STAND

Der Abwurf der Atombombe auf das japanische Hiroshima hat sich am Donnerstag zum 75. Mal gejährt. Auch in Rheinland-Pfalz gab es Gedenkveranstaltungen. In Büchel wurde gegen Atomwaffen demonstriert.

Video herunterladen (5,9 MB | MP4)

Am 6. August 1945 warf ein US-amerikanischer Bomber die erste Atombombe über der japanischen Küstenstadt Hiroshima ab. Drei Tage später fiel eine Bombe auf Nagasaki. Mehr als 200.000 Menschen kamen ums Leben. Weltweit wird der 75. Jahrestag der Ereignisse begangen, auch in Rheinland-Pfalz.

In Mainz wurde des Abwurfes der Atombombe über Hiroshima in der Ruinenkirche St. Christoph gedacht. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärte in einem Grußwort: "Mein Wunsch ist eine Welt ohne Atomwaffen."

Mainzer Bischof Kohlgraf hofft auf internationale Ächtung von Atomwaffen

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf wies darauf hin, dass Atomwaffen die Menschheit noch immer bedrohten. Die Waffen heute seien um ein Vielfaches gefährlicher als die Hiroshima-Bombe.

Kohlgraf hofft auf eine internationale und rechtskräftige Ächtung von Atomwaffen noch in diesem Jahr. "Die Drohung mit der Vernichtung des Lebens durch Atomwaffen kann kein Synonym für Frieden sein", so der Präsident von Pax Christi Deutschland. Die mehr als 200.000 Opfer der Angriffe vom August 1945 "mahnen uns alle eindringlich, für Abrüstung und für eine Welt ohne Atomwaffen einzutreten."

Auch die Landesregierung spricht sich gegen Atomwaffen aus

Für ein atomwaffenfreies Rheinland-Pfalz und den Beitritt der Bundesrepublik zum Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen hatte sich auch das Land mehrfach ausgesprochen. Dreyer bekräftigte dies am Donnerstag. Sie habe die Bundeskanzlerin aufgefordert, sich für eine deutsche Unterzeichnung und Ratifizierung des UN-Vertrages einzusetzen.

Im Hinblick auf den Jahrestag sagte SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer: "Hiroshima und auch Nagasaki sind ein Symbol und Beweis für das, was Atomwaffen anrichten können und mahnen uns: Nie wieder!" Die aktuellen Entwicklungen in den internationalen Beziehungen sehe er mit großer Sorge. "In unser aller Interesse muss das Ziel mehr denn je die weltweite nukleare Abrüstung lauten. Dazu gehört auch ein atomwaffenfreies Deutschland und Rheinland-Pfalz."

Trotz gesunkener Zahl an Atomwaffen Friedensforscher warnen vor neuem nuklearen Wettrüsten

Friedensforscher und Atomwaffengegner sind alarmiert: Trotz einer weltweit leicht gesunkenen Zahl an Atomwaffen warnt das Internationale Friedensforschungsinstitut Sirpi vor einem neuen nuklearen Wettrüsten.  mehr...

Achtstündige Friedenswache zum Gedenken an Hiroshima in Speyer geplant

In Mainz soll es am Abend außerdem Gedenkveranstaltungen auf dem Gutenbergplatz und am Rheinufer geben. Anläßlich des Jahrestags des Abwurfs der Atombombe auf Nagasaki am Sonntag findet ein ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche statt.

Auch in Speyer wird mit mehreren Veranstaltungen an den Jahrestag erinnert. Die protestantische Gesamtkirchengemeinde lud zum Friedensgebet in die Gedächtniskirche. Ab Samstagnachmittag veranstaltet die katholische Dompfarrei Pax Christi eine achtstündige Friedenswache vor dem Speyrer Dom. Und am Sonntag beginnt um 11 Uhr, zur Stunde des Abwurfs der Atombombe auf Nagasaki, ein Friedensgottesdienst in der Kirche St. Bernhard.

Mahnwache am Fliegerhorst in Büchel

In Trier entzündeten Aktivisten der Organisation Greenpeace bereits in der Nacht Kerzen vor der Porta Nigra - zum Zeitpunkt der Explosion vor 75 Jahren um 1:15 Uhr deutscher Zeit. In Mayen erklangen dann um 8:15 die Glocken der Clemenskirche. Japanischer Zeit war damals vom US-Bomber Enola Gay die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Namen "Little Boy" über Hiroshima abgeworfen worden.

Vor dem Luftwaffenstützpunkt Büchel forderten Aktivisten mit einer Mahnwache den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland. Auf dem Bundeswehr-Stützpunkt in der Eifel sollen die einzigen Atomwaffen in Deutschland lagern, als Teil der nuklearen Abschreckung der Nato. Offiziell wird dies weder von deutscher noch von US-Seite bestätigt. Für ihren Einsatz im Ernstfall hält die Bundeswehr Tornado-Kampfjets bereit.

