Eine Frau wartet am frühen Morgen mit ihrem Koffer im Frankfurter Hauptbahnhof.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Reisen nach Ersatzfahrplan in RLP

Berufung der Bahn abgelehnt - Streik geht bis Dienstag weiter

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Der Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn ist
mit juristischen Mitteln derzeit nicht zu stoppen. Das Hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt lehnte am Freitag eine von der Bahn beantragte einstweilige Verfügung gegen die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ab.

Der Lokführerstreik kann nach dem Gerichtsbeschluss somit wie geplant bis Dienstagmorgen weitergehen. Laut Bahn lief der Verkehr am Morgen wie nach dem Sonderfahrplan vorgesehen an. Viele Linien im Regional- und S-Bahnverkehr fallen aus oder fahren eingeschränkt etwa im Zwei-Stunden-Takt, wie aus einer DB-Übersicht hervorgeht. Für das Wochenende plant die Bahn nach eigenen Angaben, das Zugangebot im Fernverkehr von 25 auf 30 Prozent leicht auszuweiten. Im Regional- und S-Bahnverkehr seien derzeit etwa 40 Prozent der Züge unterwegs.

Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main hatte am Donnerstagabend einen Antrag der Bahn auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Streiks abgelehnt. Die Bahn hatte der Lokführergewerkschaft GDL vorgeworfen, mit dem seit Donnerstagmorgen laufenden Streik nicht nur bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen zu wollen, sondern auch politische Ziele zu verfolgen. Nach Angaben des Gerichts gibt es keine Hinweise, dass die GDL mit dem Streik unzulässige Ziele verfolge. Die Bahn hatte umgehend Berufung eingelegt, die jetzt abgelehnt wurde.

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GDL: "Angebot inhaltlich nicht annehmbar"

Am Mittwoch hatte die Bahn der GDL ein neues Angebot vorgelegt in der Hoffnung, einen Streik im Personenverkehr noch abwenden zu können. Doch die Gewerkschaft der Lokführer lehnte das Angebot ab. Dieses beinhaltet eine Corona-Prämie von 400 bis zu 600 Euro und eine Laufzeit des Tarifvertrags von 36 Monaten. Bislang hatte die Bahn eine Laufzeit von 40 Monaten angeboten und die Höhe der Prämie nicht beziffert. Die GDL verlangt eine Laufzeit von 28 Monaten. Weiterhin bietet die Bahn 3,2 Prozent mehr Gehalt in zwei Stufen. GDL-Chef Klaus Weselsky sagte in der ARD, das Angebot des Managements sei "inhaltlich nicht annehmbar." Der Streik gehe weiter.

Der Bahnführung warf Weselsky vor, sie verfolge das Ziel, die GDL loszuwerden. Weselsky sagte, das Bahn-Angebot sei auf den derzeitigen Geltungsbereich des Tarifvertrages beschränkt. In den letzten 14 Monaten seien aber 4.000 neue Mitglieder in die GDL eingetreten, unter anderem Fahrdienstleiter und Werkstatt-Mitarbeiter. All diese Mitglieder wollten Tarifverträge von der GDL haben, argumentierte Weselsky. Der GDL-Chef ergänzte, die Gewerkschaft werde "natürlich" mit der Bahn weiter verhandeln.

Streik-Auswirkungen auf Vorderpfalz und Mainz

Der Bahnstreik macht sich in allen Teilen von Rheinland-Pfalz bemerkbar: In der Vorderpfalz beispielsweise fallen die Regional-Express-Züge zwischen Karlsruhe über Mannheim nach Mainz komplett aus. Die S33-Züge von Germersheim über den Rhein nach Graben-Neudorf und Bruchsal verkehren im Stundentakt. Ebenfalls stündlich fährt die S6 von Mannheim über Ludwigshafen Richtung Mainz. Fahrgäste kommen aber nicht von Ludwigshafen nach Bensheim. Dieser Abschnitt wird nicht angefahren.

Zwischen Neustadt und Frankenthal sowie zwischen Landau und Pirmasens fahren die Züge nur alle zwei Stunden. Zwischen Winden und Wissembourg entfallen sie komplett, ebenso zwischen Wörth und Lauterburg und Winden und Bad Bergzabern. Stattdessen fahren Busse im Notbetrieb.

