Eine Frau sitzt mit einem Laptop auf den Beinen auf einem Sofa. Eine typische Pose im Homeoffice. Wie es damit in Zukunft weitergehen soll, darüber sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterschiedlicher Meinung. (Foto: IMAGO, Westend61)

Hohe Spritpreise und das Pendeln

Wie wird es mit dem Homeoffice weitergehen?

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Die Pandemie hat unsere Arbeitswelt grundlegend gewandelt. Mobiles Arbeiten wurde für viele zur neuen Normalität. Doch wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Vorstellungen von Beschäftigten und Unternehmen gehen weit auseinander.

Was wünschen sich die Beschäftigten?

In den vergangenen zwei Jahren sind viele Deutsche raus aus den Büros und ins Homeoffice geströmt. Im Frühjahr 2021 arbeitete dem deutschen Institut für Wirtschaft (IW) zufolge fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland im Homeoffice. Ein Jahr zuvor lag die Quote noch bei rund 13 Prozent. Rheinland-Pfalz lag 2021 weit unter dem Durchschnitt - nur rund 24 Prozent, also fast jeder Vierte, arbeitete hier zumindest ab und an im Homeoffice, wie das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz mitteilte.

Für viele Menschen hat das Homeoffice inzwischen seinen Reiz. Die Ansteckungsgefahr am Arbeitsplatz fällt weg, gleichzeitig können Beschäftigte ihr Berufs- und Privatleben beim mobilen Arbeiten besser vereinen. Ohne einen Arbeitsweg spart man außerdem Zeit und gerade in Zeiten, in denen die Energiepreise auf einem Allzeithoch sind, auch Geld. Kosten, wie beispielsweise Strom und Miete, können Beschäftigte im Homeoffice von der Steuer absetzen - bis zu fünf Euro pro Homeoffice-Tag, maximal 600 Euro pro Jahr.

Auch nach der Pandemie wollen viele Menschen nicht mehr auf die Vorteile der Heimarbeit verzichten: Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von Xing ergab, dass 17 Prozent der Beschäftigten nach der Pandemie gerne weiter vollständig mobil arbeiten würden. 14 Prozent wünschen sich demnach ein hybrides System, bei dem sie drei Viertel ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen können. Darüber hinaus sehen die Menschen vor allem ihre Unternehmen in der Pflicht: Dem Industrieverband Büro und Arbeitswelt (IBA) zufolge wünschen sich 58 Prozent der Beschäftigten, dass ihnen ihr Unternehmen beim Möblieren des Heimarbeitsplatzes hilft.

Was wollen Unternehmen umsetzen?

Obwohl es keine Homeoffice-Pflicht mehr gibt, setzen die meisten großen Konzerne in Deutschland weiterhin auf Heimarbeit. Das liegt vor allem an den hohen Infektionszahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Handelsblatt-Umfrage unter den 40 Dax-Konzernen und zehn großen Familienunternehmen.

Eine Umfrage des SWR bestätigt, dass auch in Rheinland-Pfalz viele Unternehmen weiterhin am Homeoffice festhalten. Bei der Versicherungsgruppe Debeka mit Sitz in Koblenz sind derzeit rund 90 Prozent der 4.500 Beschäftigten im Homeoffice. Ähnlich sieht es bei der Baumarktkette Hornbach aus dem südpfälzischen Bornheim aus: Von 1.700 Mitarbeitenden in der Verwaltung arbeiten rund 80 Prozent von zu Hause aus, hieß es dort. Beim Pumpenhersteller KSB war für die Beschäftigten aus der Verwaltung eigentlich auch Homeoffice geplant, wegen eines aktuellen Hackerangriffs müssen jedoch alle Beschäftigten aus der Verwaltung vorübergehend wieder im Büro arbeiten. Für die Mitarbeitenden vor Ort gelten in allen Unternehmen weiterhin die bisherigen Corona-Schutzmaßnahmen.