Um 8:15 Uhr wurde eine Glocke geläutet. Am Nachmittag kamen mehrere Abgeordnete zu der Mahnwache, unter ihnen die Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus. "Die Atombomben müssen so schnell wie möglich aus Büchel abgezogen werden", forderte die Politikerin. "Allein in Büchel lagern 20 Atombomben mit einer weitaus stärkeren Sprengkraft als die der beiden Bomben, die vor 75 Jahren Tod und Leid über Japan brachten." Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Bernhard Braun nahm ebenfalls an der Mahnwache teil und sprach sich gegen ein neuerliches Wettrüsten aus. Die Bundesregierung müsse endlich aktiv werden.

"Der Atomwaffenstützpunkt muss endlich dicht gemacht werden!"

Katrin Werner, Bundestagsabgeordnete der Linken, zu Büchel

Katrin Werner, rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete der Linken, erklärte zum Hiroshima-Gedenktag: "Nachdem der Teilabzug der US-Truppen aus Spangdahlem im Raum steht, müssen wir jetzt endlich über die Entsorgung der Atomwaffen in Büchel sprechen. Der Atomwaffenstützpunkt muss endlich dicht gemacht werden."

Greenpeace-Aktivisten ließen in Büchel Heißluftballon steigen

Bereits am Mittwoch hatten Greenpeace-Aktivisten am Fliegerhorst Büchel für den Abzug aller US-Atombomben aus Deutschland demonstriert. Aktivisten brachten vor dem Gelände einen Heißluftballon mit der Aufschrift "Atomwaffen abschaffen - ban nuclear weapons" an.

"Massentötungen wie durch die Atombombe auf Hiroshima dürfen nie wieder geschehen", erklärte der Greenpeace-Sprecher für atomare Abrüstung, Christoph von Lieven. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass mit dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Abzug von US-Soldaten aus Deutschland "auch die amerikanischen Atombomben aus Büchel abgezogen werden".

Studie sieht Büchel als potenzielles Ziel eines Atombombenabwurfs

Greenpeace legte am Mittwoch zugleich eine Studie der Physikerin und Atomexpertin Oda Becker vor, in der den Angaben zufolge erstmals öffentlich mögliche Folgen eines Atombombenabwurfs auf Deutschland dargelegt werden.

Als potenzielles Angriffsziel wird darin neben dem politischen Zentrum Berlin und dem Finanzzentrum Frankfurt auch der Fliegerhorst Büchel angenommen. Laut der Studie würde eine Atombombe mit einer Sprengkraft von 20 Kilotonnen allein in Berlin 195.000 Menschen durch die Druck- und Hitzewelle sowie die radioaktive Strahlung töten.

Nach Informationen des "Spiegel" USA haben offenbar Atomwaffen aus Büchel modernisiert

Die mutmaßlich im Fliegerhorst Büchel in der Eifel gelagerten US-Atomwaffen sollen im vergangenen Herbst modernisiert worden sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel".  mehr...

Schweigeminute in Japan zum Jahrestag des Angriffs auf Hiroshima

Die erste Atombombe tötete am 6. August 1945 rund 140.000 Menschen in Hiroshima. Beim zweiten Angriff auf Nagasaki am 9. August starben weitere 70.000 Menschen. Mit den Angriffen wollten die USA im Zweiten Weltkrieg Japan zum Aufgeben zwingen. Japan kapitulierte am 15. August und beendete damit einen Konflikt, der mit dem japanischen Angriff auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor im Dezember 1941 begonnen hatte.

Zeitgeschichte Hiroshima – Wie die Atombombe bis heute nachwirkt

Wie kam es zum Atombombenabwurf 1945? Japan tut sich bis heute schwer, seine eigene Verantwortung an der Katastrophe einzugestehen. Und die jetzige Regierung rückt auch ab vom Pazifismus.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Bis 1950 starben laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz insgesamt 340.000 Menschen an den Folgen wie Verstrahlungen. Das Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen ist bei den Überlebenden bis vor wenigen Jahren stetig gestiegen und heute bei über 80-Jährigen immer noch signifikant erhöht.

SWR1 Sonntagmorgen Nie wieder Hiroshima?

Am 6. August 1945 wurde über dem japanischen Hiroshima zum ersten Mal eine Atombombe über bewohntem Gebiet eingesetzt. Die Folgen: verheerend. Was ist aus dem Widerstand gegen Atomwaffen geworden?  mehr...

Sonntagmorgen SWR1

Nach Informationen des "Spiegel" USA haben offenbar Atomwaffen aus Büchel modernisiert

Die mutmaßlich im Fliegerhorst Büchel in der Eifel gelagerten US-Atomwaffen sollen im vergangenen Herbst modernisiert worden sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel".  mehr...

Mainzer Geistlicher sieht "gefährliche Sorglosigkeit" Bischof Kohlgraf fordert Abzug von US-Atomwaffen aus Büchel

Der Mainzer Bischof Kohlgraf hat sich für den Abzug von US-Atomwaffen aus Deutschland ausgesprochen. Es habe sich "eine gefährliche Sorglosigkeit gegenüber der atomaren Bewaffnung" entwickelt, sagte Kohlgraf am Samstag.  mehr...

Guten Abend Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

STAND
AUTOR/IN