Blick in das Sprechzimmer einer Hausarztpraxis (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Monika Skolimowska)

Hausärztekongress in Mainz

So steht es um den Hausärztemangel in Rheinland-Pfalz

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Über den Hausärztemangel in Rheinland-Pfalz wurde schon viel diskutiert und vermutlich kennt jeder das Problem. Doch was sagen die Zahlen und wie geht es in den kommenden Jahren weiter?

Wenn sich am heutigen Freitag die Hausärzte und -ärztinnen in Rheinland-Pfalz zu ihrem Jahrestreffen in Mainz versammeln, werden voraussichtlich auch ihre Situation und ihre Arbeitsbelastung thematisiert. Seit Jahren schon gibt es einen Mangel an Medizinern und Medizinerinnen im Land und die Situation wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Das ist laut Kassenärztlicher Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV) die Lage im Land:

Stand der Dinge bei Hausärzten
Freie Hausarztstellen
Nachbesetzungsbedarf bis 2025
Demographischer Wandel bei Patienten und Patientinnen
Änderung der Arbeitszeit von Ärztinnen und Ärzte
Nachwuchsförderung in Rheinland-Pfalz

Stand der Dinge bei Hausärzten und Hausärztinnen

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz hat erhoben, dass zum Stichtag 30. Juni 2021 insgesamt 7.824 Ärzte und Psychotherapeuten an der ambulanten vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Versorgung in Rheinland-Pfalz teilnehmen. Die Zahl der Hausärzte in Rheinland-Pfalz beträgt 2.667. Der Altersmedian von Hausärzten im Land liegt bei 57 Jahren. Nur elf der 2.667 sind unter 35 Jahre alt, 273 sind 70 Jahre und älter.

Freie Hausarztstellen

In Rheinland-Pfalz sind aktuell 240 Hausarztstellen nicht besetzt. Dabei gibt es regional große Unterschiede. Während beispielsweise in Bingen, Gerolstein und Trier gar keine Stelle unbesetzt ist, fehlen in Kirchheimbolanden 13,5 Ärzte oder Ärztinnen und in Kaiserslautern 12,5. In nur sieben Städten und Kreisen sind alle Hausarztstellen besetzt. In den 46 ausgewiesenen Regionen - es wird nach Planungsbereich ausgewiesen - zwischen 0,5 und 18 Hausärztinnen und -ärzte.

Nachbesetzungsbedarf bis 2025

Um festzustellen, wann es in welcher Region zu Versorgungsengpässen kommen könnte, ermittelt die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz den Bedarf an neuen Ärzten bis 2025. Dies geschieht auf Grundlage des Medians, wann Hausärzte in den Ruhestand gehen. Dieser Mittelwert liegt in Rheinland-Pfalz bei 61 Jahren. Daraus ergibt sich, dass sich bis Ende des Jahres 2025 im Land 1.442 neue Hausärztinnen und -ärzte niederlassen müssen. Das sind 54 Prozent aller "Köpfe", also Vollzeitstellen.

Demographischer Wandel der Patientinnen und Patienten

"1950 war jeder hundertste Einwohner 80 Jahre und älter. Heute ist bereits jeder Fünfzehnte hochaltrig und ab etwa 2040 könnte es mehr als jeder Zehnte sein", heißt es im Demografieportal. Laut KV steige "mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit für behandlungsbedürftige Krankenheiten". Das Gesundheitssystem müsse also zukünftig mehr Behandlungen pro Patient durchführen.

Änderungen der Arbeitszeit von Ärztinnen und Ärzte

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte lassen sich fest anstellen. Waren 2009 noch unter acht Prozent der Medizinerinnen und Mediziner in Deutschland in Praxen angestellt, stieg der Wert 2020 auf 22 Prozent. Das hat zur Folge, dass weniger Arbeitszeit absolviert wird. Denn während selbstständige Ärzte im Durchschnitt etwa 52 Stunden arbeiten, sind es bei angestellten 40 Stunden - wenn diese denn Vollzeit arbeiten.

Dazu kommt, dass es in Rheinland-Pfalz eine hohe Stundenzahl für Bereitschaftsdienste gibt, sodass die Medizinerinnen und Mediziner dadurch nicht für den Regelbetrieb zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr waren in Rheinland-Pfalz ärztliche Bereitschaftspraxen außerhalb der "normalen" Sprechzeiten 104 Stunden pro Woche geöffnet. Damit liegt das Land laut KV im bundesweiten Vergleich deutlich vorne. Bremen auf Platz 2 hat 72 Wochenstunden und das Schlusslicht Sachsen-Anhalt 20.

Nachwuchsförderung

Eine weitere Besonderheit in Rheinland-Pfalz ist, dass es nur eine Universität gibt, die Humanmediziner ausbildet - die Universitätsmedizin Mainz. Damit ist das Land darauf angewiesen, dass Ärztinnen und Ärzte nach dem Studium in das Land ziehen. Laut KV fehlen 238 Studienplätze für Humanmedizin. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gibt es in Rheinland-Pfalz, wie die KV 2019 mitteilte, nur die viertniedrigste Zahl an Medizinstudienplätzen von allen Bundesländern.

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SWR