Was die Zukunft betrifft, gehen die Vorstellungen von Beschäftigten und Unternehmen weit auseinander. Nur ein Prozent der Unternehmen will nach Corona die Möglichkeit anbieten, vollständig von zu Hause aus zu arbeiten, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten. Fünf Prozent wären demnach offen dafür, ihre Mitarbeitenden drei Viertel der Zeit ins Homeoffice zu lassen. Rund ein Drittel der Betriebe möchte den Beschäftigten eine halb-mobile Arbeitsstelle anbieten. Ein Drittel der befragten Unternehmen sieht hierzu keine Möglichkeit.

Bei der Homeoffice-Ausstattung sehen sich weiterhin viele Unternehmen nicht in der Pflicht, zeigt eine Studie im Auftrag des IBA. Demnach haben knapp 60 Prozent der Entscheidungsverantwortlichen für die Arbeitsplatzgestaltung angegeben, dass ihre Mitarbeitenden Unterstützung gebraucht hätten. Gleichzeitig wurde nur rund die Hälfte der Unternehmen tatsächlich aktiv.

Die rechtlichen Grundlagen

Seitdem die Homeoffice-Pflicht Ende März ausgelaufen ist, haben Beschäftigte kein Recht mehr auf Homeoffice. Unternehmen können ihren Beschäftigten freiwillig weiter die Möglichkeit anbieten, es gilt jedoch wieder das Weisungsrecht des Arbeitgebenden. Wenn es Betriebsräte gibt, dürfen diese allerdings mitentscheiden, da sie ein Mitspracherecht bei der Gefährdungsbeurteilung und dem Hygienekonzept von Unternehmen haben. Solange die gesetzlichen Vorschriften, wie hier auch, einen ausgestaltungsbedürftigen Rahmen vorgeben, hat der Betriebsrat bei Regelungen über den Gesundheitsschutz mitzubestimmen, teilte das Bundesarbeitsministerium mit.

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Gibt es bald ein Recht auf Homeoffice?

In ihren Wahlprogrammen plädierten fast alle Parteien aus dem Bundestag für mehr Homeoffice als vor Corona. Lediglich die AfD nennt das Thema in ihrem Wahlprogramm nicht. Die restlichen Parteien wollen Beschäftigte vor einer Entgrenzung der Arbeit schützen und ihnen die Wahl lassen, zu Hause oder im Büro zu arbeiten. "Was die Parteien unterscheidet, sind die Bedingungen und der Weg dorthin", sagt Philipp Grunau vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Im Januar sprach sich auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zum wiederholten Mal dafür aus, grundlegende Konsequenzen "aus dem coronabedingten ungeplanten Großversuch zum Homeoffice" zu ziehen. Die Arbeit von zu Hause aus sei für Millionen Menschen zur Normalität geworden. Heils Pläne sehen vor, dass Unternehmen ihren Beschäftigten künftig das Arbeiten von zu Hause aus ermöglichen müssen, solange keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Der rheinland-pfälzische Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) sprach sich zuletzt sogar für eine Verlängerung der Homeoffice-Pflicht aus.

Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus?

Aktuell arbeiten laut Ifo-Institut rund 28 Prozent aller Angestellten in Deutschland regelmäßig von zu Hause aus. Auch langfristig rechnen die Münchner Ökonomen mit einer Homeoffice-Quote von rund 25 Prozent. In dieser Zahl sind auch Werksmitarbeiter eingerechnet, die an den Betrieb gebunden sind.

Viele Betriebe planen hybride Arbeitsmöglichkeiten für die Zukunft. Das bestätigt auch eine 2021 durchgeführte Umfrage der Tagesschau unter zehn DAX-Unternehmen. "Es gibt kein Zurück in die alte Welt. Die Zukunft unserer Arbeit ist hybrid ", erklärt beispielsweise die Deutsche Telekom. Das Beste aus beiden Arbeitswelten vereinen wollen auch die Deutsche Bank, Henkel und der Versicherungskonzern Allianz.

Um Mitarbeitende aus dem Homeoffice zu locken, wollen viele Unternehmen ihre Büros umgestalten. "Wir werden Büroflächen reduzieren und als Orte der Begegnung für den Austausch und zur Förderung der Kreativität umgestalten", heißt es von der Telekom. Auch andere DAX-Konzerne wollen ihre Standorte modernisieren und so neue Begegnungsräume schaffen.

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