiles Arbeiten müssen nach Ansicht von Gewerkschaften dringend geregelt werden. Verdi-Chef Frank Werneke sprach sich in der "Rheinischen Post" etwa für Vereinbarungen in Tarifverträgen aus. "Mit dem Auslaufen der Homeoffice-Pflicht wird schmerzlich deutlich, dass es an Regelungen für die neue Normalität mangelt, nachdem die Union den entsprechenden Gesetzesentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gestoppt hatte."

Die SPD wollte schon im vergangenen Jahr einen Rechtsanspruch auf Homeoffice durchsetzen. Arbeitsminister Heil hatte versucht, einen gesetzlichen Anspruch auf 24 Tage pro Jahr zu erreichen. Das aber scheiterte am Widerstand der Union.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, plädierte im Morgenmagazin von ARD und ZDF ebenfalls für "gesetzliche Leitplanken", gerade auch für Arbeitgeber, die nicht in Verbänden organisiert sind.

Umfrage: Arbeitnehmer im Homeoffice fühlen sich produktiver

Eine Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit unter 1.001 Arbeitnehmern in Baden-Württemberg hat ergeben, dass 61 Prozent der Befragten im Homeoffice zufriedener seien und 69 Prozent fühlten sich auch produktiver. 86 Prozent gaben an, dass sie die Arbeit mindestens genauso gut auch zu Hause erledigen können.

Ein großer Teil der Befragten will laut Studie auch nach dem Auslaufen der Pflicht zum Homeoffice zumindest einen Teil seiner Arbeit weiter in den eigenen vier Wänden erledigen. 46 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice könnten sich vorstellen, künftig die Hälfte der Zeit von zu Hause aus zu arbeiten. Hinzu kämen zehn Prozent, die fast gar nicht mehr ins Büro zurück wollten, heißt es in der Studie.

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