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Spätestens seit dem Vorstoß der Bundesgrünen, ein Homeoffice-Gebot notfalls mit Hilfe von Bußgeldern durchzusetzen, wird wieder heiß diskutiert, ob es ein Recht auf Heimarbeit oder sogar eine Pflicht geben sollte. Das sagen Parteien und Verbände in Rheinland-Pfalz dazu.

Die Diskussion um einen größeren Beitrag der Wirtschaft beim Homeoffice reißt nicht ab. Von der Bundesregierung gibt es bislang lediglich eine Aufforderung an Arbeitgeber, Homeoffice - wo möglich - zu genehmigen. Und man wolle beim Thema Homeoffice auch weiter auf Freiwilligkeit setzen, sagte eine Regierungssprecherin am Mittwoch.

Die Grünen hingegen wollen im Bundestag mit einem konkreten Vorschlag Druck machen. Am Donnerstagabend wurde dort in erster Lesung über einen Antrag der Fraktion beraten. Er sieht vor, dass Arbeitgeber verpflichtet werden, Beschäftigten Homeoffice zu ermöglichen, soweit es die betrieblichen Anforderungen zulassen. Verstöße dagegen sollten mit Bußgeldern belegt werden können, heißt es in dem Antrag. Er wurde im Anschluss zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Arbeit und Soziales überwiesen.

Grüne: Auch Kontakte in der Arbeitswelt stärker reduzieren

Auch die Grünen in Rheinland-Pfalz fordern, dass es ein Recht auf Homeoffice und mobiles Arbeiten geben solle - während der Pandemie und darüber hinaus. So weit wie die Bundesgrünen wollen die Grünen im Land aber nicht gehen: "Wir appellieren dringend an das Verantwortungsbewusstsein der Firmen und Unternehmen in Rheinland-Pfalz, ihre Arbeitnehmer*innen so gut wie möglich durch diese Krise zu führen, sodass eine ad hoc durchgesetzte Pflicht mit Bußgeldern aus unserer Sicht nicht notwendig ist", teilte die Landespartei auf SWR-Anfrage schriftlich mit.

SPD: Homeoffice, wo immer es möglich ist

Auch die SPD in Rheinland-Pfalz fordert, dass Arbeitgeber das Arbeiten von zu Hause aus erlauben, wo immer es möglich sei. Die Partei habe auf Bundesebene bereits vor Monaten vorgeschlagen, ein Recht auf Homeoffice einzuführen. Der Vorschlag war damals an der Gegenwehr von CDU und CSU gescheitert. Ein herber Rückschlag, heißt es von der Landes-SPD: "Mit einem Rechtsanspruch darauf, jährlich mindestens 24 Tage von zuhause aus arbeiten zu können - und zwar unabhängig von Corona - wären wir jetzt schon viel weiter. "

FDP: Homeoffice soll keine Pflicht werden

Für die rheinland-pfälzische FDP sei die Sicherung von Arbeitsplätzen und der Gesundheitsschutz von zentraler Bedeutung, teilt Spitzenkandidatin Daniela Schmitt mit. Eine Homeoffice-Pflicht lehne sie ab, denn betriebliche Voraussetzungen seien überall unterschiedlich und dort, wo es möglich sei, werde Homeoffice schon angeboten. "Wer nun eine Homeoffice-Pflicht oder gar Bußgelder für Betriebe fordert, die dies nicht ermöglichen können, setzt Arbeitsplätze und damit auch Existenzen aufs Spiel", so Schmitt.

CDU: Es sollte großzügige Homeoffice-Regelungen geben

Statt einer gesetzlichen Regelung zum Homeoffice setzt auch die CDU Rheinland-Pfalz auf das Verantwortungsbewusstsein der Arbeitgeber, "zum Gesundheitsschutz großzügige Home-Office-Regelungen zu ermöglichen". Das Ziel seien Kontaktminimierungen. Es reiche nicht, nur Kontakte im privaten Bereich auf das unbedingt Notwendige zu reduzieren. "Auch im Berufsleben muss dort, wo immer möglich, alles daran gesetzt werden, die Zahl der Kontakte so gering wie möglich zu halten", heißt es von der Landes-CDU. "Darüber hinausgehende Regelungen müssen im Licht der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens geprüft werden."

AfD: Recht auf Home Office wirtschaftlich nicht sinnvoll

Von einem Recht auf Homeoffice hält die AfD Rheinland-Pfalz nichts. Es sei "angesichts der Heterogenität der verschiedenen Berufsfelder und Firmenstrukturen weder praktisch umsetzbar noch wirtschaftlich sinnvoll." Nichtsdestotrotz sei das Arbeiten von zu Hause, wenn möglich, eine "erstrebenswerte Option". In einer Mitteilung heißt es: "Insbesondere Müttern und Vätern bietet sie eine gute Möglichkeit, Familie und Beruf miteinander zu verbinden." Bei der Umsetzung sollten die Betriebe unterstützt werden.

DGB: Es wäre mehr mobiles Arbeiten möglich

Von den Gewerkschaften gibt es die klare Forderung, dass die Möglichkeiten der Arbeit im Homeoffice ausgebaut werden müssen. Man beobachte momentan, dass in vielen Betrieben mehr mobiles Arbeiten möglich sei, heißt es vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Rheinland-Pfalz/Saarland. Aktuellen Zahlen zufolge würden lediglich 14 Prozent der Beschäftigten von zu Hause aus arbeiten. Im Gegensatz dazu seien es im vergangenen April 27 Prozent gewesen.

Einer Pflicht zum Homeoffice stehe man beim DGB Rheinland-Pfalz/Saarland allerdings skeptisch gegenüber. "Wenn es um die Frage geht, wie stark die Arbeit ins Private eindringen darf, dann ist die Freiwilligkeit der Beschäftigten für uns der grundsätzliche Maßstab."

Verdi: Arbeitsschutz muss gewährleistet sein

Auch bei Verdi Rheinland-Pfalz/Saarland möchte man keine Pflicht, sondern einen Appell, das Homeoffice großzügig einzuführen. Wichtig sei dabei aber, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz gewährleistet bleibe, so Landesbezirksleiter Michael Blug.  Es dürfe nicht sein, dass durch das Homeoffice neue Krankheiten entstehen, zum Beispiel wenn man acht Stunden am Küchentisch am Laptop sitzt. "Das führt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen", so Blug.

LVU: Wirtschaftliche Folgen einer Homeoffice-Pflicht wären immens

Warnungen vor einer Homeoffice-Pflicht kommen von Unternehmerseite. Die Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU) Rheinland-Pfalz teilt mit, dass die Pflicht die Branchen und Einkommensklassen sehr unterschiedlich treffen würde. "Darüber hinaus wären die wirtschaftlichen Folgen immens." Die Produktivität sinke. Zudem zeigten Daten der Universität Oxford, "dass sich der Wirtschaftseinbruch in der Corona-Krise primär durch den Rückgang der Mobilität von Konsumenten und Arbeitskräften erklären lässt."

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