Mitarbeiter eines Gesundheitsamts bei der Kontaktenachverfolgung wegen Corona (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)

Steigende Corona-Zahlen

Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz wieder am Limit

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Die Zahl der Corona-Fälle steigt seit Wochen wieder - und bringt die Gesundheitsämter erneut an die Belastungsgrenze. Hilfe bei der Kontaktnachverfolgung kommt wieder von der Bundeswehr.

Viele Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz sind durch die steigenden Zahlen bei den Corona-Neuinfektionen wieder an der Belastungsgrenze angekommen. Man arbeite am Limit, sagten zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf SWR-Anfrage - auch wegen der aufwändigen Personennachverfolgung. Vor allem die vielen Infektionen in Schulen und Kitas führten zu deutlich mehr Arbeit.

Die Menschen hätten zudem wieder mehr Kontakte als während des Lockdowns. So komme es durchaus vor, dass bei einem Infizierten zehn Kontaktpersonen ermittelt werden müssten, sagte Sina Müller von der Kreisverwaltung Bad Dürkheim der "Rheinpfalz". Auch das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium sieht im Vergleich zu früheren Pandemiephasen eine "gestiegene Zahl an Kontaktpersonen der einzelnen Indexfälle".

Nicht alle Kontakte können nachverfolgt werden

Deutschlandweit können so derzeit nicht mehr alle Kontaktpersonen von Infizierten nachverfolgt werden. "Bei einer hohen Zahl von positiv Getesteten ohne gleichzeitigen Lockdown haben die Menschen häufig so viele Kontakte, dass eine grundsätzliche und umfängliche Nachverfolgung nicht mehr zu leisten ist", sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert.

Als die Infektionszahlen in Deutschland in diesem Sommer niedrig waren, hätten viele Ämter ihre Teams für die Nachverfolgung deutlich reduziert. Im Juli lag die Sieben-Tage-Inzidenz zeitweise bei nur noch fünf, inzwischen ist sie in Rheinland-Pfalz wieder auf rund 100 angestiegen.

Mehr Personal gefordert

Um die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen, benötigten die Gesundheitsämter dringend deutlich mehr Personal, fordert Teichert. "Viele tun ja jetzt so, als sei die Pandemie schon vorbei. Das ist leider nicht der Fall." Es sei allerdings schwer, Fachkräfte und insbesondere Ärzte zu gewinnen, weil sie in Gesundheitsämtern deutlich weniger verdienen könnten als im Krankenhaus.

Das rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium teilte auf SWR-Anfrage mit, es unterstütze die betroffenen Kommunen "bei der Akquise und Vermittlung zusätzlicher Kräfte zur Aufgabenbewältigung". Außerdem hätten die Gesundheitsämter die Möglichkeit, sich bei der Kontaktverfolgung auf besonders gefährdete Gruppen zu konzentrieren.

Land will Kontaktnachverfolgung nicht einschränken

Trotz der Probleme denkt das Land nicht daran, die gegenwärtige Praxis zu ändern. Forderungen aus Politik und Verwaltung, die Kontaktnachverfolgung einzuschränken, erteilte das Gesundheitsministerium eine klare Absage. Das sei nicht geplant.

Baden-Württemberg arbeitet nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums derzeit an einem Strategiewechsel. "Wir wollen die Kräfte auf eine intelligente Schwerpunktnachverfolgung von herausragenden Ereignissen konzentrieren", hieß es. Das könnten zum Beispiel Veranstaltungen sein, bei denen besonders viele Besucher waren.

Der Leiter des Gesundheitsamtes Daun fordert, sich bei den Tests nur noch auf Menschen mit Symptomen zu konzentrieren. Es sollten nicht mehr alle Kontaktpersonen getestet werden - das sei wegen der hohen Impfquote möglich.

Amtshilfe durch die Bundeswehr

Wegen der Personalprobleme haben mehrere Kreise erneut bei der Bundeswehr um Amtshilfe gebeten. Derzeit seien zehn Soldaten im Kreis Alzey-Worms und weitere vier im Kreis Trier-Saarburg im Einsatz, sagte der Pressestabsoffizier des Landeskommandos Rheinland-Pfalz, Günter Bohn, auf SWR-Anfrage. Anträge weiterer Kommunen seien bereits angekündigt.

Die Bundeswehr hat den Landesbehörden seit Beginn der Pandemie regelmäßig unter die Arme gegriffen. Im Frühjahr dieses Jahres sind laut Bohn insgesamt 500 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt worden - in den Gesundheitsbehörden aller Kommunen sowie in Impfzentren und Teststationen.

Entlastung durch neue Landesverordnung

Ab Sonntag sollen die Gesundheitsämter zudem durch die neu beschlossenen Corona-Regeln entlastet werden. Nur an Corona erkrankte Schüler müssen sich künftig absondern, ihre Klassenkameraden aber in der Regel nicht. Sie müssen sich nur an fünf Tagen hintereinander selbst testen sowie eine Maske am Platz tragen, wobei Geimpfte und Genesene ausgenommen sind.

In den Kindertagesstätten müssen - wenn ein Kind erkrankt - nur die Kinder derselben Gruppe in Quarantäne, bei denen ein PCR-Test positiv ausfällt. Die Maßnahmen regeln Kitas und Eltern künftig selbst. Bisher haben die Gesundheitsämter individuell festgelegt, wie die Kitas vorzugehen haben und welche Kinder in Quarantäne müssen.

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