Auch im Bereich des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), zu dem die Landeshauptstadt Mainz zählt, werden die S-Bahnen nur alle 60 Minuten fahren. Die Linien S7 und S9 entfallen. Auf der Strecke zwischen Karlsruhe über Mainz nach Frankfurt entfallen die Züge der RE4 und RE14, zwischen Frankfurt und Mannheim die Züge der RE60 und RB67. Für andere Linien wird der Takt ausgedünnt oder es fahren Busse in einem Ersatzverkehr.

Einschränkungen in der Westpfalz und der Region Trier

Zugausfälle und Verspätungen gibt es auch in der Westpfalz - trotzdem fahren einige Züge. So verkehrt zum Beispiel nur eine S-Bahn zwischen Homburg-Kaiserslautern-Mannheim planmäßig. Nur tagsüber fährt die Bahn zwischen Kaiserslautern und Pirmasens, ebenso der Zug zwischen Kaiserslautern und Bingen. Auch die Lautertalbahn von Kaiserslautern nach Lauterecken fährt tagsüber sowie der Zug zwischen Kaiserslautern und Kusel. Bedient wird auch die Strecke Kaiserslautern - Saarbrücken.

In der Region Trier müssen Bahnfahrer ebenfalls mit Ausfällen leben - so beispielsweise auf dem Abschnitt Trier - Saarbrücken, wo die Züge komplett entfallen. Auch die Regionalbahnen zwischen Wittlich und Trier und Saarbrücken und Merzig fahren nicht. Züge zwischen Trier und Luxemburg verkehren dagegen.

Behinderungen im Norden von Rheinland-Pfalz

Stark betroffen von den Zugausfällen ist auch der Norden von Rheinland-Pfalz. Im Fernverkehr gibt es beispielsweise Behinderungen in Richtung Belgien und Niederlande. Die Streiks der GDL behindern auch den Verkehr an den Bahnhöfen in Montabaur, Kobern-Gondorf, Andernach, Bad Ems und Cochem. Die Deutsche Bahn macht auf der Homepage in einigen Fällen auf alternative Verbindungen aufmerksam. Diese sind mit einem grünen Dreieck gekennzeichnet.

Im Regionalverkehr im Norden des Landes fallen nach Beobachtungen von SWR-Reportern mehr Züge aus als im Ersatzfahrplan eigentlich vorgesehen. Das gilt etwa für die Regionalbahnlinie zwischen Koblenz und Limburg. Hier hatte die Bahn einen Zwei-Stunden-Takt angekündigt. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf der Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier. Auch hier war ein Zwei-Stunden-Takt des schnellen Regionalexpresses angekündigt, die langsame Regionalbahn sollte weitgehend normal fahren. Die Fahrplanauskunft zeigte am Donnerstagnachmittag aber mehr Zugausfälle an.

Ersatzfahrplan und Kulanzangebote

Nach der Streikankündigung der GDL hatte die Bahn Informationen zum Ersatzfahrplan für den Fern- und Regionalverkehr veröffentlicht. Reisende sollen sich laut Bahn zudem in der Bahn-App über geänderte Verbindungen informieren. Kunden, die nicht unbedingt fahren müssten, sollten ihre Reise verschieben, hieß es.

Der Konzern bietet auch zusätzliche Kulanzmaßnahmen an. Reisende könnten Fahrkarten für den Streikzeitraum flexibel nutzen und ihre Reisen vorziehen oder bis zum 17. September verschieben. Tickets könnten außerdem kostenfrei storniert werden.

 

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Streik soll bis zum 7. September dauern

Am Montag hatte GDL-Chef Weselsky im laufenden Tarifstreit mit der Bahn den dritten und bisher längsten Streik angekündigt. Dieser werde im Personenverkehr am Donnerstag um 2 Uhr starten und bis zum 7. September dauern. "Das ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich", sagte Weselsky. Ein unbefristeter Streik stehe aber nicht zur Debatte.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die GDL. "Es gibt gewisse Rechte im Grundgesetz, aber ich muss damit auch sehr behutsam umgehen", sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Karl-Peter Naumann. "Das ist, glaube ich, nicht mehr der Fall." Mit der Streikwelle schade die GDL dem Ruf der Eisenbahn und der angestrebten Verkehrswende. "Ich kenne genügend Leute, die sagen: Wenn das so weitergeht, dann war's das mit Bahnfahren."

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