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Die Stadt Mainz unterstützt die von der Corona-Krise gebeutelte Gastronomie-Branche und gibt mehr als 110 Parkplätze und Ladeflächen für Restaurants, Cafes und Bars frei, damit diese ihren Außenbereich erweitern können. Aber wie geht es für sie weiter, wenn der Sommer vorbei ist?

Nora Valeska Benks, Inhaberin des Restaurants "Goldener Hirsch" freut sich über den größeren Außenbereich ihres Familienrestaurants: "Die zusätzlichen Plätze helfen auf jeden Fall - für den Moment." Gerade kompensierten sie aber eigentlich nur das übliche Geschäft - die Kundschaft verlagert sich in den Außenbereich. "Denn die Gäste möchten im Moment auf keinen Fall in geschlossenen Räumen verweilen."

Bereits im Mai hatte die Stadt Mainz entschieden, das Umwandeln von Parkplätzen in Flächen für die Außengastronomie zu erlauben. So wird es den Gastronomen erleichtert, die von der Landesregierung beschlossenen Hygienevorschriften in der Corona-Krise einzuhalten. Auch Gebühren für die Sondernutzungen, zum Beispiel für Außenbestuhlung, möchte die Stadt für das gesamte Jahr 2020 nicht erheben.

Für Gäste aber auch Anwohner bedeutet das zwangsweise eine längere Parkplatzsuche. "Natürlich gab es auch Stimmen, die die fehlenden Plätze moniert haben", räumt Benks ein. "Grundsätzlich ist man uns gegenüber aber sehr solidarisch."

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Langfristig mehr Raum für Mensch und Natur in der Innenstadt

Im Stadtrat stößt der Entschluss fraktionsübergreifend auf viel Zustimmung. "Wir halten es für sehr sinnvoll, der Gastronomie zu gestatten, ihre Außenflächen auf Antrag kostenfrei zu erweitern", befand etwa der Fraktionsvorsitzende der CDU Hannsgeorg Schönig in einer Pressemitteilung. Die Fraktion der Piraten & Volt betont, der gewonnene Platz komme nicht nur den Gastronomen zugute, sondern präge auch langfristig ein "klimafreundliches Stadtbild".

"Auch wenn der Anlass zur Einsicht hier sicherlich kein erfreulicher ist, ist dies dennoch ein guter Schritt in die richtige Richtung", befindet der Fraktionsvorsitzende Maurice Conrad. Eine autofreie Innenstadt bedeute nicht nur "mehr Lebensqualität, mehr Platz für Grünflächen, Radfahrer und Fußgänger", sondern leiste auch einen wesentlichen Beitrag zu dem erklärten Ziel, Mainz bis 2035 klimaneutral zu machen. Nach der Corona-Pandemie müsse geprüft werden, in welchen Bereichen die getroffenen Maßnahmen bestehen bleiben.

Mainzer Oberbürgermeister: Gastronomie "Seele" der Stadt

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) zieht rund zwei Monate nachdem Restaurants und Cafes wieder öffnen dürften eine positive Bilanz: Sowohl die Gastronomen als auch viele Bewohner und Besucher der Stadt Mainz freuten sich über den Entschluss und die lebendige, bunte Innenstadt. "Das gibt ein rundes Bild." Natürlich hätten sich auch einige wenige Menschen über den Wegfall von Parkplätzen beschwert. "Es ist eine klassische Abwägung der Stadt gewesen: Wie können wir Gastronomen in einer sehr, sehr schwierigen Zeit helfen?" Die Gastronomie sei eben auch ein bisschen die Seele einer Stadt. "Und dafür sind wir auch bereit, mal ein paar Parkplätze für einige Monate aus dem Verkehr zu ziehen."

Derzeit, so Ebling, sammle man noch Erfahrungen, bis die Saison zu Ende gehe und warte ab, wie lange welche Corona-Regeln gelten. Der Individualverkehr stehe abgesehen davon aber bei der Stadtentwicklung im Innenstadtbereich nicht im Mittelpunkt. "Wir wollen natürlich, aus Klimaschutzgründen, aber auch aus Gründen des Aufenthalts für die Menschen, den öffentlichen Raum anders widmen." Vielleicht könnte der Gastronomie also langfristig mehr Platz zur Verfügung stehen.

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Gastronomie könnte zweiten Lockdown nicht überleben

Für die kältere Jahreszeit müssen die Gastronomen unter Umständen kreativ werden. "Wir fürchten alle den Herbst, die Pandemie ist noch lange nicht vorbei", gibt Nora Valeska Benks vom "Goldenen Hirsch" zu Bedenken. Der Umsatz eines ganzen Quartals sei weggefallen. Insofern wünscht sich die Gastronomin, dass die Stadt Mainz die Genehmigung auf weitere Saisons oder sogar langfristig ausweitet. "Gerade können wir selbst nur damit umgehen, indem wir die Abstandsregeln weiterhin einhalten und unsere Personalkosten senken." Benks hofft, dass das Geschäft im Sommer weiterhin gut läuft - damit sie sich ein finanzielles Polster zulegen kann, sollte die befürchtete zweite Welle tatsächlich kommen.

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