Gaspreis-Entwicklung (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Hohe Energiepreise durch Ukraine-Krieg auch in RLP

Heizung auf 15 Grad drehen - Ist das eine sinnvolle Lösung?

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Christian Papadopoulos

Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk hat sich für einen Einfuhrstopp von Gas und Öl aus Russland ausgesprochen. Er empfiehlt, die Heizung drastisch herunter zu drehen. Doch ist dies praktikabel?

"15 Grad im Winter hält man mit Pullover aus. Daran stirbt niemand". So lautet die etwas provokante Aussage des CDU-Politikers aus dem Nachbarland von Rheinland-Pfalz. In der Ukraine stürben Menschen durch den Beschuss der russischen Armee, sagte Hauk. Inzwischen hat Hauk seine Aussage etwas relativiert. Die 15 Grad seien symbolisch gemeint. "Ich glaube, dass es zumutbar für die deutsche Gesellschaft ist, dass wir auch Verzicht üben müssen, damit die Sanktionen wirken und dass der Krieg ein Ende hat", sagte Hauk.

Doch sind solche Forderungen realistisch? Und sind die hohen Energiepreise beispielsweise für Gas überhaupt gerechtfertigt? Wie steht es um medizinische Aspekte einer niedrigen Zimmertemperatur? Und wie kann man kurzfristig sinnvoll Heizkosten sparen - abseits von Niedrigenergiehäusern und Heizen durch Solarzellen auf dem Dach. Deren Installation ist ja nicht von heute auf morgen umzusetzen und kostet zunächst eine Stange Geld. Meist rentiert sich dies erst nach einem längeren Zeitraum. Und in der derzeitige Krise sind schnelle Lösungen gefragt.

Verbraucherzentrale: Große Preisunterschiede beim Gas in Rheinland-Pfalz

Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz verdeutlicht große Preisunterschiede bei den Erdgas-Grundversorgern. Neukunden, die nach einem Lieferstopp durch ihren vorherigen Billiganbieter in die Ersatzversorgung zurückfallen, werden besonders geschröpft.

Ein Mann lässt sich bei der Verbraucherzentrale Mainz wegen zu hoher Strom- und Gaspreise beraten (Foto: SWR)
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz berät Kunden wegen zu hoher Energiekosten.

Der Studie zufolge haben 14 von den 41 Grundversorgern auf ein Zwei-Klassen-Preismodell in der Grundversorgung umgestellt. Das heißt, dass Neukunden und Neukundinnen zum Teil erheblich mehr zahlen müssen als Bestandskunden und -kundinnen. Innerhalb der Gruppe der Versorger mit Zwei-Klassen-Modell gibt es außerdem erhebliche Unterschiede.

Neukunden müssen deutlich mehr zahlen

Die Grundversorger begründen ihre Preise damit, dass sie für ihre Bestandskunden schon vor längerer Zeit günstig Erdgas beschaffen konnten, während sie für die Neukunden kurzfristig teuer einkaufen müssen. Laut Verbraucherzentrale gibt es jedoch keinerlei Erklärung für diese gravierenden Unterschiede bei den Preisen für die Endverbraucher. Daher sei hier in einigen Fällen von einem Missbrauch der Monopolstellung in der Grundversorgung auszugehen. Die Verbraucherschutz-Organisation fordert, dieses Verhalten der Unternehmen kartellrechtlich zu überprüfen.

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27 Grundversorger zeigen der Erhebung zufolge, dass es auch ohne Zwei-Klassen-Modell geht. Aber auch innerhalb dieser Gruppe gebe es noch deutliche Unterschiede bei den Jahreskosten für einen Durchschnittshaushalt zwischen 1.485,12 Euro beim Kommunalen Eisenberger Energiepartner (KEEP) in der Pfalz und 2.544,51 Euro bei den EWR in Worms. Dies zeige, dass es offenbar unter anderem gravierende Unterschiede bei der Beschaffungsstrategie der Versorger, aber auch bei ihren Vertriebskosten und Gewinnmargen gebe - und das auf Kosten der Verbraucher und Verbraucherinnen.

