STAND

Zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie hat das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium Empfehlungen für besonders gefährdete Personengruppen wie ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen vorgestellt.

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 sei ressortübergreifend dieser Tage das bestimmende Thema, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Donnerstag in Mainz. Dem Gesundheitsministerium komme dabei eine besondere und koordinierende Rolle zu. Es habe deshalb Empfehlungen erarbeitet, die diejenigen Menschen in den Mittelpunkt rücken sollen, die besonders gefährdet sind, einen schwereren Krankheitsverlauf zu erleben - etwa aufgrund ihres Alters, wegen Vorerkrankungen oder wegen eines geschwächten Immunsystems.

Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler: Persönliche Kontakte reduzieren

Für Altenpflegeheime und Einrichtungen für Behinderte gebe es die dringende Empfehlung, bei Neuaufnahmen von Bewohnern den aktuellen Gesundheitsstatus zu erfassen, "um diese Person falls nötig zu isolieren". Es müsse verhindert werden, dass bei einer Neuaufnahme das Virus in die Einrichtung getragen werde. Bei den bereits in der Einrichtung lebenden Bewohnern sollten Besuche auf ein Minimum reduziert, Gemeinschaftsaktivitäten beschränkt und das Essen nach Möglichkeit in den persönlichen Zimmern serviert werden.

Für Alten- und Pflegeheime empfiehlt die Ministerin außerdem, Besucher und Mitarbeiter zu registrieren, um im Fall einer Infektion die Kontaktpersonen schnell ermitteln zu können. Wichtigstes Ziel sei es, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Ältere Menschen und Kranke sollten nach Möglichkeit zu Hause bleiben und ihre persönlichen Kontakte einschränken.

Mainzer Virologe: "Wir sind alle immunologisch naiv"

Laut Ministerium gibt es weiterhin keinen Engpass bei den Coronavirus-Tests. Neben Krankenhäusern und privaten Laboren könne auch das Landesuntersuchungsamt allein 60 bis 90 Personen pro Tag testen, so Bätzing-Lichtenthäler. Die Tests sollten nicht ohne Grund aus bloßem Interesse erfolgen, um das System nicht zu überlasten, forderte der Mediziner Bodo Plachter vom Institut für Virologie der Universitätsmedizin Mainz.

Die Entwicklung in Bezug auf die Verbreitung des Coronavirus sei sehr dynamisch, erklärte der Virologe ergänzend. Er nahm als Experte an der Pressekonferenz in Mainz teil. "Wir haben permanent, fast stündlich, neue Entwicklungen." Die Ausgangssituation in Deutschland sei im Hinblick auf die diagnostischen Möglichkeiten vergleichsweise gut, man habe "relativ schnell" reagiert. Noch könne man in Deutschland die Infektionsrate kontrollieren - anders, als dies zum Beispiel in Italien der Fall sei. Für das neuartige Virus gelte, dass alle Altersgruppen "immunologisch naiv" seien. Das heißt: Während viele Menschen hierzulande gegen die Grippe mehr oder weniger gut geschützt sind, etwa, weil sie geimpft wurden oder sie schon erlebt haben, fehlt bei einem vollkommen neuen Virus diese Immunität in der gesamten Bevölkerung.

Landesregierung verstärkt Gesundheitsämter personell

Das Gesundheitssystem werde punktuell sehr belastet werden, erklärte Dr. Klaus Jahn, Leiter des Referats Öffentlicher Gesundheitsdienst, Hygiene und Infektionsschutz. "Deshalb müssen wir den Verlauf entsprechend verlangsamen". Wegen der hohen Belastungen aufgrund der Epidemie sollen die Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz außerdem personell verstärkt werden. Medizinstudenten ab dem fünften Semester seien in einer Ausschreibung gebeten worden, sich zur Unterstützung der Ämter zu melden und dann etwa in der Beratung der Hotlines mitzuwirken, teilte Bätzing-Lichtenthäler mit. Unterstützung für die Gesundheitsämter wünscht sich das Ministerium auch von Ärzten im Ruhestand. Es gebe bei den 24 Gesundheitsämtern im Land einen akuten Bedarf an 50 bis 60 zusätzlichen Kräften.

Das Gesundheitsministerium stehe im ständigen Austausch mit dem Bundesgesundheitsministerium, dem Robert Koch-Institut und allen Beteiligten im Gesundheitswesen. Das Land habe die Herausforderung, so die Gesundheitsministerin, mit großer Sorgfalt angenommen. Es gebe aber in einigen Bereichen eine Situation, die bundesweit nicht zufriedenstellend sei. Dabei nannte die Ministerin die Knappheit an Schutzausrüstung. Das Land habe den Hausärzten 120.000 Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt. Die vom Bund angekündigte zentrale Beschaffung stelle sich als sehr herausfordernd dar.

Pendler aus Risikogebiet in Frankreich sollen zuhause bleiben

Eine weitere Empfehlung richtete die Gesundheitsministerin außerdem an die rund 4.300 Pendler aus der zum Coronavirus-Risikogebiet erklärten Region in Frankreich: Sie sollen bis auf weiteres zuhause bleiben. Es gebe mit sofortiger Wirkung die dringende Empfehlung, nicht mehr am Arbeitsplatz zu erscheinen, sagte die Gesundheitsministerin. Nach Rheinland-Pfalz pendelnde Lehrerinnen und Lehrer seien von der Arbeit freigestellt worden, sagte der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz.

Besonders viele Einpendler aus Grand Est gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums in die Kreise Südwestpfalz, Südliche Weinstraße und Germersheim sowie in die Städte Zweibrücken, Landau und Pirmasens. Das Robert-Koch-Institut hat die französische Region, zu der das Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne gehören, am Mittwoch als Coronavirus-Risikogebiet eingestuft.

Zur Lage in Rheinland-Pfalz Rückblick-Blog: Entwicklungen zum Coronavirus in Rheinland-Pfalz 9.-14.03.20

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus in Rheinland-Pfalz steigt. Veranstaltungen werden abgesagt, Schulen vorsorglich geschlossen. Die Entwicklungen vom 9. bis 19. März hier im Überblick.  mehr...

Rheinland-Pfalz

Entwicklung der Pandemie Vier Kreise und eine Stadt in Rheinland-Pfalz unter Inzidenz von 50

Die Corona-Inzidenz in Rheinland-Pfalz schwankt aktuell um den Wert 100. An einigen Orten hat sich die Lage entspannt.  mehr...

Coronapandemie Symptome Coronavirus: Ist Covid-19 gefährlicher als die Grippe?

Was sind die Symptome für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus und wie unterscheidet sich die Lungenkrankheit Covid-19 von der normalen Grippe? Und vor allem: Welche Krankheit ist gefährlicher?  mehr...

STAND
AUTOR/IN