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Lange hat es Wölfe in Deutschland nur noch in Märchen und Tierparks gegeben. Inzwischen wagen sie sich auch wieder nach Rheinland-Pfalz vor - und reißen hier auch Schafe. Besondere Hunde sollen das verhindern.

Die Moorschnucken blöken. Biene und Günther laufen schwanzwedelnd zwischen den Schafen im Nettetal bei Kirchwald in der Osteifel herum, schauen aufmerksam nach links und rechts. Die beiden gehören zu den ersten Herdenschutzhunden, die in Rheinland-Pfalz Schafe und Ziegen vor Wölfen schützen sollen.

Lange ausgerottet, durchstreifen Wölfe nun wieder das Bundesland. Naturschützer freuen sich über die Rückkehr des scheuen Raubtieres und mehr Artenvielfalt, viele Schäfer eher nicht. Auch in Rheinland-Pfalz kommt es immer wieder zu Schafsrissen durch Wölfe.

Wichtiger Schutz für größere Herden

Herdenschutzhunde können laut dem rheinland-pfälzischen Umweltministerium "eine wichtige Ergänzung zu wolfssicheren Zäunen insbesondere für größere Herden sein". Weidetierhalter lassen damit eine uralte Tradition wiederaufleben. Heike Dahm-Rulf, die mit ihrem Mann Matthias nebenberuflich 150 Moorschnucken und 50 Burenziegen hält, sagt: "Der Auslöser, uns Herdenschutzhunde zuzulegen, war der überfahrene Wolf bei Mainz-Finthen" im Januar 2020.

Nach einer unbestätigten Meldung sei auch schon einer dieser Beutegreifer nur sechs Kilometer von ihrem eigenen Betrieb durchgezogen.

Schäferin Heike Dahm-Rulf mit Mann, Tochter und Herde (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Thomas Frey/dpa)
Schäferin Heike Dahm-Rulf mit Mann, Tochter und Herde picture alliance/Thomas Frey/dpa

Lange Ausbildung

Biene und Günther sind Pyrenäen-Berghunde mit weißem Fell. Im Mai haben sie die Prüfung der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde bestanden. "Die Ausbildung dauert zweieinhalb bis drei Jahre", erklärt Dahm-Rulf. "Ein ausgebildeter Hund kostet deshalb ab 3.000 Euro aufwärts."

Herdenschutzhunde müssten in einer Herde geboren werden und aufwachsen. "Ich kann nicht einen solchen Hund einsetzen, der weint, wenn ich weggehe. Diese Hunde müssen einen größeren Bezug zur Herde als zu mir haben." Der Naturschutzbund (Nabu) erläutert: "Noch bevor die Welpen sehen können, riechen sie ihre Mutter und die Tiere, die sie später wie ihre eigene Familie beschützen werden."

Bei einer Attacke von Wölfen oder auch streunenden Hunden auf Weidetiere sollen die recht großen Herdenschutzhunde die Angreifer verbellen und vertreiben. Laut Umweltministerium müssen die vierbeinigen Wächter "selbstständig offensiv agieren können, ohne Befehle vom Menschen zu erhalten. Auch die jeweilige Herde muss sich an die ständige Präsenz der Hunde und deren Verhalten gewöhnen."

Hunde "nicht menschenscharf"

Der Umgang mit Herdenschutzhunden sei anspruchsvoll. Die scheidende Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) urteilt: "Damit es nicht zu Unfällen mit Menschen und anderen Hunden kommt, gehört die Haltung und Führung der Tiere deshalb in die Hände von Profis." Dahm-Rulf sagt, die Bevölkerung von Kirchwald habe ihre inzwischen vier Herdenschutzhunde "super empfangen". Diese laufen hinter dem 1,06 Meter hohen mobilen Zaun der Herde herum. "Die Hunde sind nicht gefährlich, die Hunde sind nicht menschenscharf", betont die Weidetierhalterin. Spaziergänger sollten Herdenschutzhunde wie Hofhunde behandeln und nicht streicheln.

Luna und Hummel bewachen 600 Schafe

Auch Wanderschäfer Frank Klein in Langenbach bei Kirburg hat zwei Herdenschutzhunde, Luna und Hummel. "Bei uns im Westerwald hat es schon Schafsrisse gegeben. Das kommt immer öfters vor, wir müssen jede Nacht damit rechnen", sagt Klein. Daher bewachten Luna und Hummel nachts seine 600 Schafe auf einer von einem Elektrozaun umsäumten Weidefläche. "Einen 100-prozentigen Schutz vor Wölfen" habe man aber nicht.

Der Vorsitzende des Landesverbands der Schafhalter/Ziegenhalter und Züchter Rheinland-Pfalz, Werner Neumann, sagt in Neuwied: "Der Wolf hat hier keine natürlichen Feinde, nur Autos überfahren ihn." Als wieder heimische seltene Tiere sind Wölfe gesetzlich streng geschützt, dürfen nur in Ausnahmefällen geschossen werden, etwa wenn unmittelbar viele Schafsrisse oder gar Gefährdungen von Menschen drohen. In dünner besiedelten Gebieten können Herdenschutzhunde, für die das Land in sogenannten Wolfspräventionsgebieten eine finanzielle Förderung zahlt, nach Neumanns Worten "eine gute Sache sein".

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