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Homeschooling, Homeoffice, Homeworkout - die Corona-Krise verlangt uns und unserer Internetverbindung viel ab. Schnelles Surfen wollen alle, doch die Parteien haben verschiedene Ansätze.

Klar ist, dass der Datenhunger weiter zunehmen wird. Das lässt sich schon allein am Konsum ablesen. Serien und Filme werden in den Mediatheken und bei Streamingdiensten in High Definition geschaut, allein eine Serienfolge ist dann locker ein Gigabyte groß. Und wir sind mit immer mehr Geräten unterwegs: Computer, Tablet, Smartphone, Fernseh- und andere Haushaltgeräte hängen am Netz.

Bei einer vierköpfigen Familie sind das schnell ein Dutzend Geräte, die zum Teil gleichzeitig online sind. Damit der Download dann nicht ewig dauert, die Serie beim Streamen nicht ruckelt und die Büroschalte auch mit Video funktioniert, braucht es eine entsprechend hohe Bandbreite. Mindestens 100 Megabit (Mbit) sollten es sein, 1.000 Mbit bzw. 1 Gigabit wären aber deutlich besser.

Mutter und Kinder surfen zuhause im Internet (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Jochen Tack)
Gehört für viele Familien zum Alltag: Alle sind immer online Jochen Tack

Fernsehkabel vs. Glasfaserkabel

Zugang zu mindestens 1.000 Mbit haben in Rheinland-Pfalz fast die Hälfte der Haushalte (49,2 Prozent), wie eine Erhebung des Bundesverkehrsministeriums zeigt. Bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass viele noch nicht so schnell surfen können. In manchen ländlichen Gebieten ist die Verbindung laut Breitbandatlas der Bundesregierung besonders langsam.

Zwei Techniken sollen das ändern: eine alte und eine moderne. Das Fernsehkabel hat mit dem sehr schnellen Internet eine Renaissance erlebt. Ein Gigabit pro Sekunde sind damit drin. Vorteil ist, dass diese Kabel schon vor Jahrzehnten verlegt wurden, um das Kabelfernsehen in Deutschland zu verbreiten. Der Nachteil ist aber, dass diese Kabel Kupfer enthalten und ihre Bandbreite nicht unbegrenzt erhöht werden kann. Und viele Menschen haben den Kabelanschluss abgeschafft - oder verbauen ihn in neuen Häusern gar nicht mehr.

Zukunftssicherer betrachten Experten deshalb das Glasfaserkabel. Hier ist ebenfalls Gigabit-Bandbreite möglich. Vorteil ist, dass diese Kabel langfristig noch mehr Bandbreite versprechen. Nachteil ist, dass der Ausbau teuer ist und lange dauert, weil die Kabel erst verlegt werden müssen.

Hunderte Millionen für den Glasfaserausbau

Genau das passiert gerade in Rheinland-Pfalz. An vielen Orten im Land werden Straßen aufgerissen, wird gebuddelt und wieder zugeschüttet. Bis 2025 will die Landesregierung jedem Haushalt Zugang zum Glasfasernetz verschaffen. Auch die Bundesregierung treibt das voran.

In dünn besiedelten Ecken lohnen sich die Arbeiten finanziell für Privatunternehmen nicht. Deshalb springt der Staat ein und fördert den Ausbau. Bund, Land und Kommunen haben schon hunderte Millionen Euro investiert.

Warum dauert der Ausbau so lange?

Und doch: Geredet wird seit Jahren über schnelles Internet, doch es dauert immer noch. Die Gründe sind unterschiedlich. Viele Projekte sind angestoßen und brauchen einfach Zeit. Aber es fehlt auch an Tiefbaufirmen, die die Kabel verlegen können. Genauso werden gelegentlich die Baumaterialen knapp. Auch das verzögert.

Einen dritten Punkt mahnt der Branchenverband Breitbandkommunikation Breko an: "Genehmigungsverfahrungen sollten vereinfacht, vereinheitlicht und digital werden", sagt Breko-Geschäftsleiter Sven Knapp. Wenn das schneller ginge, dann hätten die Unternehmen schneller Planungssicherheit und könnten Tiefbauunternehmen beauftragen.

Ein Tiefbauer bereitet eine Erd-Rakete zum Verlegen von Leerrohrnetze für den Breitband-Internetausbau neben einer Straße vor. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Jens Büttner)
Für den Glasfaserausbau braucht es Männer wie ihn: Tiefbauer. Doch die Nachfrage ist hoch, entsprechend fehlen für den schnellen Ausbau oft die Fachkräfte Jens Büttner

Ein vierter Punkt sind aber auch die Hausbesitzer. Sie werden entscheidend, wenn es um den letzten Meter geht, also darum, ob das Glasfaserkabel bis ins Zuhause geht. Von ihnen rüsten aber nicht alle um, weil es teuer ist. Und mit dem Fernsehkabel gibt es momentan eine kostengünstige Alternative, die eine ähnliche Bandbreite verspricht.

Das sagen die Parteien zu schnellem Internet

Bei der Landtagswahl im März ist schnelles Internet ein wichtiges Thema. Grundsätzlich wollen alle fünf im Landtag vertretenen Parteien die Breitbandversorgung verbessern. Trotzdem haben sie zum Teil unterschiedliche Ansätze:

SPD

Die Sozialdemokraten wollen die von der Landeseregierung beschlossene "Gigabit-Strategie" fortführen. Das bedeutet, dass der flächendeckende Ausbau mit "Hochdruck" vorangetrieben werde. Auch finanziell solle sich das Land weiter engagieren.

CDU

Die CDU will die Digitalisierung in der Staatskanzlei bündeln. Der Netzausbau soll durch landeseigenen Funkmasten beschleunigt werden. Diese Technik wird etwa in den USA und Kanada eingesetzt. In einem ersten Schritt sollen alle Krankenhäuser und jeder Arzt so ans schnelle Internet angebunden werden.

AfD

Die AfD sieht nur Glasfaserkabel als zukunftsträchtig und will den Ausbau fördern. Die Partei will eine landeseigene Digitalagentur gründen und Berater einstellen, die Kommunen dabei unterstützen, den Ausbau so schnell wie möglich in die Wege zu leiten. Hausbesitzer sollen mit Gutscheinen zum Umrüstungen ermutigt werden. Die AfD nennt das eine "Abwrackprämie für Kupfer".

FDP

Für die Liberalen sind Glasfaserkabel die "digitalen Lebensadern des 21. Jahrhunderts". Deshalb sei das Ziel, alle Unternehmen und Haushalte im Land Zugang zu dieser Technik zu ermöglichen. Gezielte Förderung soll die Kommunen beim Glasfasernetzausbau unterstützen.

Grüne

Der flächendeckende Glasfaserausbau soll in Rheinland-Pfalz weiter vorangetrieben werden, kündigen die Grünen für den Fall an, dass sie weiter an der Regierung beteiligt bleiben. Das Glasfasernetz soll bis ins Haus gehen. Mit Landesgeldern soll das gefördert werden, dort wo private Unternehmen nicht ausbauen. Außerdem soll der Ausbau von WLAN-Hotspots unterstützt werden.

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