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Viele Rheinland-Pfälzer haben aktuell ihren Arbeitsplatz in die eigenen vier Wände verlegt. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie sich im Homeoffice befinden. Für Homeoffice und mobile Arbeit gelten unterschiedliche Regelungen etwa, was Unfallversicherung und Arbeitsschutz betrifft.

Laut Arbeitsstättenverordnung liegt Homeoffice nur dann vor, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen festen Arbeitsplatz außerhalb des Betriebs eingerichtet hat.

Mobiles Arbeiten bedeutet hingegen, dass Arbeitnehmer an beliebigen Orten tätig werden können, sofern dafür nur ein Laptop oder ein anderes "mobiles" Arbeitsmittel benötigt wird.

In der aktuellen Diskussion während der Corona-Pandemie hat man es daher regelmäßig mit mobilem Arbeiten und nicht mit Homeoffice zutun. Die wichtigsten Fragen dazu hat Bernd Wolf von der SWR-Rechtsredaktion beantwortet.

Kann der Arbeitnehmer verlangen, dass er im Homeoffice arbeiten darf?

Einen Anspruch, dass man im Homeoffice arbeiten darf, gibt es nicht. In vielen Firmen gibt es aber Regelungen zum Homeoffice - in den Arbeitsverträgen oder in Betriebsvereinbarungen oder einem Tarifvertrag. Die Angst vor Ansteckung allein berechtigt noch nicht zum Arbeiten daheim. Ist aber in der Abteilung, in der ich arbeite, ein Kollege an Corona erkrankt, dann muss ich nicht ins Büro kommen, ich kann ein Leistungsverweigerungsrecht geltend machen, wenn der Arbeitgeber keine Schutzmaßnahmen trifft.

Wie sieht es mit der Kontrolle aus? Wie intensiv darf der Chef seine Mitarbeiter in ihrer Wohnung überwachen?

Zunächst: Der Arbeitnehmer muss daheim die gleiche Arbeitszeit ableisten wie im Büro. Um das nachzuweisen, muss er Arbeitsbeginn, Pausen und Feierabend dokumentieren. Bei der Arbeit selbst muss es ein gegenseitiges Vertrauen geben: Der Chef muss sich darauf verlassen können, dass wirklich gearbeitet und nicht nur Kaffee getrunken wird. Der Mitarbeiter muss darauf vertrauen, dass er nicht übermäßig überwacht wird, etwa per Webcam im Dauerbetrieb. Was in Ordnung ist, sind stichprobenartige Leistungskontrollen des Arbeitgebers oder auch Schaltkonferenzen per Video oder Telefon ein- oder zweimal am Tag.

Bin ich im Homeoffice gegen Arbeitsunfälle versichert?

Die Frage dahinter ist, ob ich im Homeoffice die gesetzliche Unfallversicherung in Anspruch nehmen kann. Ob die Berufsgenossenschaft zahlt, das hängt davon ab, ob der Unfall im Rahmen meines Jobs passiert. Das bedeutet konkret etwa: Morgens der Gang vom Bett ins Bad, der ist privat und kein Arbeitsunfall. Und für die Risiken in meiner privaten Wohnung trage allein ich, nicht mein Arbeitgeber die Verantwortung.

Anders der erstmalige Weg am Morgen zum Arbeitszimmer, der kann laut Bundessozialgericht unfallversichert sein. Auch im sonstigen Tagesablauf: Unterbreche ich mal meine Arbeit, koche einen Tee oder bringe mal den Müll runter oder gehe was essen, oder ich mache zwischendrin in meinem Keller eine Stunde Workout, falle vom Stepper und breche mir dabei ein Bein, das alles hat nichts mit Arbeit zu tun – ist privat – die Berufsgenossenschaft muss nicht zahlen.

Und wenn ich im Arbeitszimmer einen Unfall habe? Also etwa am Kabel vom Computer festhänge? Oder mir den Kopf stoße?

Der Unfall muss einen Zusammenhang mit der Arbeit haben. Stolpere ich über das Kabel meines Laptops, weil mein Chef mir telefonisch aufgetragen hat, ich soll ihm eine Email schreiben, dann liegt das im Interesse der Firma, also greift die gesetzliche Unfallversicherung.

Wie mein Arbeitsplatz daheim eingerichtet ist, darauf hat mein Arbeitgeber ja im Zweifel keinen Einfluss.

Es ist zu unterscheiden zwischen dem echten Homeoffice, die heißt offiziell Telearbeit und richtet sich nach der Arbeitsstättenverordnung. Da muss mir meine Firma daheim einen vollwertigen Arbeitsplatz einrichten. Unser Homeoffice, das eigentlich begrenzt ist auf die Corona-Zeit, heißt offiziell Mobiles Arbeiten, da hat ein Arbeitgeber deutlich weniger Verantwortung für mich daheim, weil es ja auch zeitlich begrenzt sein soll.

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