Der teuerste Grundversorger für Erdgas überhaupt in Rheinland-Pfalz ist die Rheinische Energie Aktiengesellschaft (Rhenag) mit durchschnittlichen Jahreskosten in Höhe von 6.112 Euro. Neukunden zahlen hier in der Grundversorgung vier Mal soviel wie in Eisenberg.

Mainova sichert Gaslieferungen zu

Der Energieversorger Mainova aus Frankfurt, der auch viele Kunden in Rheinland-Pfalz hat, sicherte unterdessen Versorgungssicherheit zu. Deutschland beziehe Erdgas aus unterschiedlichen Lieferländern. Zudem bestehe die Möglichkeit, in gewissem Umfang zusätzliche Flüssiggas-Mengen beispielsweise aus den USA zu beziehen. Darüber hinaus sei Deutschland Teil eines europäischen Erdgas-Versorgungsystems, in dem sich die EU-Staaten im Bedarfsfall gegenseitig unterstützen. Allerdings seien die Beschaffungskosten in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Relativ stabile Preis könne man daher nur Bestandskunden und - kundinnen zusichern.

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Wie kann ich sinnvoll Heizkosten sparen?

Ein SWR3-Ratgeber gibt sieben Tipps, wie man kurzfristig Heizkosten sparen kann - ohne teure Investitionen. Dazu gehören elektronische Thermostate, die Entlüftung der Heizkörper, wenn sie gluckern, ein Abdichten der Fenster, die Isolation der Heizrohre, eine Absenkung der Raumtemperatur um ein Grad, Hände waschen mit kaltem Wasser und die Installation von Sparduschköpfen. Sie senken den Warmwasserverbrauch beim Duschen und somit auch die Heizkosten.

21 Grad als mittlere Temperatur für Wohnzimmer empfohlen

Energie-Experte Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt deutlich höhere Temperaturen im Wohnbereich als von Minister Hauk angedacht. Im Wohnzimmer sollten es schon rund 21 Grad sein. Für Küche, Flur und Schlafzimmer reichten auch 17-19 Grad. Im Bad empfiehlt Weinreuter sogar bis zu 23 Grad. Ob man davon in der aktuellen Situation abweichen wolle, sei eine individuelle Entscheidung. Auf 15 Grad herunter zu gehen, sei schon eine "extreme Empfehlung". Ältere und kranke Menschen sowie Säuglinge sollten von der Diskussion um deutliche Temperaturabsenkungen generell ausgenommen werden. Allerdings wies der Experte auch darauf hin, dass sich mit jedem Grad, um das man die Heizung niedriger stellt, ein Einsparpotenzial beim Verbrauch von sechs Prozent ergebe.

Wie beuge ich gesundheitschädlicher Schimmelbildung vor?

Schlecht geheizte Räume können aber auch zu gesundheitsschädlicher Schimmelbildung führen. Deshalb müssten Raumlufttemperatur und Luftfeuchtigkeit in bewohnten Räumen immer zusammen gedacht werden. Daher sollte neben dem Thermometer auch immer ein Hygrometer für die Messung der Luftfeuchte vorhanden sein, schlägt Weinreuter vor.

Die Gefahr von Schimmel in Wohnungen ergebe sich dort, wo es feuchte Luft in Kombination mit kalten Wänden gebe. Dem könne man durch gutes Lüften entgegenwirken, so Weinreuter. Dabei sei - entgegen der landläufig verbreiteten Meinung - die Kipplüftung sehr wohl ein brauchbares Mittel, um Feuchtigkeit nach draußen zu transportieren. Optimal sei eine Kombination aus Stoß- und kontrollierter Kipplüftung über einen begrenzten Zeitraum, um eine Wohnung trockener zu bekommen. In unbewohnten Häusern gebe es kaum Schimmel. Wo keine Menschen lebten, entstehe auch weniger Feuchtigkeit.

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Christian Papadopoulos